Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 18.01.2007
The Fountain
Bilder- und Gedankenfluss
Dass Film eine Kunstform ist, daran hat das New Yorker Talent Darren Aronofsky, Jahrgang 1969, das Publikum schon mehrfach erinnert. 1998 verblüffte er mit dem Schwarzweißdrama "Pi" über einen paranoiden Mathematiker, der den Code für das Grundmuster des Lebens sucht, 2000 mit der präzise erzählten und kontinuierlich im Schnitt beschleunigten Drogen-Tragödie "Requiem For A Dream". Nun widmet sich Aronofsky auf drei verzahnten Zeitebenen der Suche der Menschheit nach dem ewigen Leben: in einem Labor der Gegenwart, auf den Spuren der spanischen Conquistadores im Reich der Maya und in einer mystisch-spirituellen Dimension. Hugh Jackman und Rachel Weisz spielen die Hauptrollen - mehr zu verraten, hieße, den Zuschauern einen Teil der Faszination nehmen.
Aronofsky, der Kurosawa und Polanski als Vorbilder angibt, hat eine völlig eigenständige Ästhetik entwickelt, Räume und Objekte durchgestaltet und einer extrem akzentuierten Farbgebung unterzogen. Der Schnitt ist eine Augenweide, Motive und Zeitebenen gehen bruchlos ineinander über in einem organischen, rhythmischen Bilder- und Gedankenfluss. Dialoge sind rar und eher nachrangig, die Erörterung der philosophischen Grundfrage erfolgt visuell. Sie trägt buddhistische Züge, dreht sich um Themen wie den Kreislauf des Lebens, die Angst vor dem Tod und Reinkarnation, ohne in esoterischem Nebel zu versinken oder Antworten vorzugeben. Keine Frage: Film ist eine Kunstform.
Bernd Haasis
18.01.2007 - aktualisiert: 18.01.2007 13:03 Uhr