So einen Adolf Hitler, wie ihn der geniale Komiker Helge Schneider verkörpert, gab es noch nie im Kino zu sehen. Ihm verdankt der Schweizer Regisseur Dani Levy, dass die Zuschauer zunächst glauben, "Mein Führer" sei tatsächlich eine Komödie.
Schneider spielt Hitler zur Zeit der Jahreswende 1944/45 als lebensmüden, gebrochenen Mann, der in der Badewanne mit Kriegsschiffchen spielt oder am Schreibtisch KZ-Grundrisse studiert - zu mehr ist er nicht in der Lage. Goebbels aber möchte, dass Hitler noch einmal eine große Rede hält, und heuert den besten Schauspiellehrer an. Der heißt Adolf Grünbaum, ist Jude, im KZ Sachsenhausen und alles andere als angetan davon, dem Urheber allen Unglücks zu helfen. Um nicht zu sterben, tut er es trotzdem, und zwischen beiden entwickelt sich eine eigenartige Symbiose.
Im Film über Adolf Hitler zu lachen hat Tradition. Charlie Chaplin ließ in seiner Satire "Der große Dikator" (1940) den Potentaten Hynkel selbstverliebt mit einem Globus jonglieren und eine furiose Imitation einer vollkommen sinnentleerten Führerrede halten. In Ernst Lubitschs Komödie "Sein oder Nichtsein" (1942) führte eine polnische Theatertruppe die Nazi-Besatzer an der Nase herum, und hier durfte ein kleiner Nebendarsteller, der im "Hamlet" nie über eine Rolle als Hellebardenträger hinauskam, den Diktator spielen - allerdings ohne zu sprechen, um sich nicht zu verraten.
Das Ausmaß der Nazi-Verbrechen war damals nicht bekannt; wer heute über Hitler lachen möchte, arbeitet unter anderen Bedingungen. Dani Levy, selbst jüdischer Abstammung und zuletzt mit der sympathischen Komödie "Alles auf Zucker" erfolgreich, hat es sich noch schwerer gemacht und die historische Fußnote, dass Hitler sich 1933 von einem Schauspieler beibringen ließ, auf Menschen zu wirken, an den Untergang verlegt: Berlin in Trümmern, Menschen im KZ - schwierige Bedingungen für eine Komödie.
Der Anfang funktioniert, weil Levy offensiv die Vorbilder zitiert. Wie bei Lubitsch pflegen die Nazis eine exzessive Heil-Hitlerei, was die Kommunikation erschwert, und der Potentat spielt nicht mehr mit der Weltkugel, sondern nutzt sie zum Aufbewahren seines Medikamentenarsenals. Doch Levy spielt nur mit Zitaten und Symbolen, wenn etwa Schäferhund Blondi die Pfote zum Hitlergruß hebt und die Friseurin aus Versehen den halben Oberlippenbart abrasiert - tiefgründigen Witz entwickelt er kaum.
Der hätte aus der Beziehung Hitlers zu Grünbaum entstehen müssen, doch diese entgleist zusehends: Der Diktator schließt "seinen Juden" nicht nur schnell und unmotiviert ins Herz, sondern gesteht ihm auch, dass er ein impotenter Bettnässer ist, den die Schläge seines Vaters traumatisiert haben. Am Ende muss er das dem ganzen Volk vortragen - und vom Chaplin-Zitat bleibt nicht viel mehr übrig als die reine Oberfläche. Grünbaum wiederum erniedrigt seinen Schützling, lässt ihn etwa auf allen vieren bellen wie ein Hund, bis ihn Blondi besteigt.
Hitler, ein armes Würstchen? Viel schlimmer: ein netter Trottel, der heimlich mit Hund aus dem Fenster steigt, um das zerstörte Berlin - hier eine zweitklassige Computersimulation - mit eigenen Augen zu sehen, der an Weihnachten mit Eva Braun singt und eigentlich nicht mehr zuständig ist. Hier ist Helge Schneider, der vollkommen in seiner Figur aufgeht, dem Filmemacher entglitten: Er schafft herzerwärmende Momente, die seiner Figur nicht zustehen.
Schließlich verschwören sich auch noch Goebbels und Himmler gegen Hitler, und Grünbaums Ringen, ob er seine Position nutzen soll, den Diktator umzubringen, reißt Levy nur halbherzig an. Überhaupt wirkt Ulrich Mühe, zuletzt in "Das Leben der anderen" brillant als Stasi-Mann, angestrengt als Grünbaum - die krude Mischung aus Klamauk und Drama liegt ihm offensichtlich nicht. Ulrich Noethen bleibt als Himmler ein reiner Kleiderständer, und allein Sylvester Groth als pausenlos schwadronierender Goebbels entwickelt Charakter: Bei ihm wirkt plausibel, dass der große Scharfmacher womöglich nur ein zynischer, lustvoller Spieler hätte sein können.
Katja Riemann, die nie Eva Braun ist, sondern immer Katja Riemann, liegt mit großen Augen unter Hitler und sagt: "Ich spüre Sie gar nicht, mein Führer!" So geht es auch den Zuschauern, die mit der Frage zurückbleiben, ob der Filmemacher eine Aussage machen wollte und wenn, dann welche.
Helge Schneider aber, der immer ganz dieser eigenartige Hitler ist, den es vorher noch nie zu sehen gab, antwortet fröhlich: "Ich werde mich vergrößern!" Mit rollendem R.