Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 08.03.2007
Bobby
Von der Kraft der Worte
Robert Kennedy hatte einen Traum: Er schlug vor, die Menschen sollten zur Abwechslung doch mal nett zueinander sein. Eine Idee, so mächtig, dass ihre Verkünder traditionell in Lebensgefahr schweben - der prominenteste Fall liegt rund 2000 Jahre zurück. Der 42-jährige Präsidentschaftsbewerber Robert Kennedy wurde am 5. Juni 1968 im Luxushotel Ambassador in L. A. erschossen, zwei Monate nach Martin Luther King, seinem Bruder im Geiste, und fünf Jahre nach seinem leiblichen Bruder John F.
Wer "Bobby" Kennedy heute reden hört, kann sich nur wundern über die Kraft seiner Worte, über die Wahrhaftigkeit, mit der er ein friedliches Miteinander, Bürgerrechte und Chancen für alle propagierte. Wäre er tatsächlich zum Präsidenten gewählt geworden, die USA hätten sich das ganz große Vietnam-Debakel womöglich erspart.
Emilio Estevez, Nachwuchsstar in Filmen wie "Breakfast Club" (1985) und "Young Guns" (1988), hat sich nach einigen ambitionierten Flops wieder an eine Regiearbeit gewagt. Er versucht, den Geist der späten 60er Jahre einzufangen, indem er dokumentarische Aufnahmen Bobby Kennedys mit einem Ensemble-Spielfilm kombiniert, der dem Klassiker "Menschen im Hotel" (1932) nachempfunden ist.
Hollywood ist seinem Ruf gefolgt: Ein solches Staraufgebot sieht man selten. Das Hotel ist dem langjährige Portier (Anthony Hopkins) zur Heimat geworden, er verbringt dort seinen Ruhestand beim Schach mit seinem kauzigen Freund (Harry Belafonte). Der Hoteldirektor (William H. Macy) hat ein Verhältnis mit einer Telefonisten, während seine Frau (großartig: Sharon Stone) im hoteleigenen Salon Damen wie die trinksüchtige Sangesdiva Virginia Fallon (ebenso gut: Demi Moore) frisiert.
Leider funktionieren nicht alle Episoden in Estevez" überladenem Drehbuch. Das Diskutieren des Küchenpersonals über Rassismus wirkt bemüht, Martin Sheen und Helen Hunt sind unterfordert als biederes Ehepaar, und der Drogentrip zweier junger Männer ist aufgesetzt und reichlich dünn als Reminiszenz an die Hippie-Ära, die ja in erster Linie von Ideen bestimmt war.
Selbige vertritt vehement und bestechend klar Bobby Kennedy, dessen Reden umso beeindruckender wirken, wenn man sie mit dem kleinkarierten taktischen Parteiengezänk vergleicht, das die meisten zeitgenössischen Spitzenpolitiker veranstalten, ganz gleich welcher Couleur.
Bernd Haasis
08.03.2007 - aktualisiert: 08.03.2007 12:53 Uhr