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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 29.03.2007

Herzen

Verlorene Seelen

Schließlich schneit es sogar am Esstisch - so frostig geht es zu in Alain Resnais" Episodenfilm "Herzen", der in Innenräumen des winterlichen Paris spielt, aber immer auch Blicke nach draußen gestattet auf das unentwegte Fallen der Flocken. Ein Bühnenstück des Briten Alan Ayckbourn ("Private Fears in Public Places") hat Resnais ("Hiroshima mon amour") verfilmt, und er bebildert die Innenansichten verlorener Seelen, indem er immer wieder die Architektur aufbricht: Mal schwebt die Kamera dort, wo die Wohnungsdecke sein müsste, mal blickt sie von hinten in ein Büro, wo kurz zuvor noch eine Wand war - und immer auf Menschen, die nicht zueinander finden.

Der Film könnte auch "Einsame Herzen" heißen: Der ziellose Dan (Lambert Wilson) und die forsche Nicole (Laura Morante) geraten in eine Ehekrise, der zu sanfte Immobilienmakler Thierry (André Dusollier) umwirbt vergeblich Charlotte (Sabine Azéma), die weniger anständig ist, als sie wirkt, Thierrys Schwester Gaëlle (Isabelle Carré) gibt erfolglos Kontaktanzeigen auf, und der Barkeeper Lionel (Pierre Arditi) hat kein Leben, weil er seinen unleidigen, bettlägrigen Vater pflegt und bis nachts arbeitet.

Frankophile Freunde linksrheinischer Beziehungsdramen bekommen hier eine besonders melancholische Variante serviert, allein das französische Starensemble ist den Kinobesuch schon wert. Menschen mit Depressionsneigung sollten auf keinen Fall alleine gehen, und im Anschluss empfiehlt sich herzerwärmendes Zusammensein mit lieben Menschen.
 

Bernd Haasis

29.03.2007 - aktualisiert: 29.03.2007 13:12 Uhr

 


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