Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 23.08.2007
Beim ersten Mal
One-Night-Stand mit Folgen
Welche Karrierefrau mit Barbie-Look, selbst wenn angetrunken, würde sich mit einem spätpubertären, verfetteten, vulgären, schlecht gekleideten Kerl einlassen? Wohl keine - Judd Apatows ("Jungfrau (40), männlich sucht ...) Prämisse ist schlicht unglaubwürdig. Und während Seth Rogen passabel spielt, ohne übermäßig sympathisch zu wirken, bleibt die blonde TV-Darstellerin Katherine Heigl ("Grey's Anatomy") auf amerikanisch-antiseptische Art (ist der Mund echt oder gerichtet?) uninteressant.
Der Film hat trotzdem seine Momente, denn Apatows Drehbuch ist meistens sehr nah dran am richtigen Leben. Der One-Night-Stand führt zu einer ungewollten Schwangerschaft, und das ungleiche Paar versucht notgedrungen, sich zusammenzuraufen. Alison (Heigl) kommt die Situation ungelegen, denn sie ist bei ihrem TV-Sender gerade zur Moderatorin befördert worden; Ben (Rogen) hingegen hat praktisch kein Einkommen, weil das schlüpfrige Internet-Lexikon mit Nacktszenen von Filmstars, an dem er mit seinen kindsköpfigen WG-Kumpels arbeitet, stagniert. Trotz allem möchte Alison das Kind bekommen - und schon prallen die werdende Mutter und der bislang verantwortungsfreie Lebenskünstler aufeinander.
Als Spiegel, was sie erwartet, dienen Alisons Schwester Debbie und ihr Mann Pete, überragend dargestellt von Leslie Mann und Paul Rudd - sie stecken mitten im drögen Ehealltag mit Kindern. Sie fühlt sich alt, und er folgt immer öfter seinem typisch männlichen Fluchtreflex, denn er kann einfach nicht glauben, dass Debbie ihn so sehr liebt, dass sie ihn die ganze Zeit um sich haben möchte - in der Realität kein seltenes Szenario. Ebenfalls gut besetzt sind Bens barbarische Kiffer-Kumpels in der WG, mit deren "Easy come, easy go"-Attitüde die verbissene Alison rein gar nichts anfangen kann.
Apatow streut Zitate aus Filmen wie "Star Wars" und "Taxi Driver" ein und hat mitunter urkomische Szenen zu bieten, etwa wenn die Chefin beim Sender, ein perfektes Abziehbild, zu Alisons Schwangerschaft sagt: "Ich finde das ekelhaft!" - aber weil es bei den Zuschauern ankommt, darf sie nun schwangere Berühmtheiten interviewen. Bei den Sexszenen wollte Heigl sich offenbar nicht entblößen, was ihr gutes Recht ist, nur hätte der Regisseur dann elegantere Lösungen finden können, als sie halb bekleidet zu zeigen - schon eine Bettdecke drüber hätte weniger prüde gewirkt.
Und mit dem pathetischen Schluss ist es wie mit dem Anfang: Wer glaubt schon der trügerischen Behauptung, mit dem größten Glück auf Erden werde automatisch alles gut?
Bernd Haasis
23.08.2007 - aktualisiert: 23.08.2007 09:52 Uhr