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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 27.06.2007

Stirb langsam 4.0

McClane ist einfach nicht totzukriegen

Action alleine macht noch keinen Film - sie braucht als Rückgrat einen spannenden Thriller oder Krimi und viele überraschende Wendungen, um die Zuschauer zu fesseln. "Die Hard" setzte in dieser Hinsicht 1988 Maßstäbe: Als Einzelkämpfer ruinierte der beinharte Cop John McClane den ausgeklügelten Überfall einer skrupellosen Diebesbande auf ein Geschäftshochhaus.

Als einer der besten Actionfilme aller Zeiten gilt John McTiernans Streifen, der Bruce Willis als Hauptdarsteller berühmt machte. Der drehte bis 1993 noch zwei erfolgreiche Fortsetzungen, dann schien Schluss zu sein. Doch Willis wollte es noch einmal wissen: Im Alter von 52 Jahren ist er ein viertes Mal in die Rolle seines Lebens geschlüpft.

Das überzeugendste Argument dürfte das Drehbuch gewesen sein. Eine Verbrecherbande bringt die Computersysteme der USA und damit das Land unter ihre Kontrolle, und Mark Bomback erzählt diese nicht ganz neue Geschichte so überzeugend, dass einem schwindlig werden kann: So verwundbar ist eine Gesellschaft, die lebenswichtige Versorgungseinrichtungen von Rechnern steuern lässt, zumal, wenn diese vernetzt sind. Regisseur Len Wiseman zeigt das Chaos als Vorstufe zur Apokalypse: orientierungslose Massen, Giftgasalarm, verstopfte Straßen, keine Energie - so könnte es aussehen.

Die Gangster (großartig als Anführer: Timothy Olyphant) beseitigen zunächst die besten Computerhacker, denn nur die könnten der Regierung helfen. Die Polizei geht der Mordserie nach, und einer der Computerfreaks überlebt nur deshalb, weil ihn zum Zeitpunkt des Anschlags ausgerechnet John McClane zur Befragung abholen möchte. Und der ist eben nicht totzukriegen, wie der englische Originaltitel "Die Hard" vermittelt (wer hat das eigentlich übersetzt?), auch wenn die Gegner übermächtig sind.

Den Typus des impulsiven, körperlichen Machers, der vor Ideen sprüht und auch in Krisen blitzschnell reagiert, hat kaum ein Schauspieler so geprägt wie Bruce Willis. Und er scheint wirklich alles eingesetzt zu haben, den selbst gesetzten Anspruch auch diesesmal einzulösen. Er mag ein wenig schwerer gehen, verbissener kämpfen, wenn er überm Abgrund baumelt, nicht mehr ganz so behende sein, doch das macht ihn nicht weniger glaubwürdig: In keiner einzigen Szene gibt er weniger als hundert Prozent, und er gleicht vieles mit der Routine eines alten Hasen aus, der auch einer allzu flinken Kung-Fu-Lady noch die Stirn bietet. Schon sehr bald, und auch das gehört einfach dazu, ist sein Hemd blutbesudelt.

Zudem hat er viele Szenen selbst gemacht und nicht den Stuntmen überlassen, von denen Wiseman einige gebraucht haben dürfte: Er hat nach alter Schule gedreht, viele spektakulären Crashs und Explosionen sind keine Computertricks, sondern echt. Das spürt man als Zuschauer, besonders dann, wenn das Unwahrhaftige dann doch vereinzelt auftaucht, etwa ein Kampfjet im Tiefflug, mit dem es McClane auch noch aufnehmen soll - eine der wenigen Szenen, in denen es die Macher übertrieben haben.

Wie es sich für die Reihe gehört, ist der Film gespickt mit deftigen Sprüchen und schrägem Humor. Justin Long, eine Mischung aus Keanu Reeves und Gary Oldman, gibt als schmächtiger Hacker ein gutes Pendant zum harten Cop McClane. Auch dass er eine Lektion zum Thema Heldentum und Zivilcourage lernen muss, entspricht dem "Die Hard"-Geist und hinterlässt in diesem Fall kein ungutes Gefühl - die Verbrecher sind einfach zu übel. Die skurrilste Rolle spielt Kevin Smith, der als Oberhacker Warlock und in einer "Kommandozentrale" im Keller des elterlichen Hauses seinen "Star Wars"-Tick fröhnt, den er im wirklichen Leben als Regisseur in Filme wie "Clerks" eingebaut hat.

Selten sind Fortsetzungen so nah am Original, was die Qualität und die Motive angeht: Als Pfand bekommen die Bösewichter diesmal McClanes Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead) in die Hände, die im ersten Teil als Kleinkind zu sehen war. Nun ist sie eine pfiffige junge Frau und weil Daddy sie vernachlässigt hat, hört sie jetzt lieber - wie ihre Mutter in Teil eins - auf den Nachnamen Gennero. Zu Beginn jedenfalls.
 

Bernd Haasis

27.06.2007 - aktualisiert: 27.06.2007 17:37 Uhr

 


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