Drucken Versenden

Gefährlicher Haushalt

Mehr Tote als im Straßenverkehr

Unfälle passieren vor allem Kindern und Senioren
 

Frankfurt/Main - Vor allem für Senioren und Kleinkinder ist das eigene Zuhause gefährlich: Jährlich sterben dort tausende Menschen nach Stürzen, Verbrennungen oder sogar durch Ertrinken. Im Jahr 2004 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 6262 tödliche Haushaltsunfälle, rund 300 mehr als im Straßenverkehr. Jeder fünfte derartige Todesfall betrifft einen älteren Menschen über 65 Jahre.

"Viele ältere Frauen überschätzen ihre Kräfte bei der Hausarbeit", sagt Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion "Das sichere Haus", ein in der Unfallprävention tätiger Verein, der unter anderem von den privaten und gesetzlichen Unfallversicherungen getragen wird. 80-Jährige putzten die Fenster auf einer Leiter oder hängten schwere Gardinen auf. "Da sind Stürze oft vorprogrammiert", sagt Woelk. Viele Seniorinnen seien seit Jahren die normale Hausarbeit gewohnt und realisierten nicht, dass sie im Alter etwas wackliger auf den Beinen geworden sind.

Ursachen für Stürze sind häufig auch überlappende Teppiche oder Wasserlachen im Bad. "Aber auch Medikamente wie Schlafmittel können zu einem erhöhten Sturzrisiko führen", sagt die Expertin. Die möglichen Verletzungen rangieren zwischen Knochenbrüchen in Armen oder Beinen bis zu einem Oberschenkelhalsbruch. Sogar ein Pflegeheimaufenthalt kann dann erforderlich werden. "Männer verletzen sich dagegen häufiger bei der Gartenarbeit oder im Heimwerkerbereich", sagt Woelk.

Viele Stürze könnten jedoch vermieden werden. "Wenn man feststellt, dass man bestimmte Haushaltstätigkeiten wie das Fenster putzen nicht mehr schafft, sollte man sich nicht scheuen, Hilfe von Nachbarn oder Verwandten zu holen", sagt die Expertin.

Auch festgeklebte Teppiche und mehr Platz zum Laufen in der eigenen Wohnung verringern das Sturzrisiko. "Hilfreich sind auch Hausnotrufsysteme, die beispielsweise der Arbeiter-Samariter-Bund anbietet", sagt Woelk. Dabei lässt sich über einen kleinen Sender am Handgelenk ein Notruf aktivieren.

Ein höheres Risiko für Haushaltsunfälle haben auch Demenzkranke, sagt Klaus Afflerbach vom Forum Unfallprävention beim Deutschen Grünen Kreuz in Marburg. So habe beispielsweise ein Demenzkranker vergangens Jahr braune Entkalkerflüssigkeit aus der Kaffeemaschine getrunken und starb an der Vergiftung.

Neben Senioren sind vor allem Kinder bis 14 Jahren von Haushaltsunfällen betroffen, von denen die Hälfte auf Stürze zurückgeht. "Je jünger die Kinder sind, desto schwerwiegender sind die Verletzungsfolgen", sagt Gabriele Elsäßer, Leiterin des Landesgesundheitsamtes Brandenburg und Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen. Während Kleinkinder meist vom Wickeltisch stürzen, verletzen sich Schulkinder vor allem in ihrer Freizeit.

Eine schlechtere Bildung kann das Risiko für einen solchen Unfall im häuslichen Bereich erhöhen. "Studien in England konnten zeigen, dass eine drei- bis vierfach höhere Unfallsterblichkeit bei Kindern besteht, deren Eltern keine berufliche Ausbildung hatten im Vergleich zu Eltern mit einem gelernten Beruf", sagt Elsäßer. Auch Armut und Kinderreichtum stellen ein erhöhtes Risiko für einen Unfall im Haushalt dar. Das Risiko, in England an einem Wohnungsbrand zu sterben, sei für Kinder von Eltern mit einem niedrigen beruflichen Status 16 Mal größer, als für Kinder von Eltern mit dem höchsten beruflichen Status.

Europaweit könnten laut Elsäßer 12.000 tödliche Unfälle im Kindesalter vermieden werden, wenn Präventionsmaßnahmen wie in Schweden durchgeführt würden. Dort werden die Eltern bereits nach der Geburt von der Kinderkrankenschwester über Maßnahmen zur Unfallverhütung informiert. Dazu gehören aber auch eine Rauchmelderpflicht im privaten Bereich und eine gute Produktberatung beispielsweise über Fensterriegel oder Herdschutzgitter.

(Redaktionen: Beim Forum Unfallprävention im Deutschen Grünen Kreuz, Schuhmarkt 4, 35037 Marburg, sind gegen eine Portogebühr in Höhe von 1,45 Euro Broschüren über Präventionsmaßnahmen kostenlos erhältlich.)

Weitere Informationen:

www.dgk.de
www.das-sichere-haus.de
 

AP

07.01.2007 - aktualisiert: 05.09.2007 21:10 Uhr

 



Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise