Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 06.06.2007
Ocean's Thirteen
Gaunerbande raubt Casino aus
Vielleicht haben Steven Soderbergh und sein Star-Ensemble der Gaunerbande um den Anführer Danny Ocean eine weitere Fortsetzung gegönnt, weil ihnen die gemeinsame Arbeit so großen Spaß gemacht hat - diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Film, und das ist es auch, was ihn auszeichnet. So wie die Köpfe Danny und Rusty auf der Leinwand den kleinen Linus herausfordern, so kann man sich sehr gut vorstellen, wie George Clooney und Brad Pitt auch im realen Leben Matt Damon piesacken, der gerne so wäre wie sie, wenn er groß ist.
Die Geschichte ist simpel: Die Bande nimmt Rache an dem skrupellosen Casino-Betreiber Willy Banks, der einen der ihren böse übers Ohr gehauen und um seinen Besitz in Las Vegas gebracht hat. Also wird Banks" neues Casino auf allen Ebenen sabotiert, denken die Banditen sich ausgeklügelte Manipulationstechniken fürs Glücksspiel aus, lösen mit einem unterirdischen Riesenbohrer ein Erdbeben aus, das das Sicherheitssystem kurzzeitig ausschaltet, und rauben auch noch schwer gesicherte, praktisch unklaubare Diamanten - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Natürlich werden die Gauner immer wieder mit scheinbar unlösbaren Problemen konfrontiert, und nicht immer ist logisch nachvollziehbar, wer was warum und wie trotzallem geschafft hat. Letztlich spielt das auch keine Rolle bei der Fülle an Motiven - Soderbergh macht es den Zuschauern leicht, sich einfach zurückzulehnen, ihr Gehirn abzuschalten und zu genießen.
Der Regisseur hat alle Register des großen Entertainments gezogen: War "Ocean"s 11" im Ansatz noch ein ernst gemeinter Gaunerkrimi und "Ocean"s 12" eine selbstironische Persiflage, so ist er nun bei der fröhlichen Hommage angekommen, zollt dem Genre und seinen Schauspielern mit viel Humor den gebührenden Respekt.
Während die Strippenzieher Clooney und Pitt auch diesmal - leider - wieder eher Beobachterpositionen einnehmen, hat Matt Damon größere Szenen, unter anderem die Verführung von Banks" Assistentin, die ihm allerdings die Show stiehlt: Ellen Barkin (53) ergeht sich derart intensiv in lustvoller Aufwallung, dass einem angst und bange werden kann um denjenigen, der das in ihr ausgelöst hat. Don Cheadle liefert im Sternenbanner-Kostüm eines Stunt-Motorradfahrers ein komödiantisches Kabinettstückchen ab, Al Pacino gibt ohne Mühe die Rolle des Stinkstiefels Willy Banks und David Paymer brilliert als Etablissement-Kritiker, dem besonders übel mitgespielt wird.
Dazu bietet Soderbergh hübsche Ansichten von Las Vegas, spielt mit Panoramen, Wackelkamera und Split-Screen, als sei er ganz intuitiv vorgegangen. Nur eines darf man nicht erwarten: einen nennenswerten Inhalt über die Aussage hinaus, dass Freunde füreinander da sein sollten.
Bernd Haasis
06.06.2007 - aktualisiert: 06.06.2007 11:06 Uhr