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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 06.09.2007

Hairspray

Tracy hat ein großes Herz

Mitunter hinterlassen exzellent inszenierte Filme ein flaues Gefühl - meistens ein Zeichen, dass mit ihnen grundsätzlich etwas nicht stimmt. John Waters' Film-Musical "Hairspray" von 1988 zum Beispiel ist nun auf ganz reizende Art neu verfilmt worden und wirkt doch aus heutiger Sicht wie ein naiv-sozialromantisches Märchen von vorgestern. Der darin propagierte Traum, der Schmelztiegel USA werde eines Tages auch die Afroamerikaner aufnehmen, ist vorerst erledigt, die Rassentrennung besteht fort, auch wenn sie heute viel ausgeklügelter und versteckter stattfindet. Paul Haggis hat die Mechanismen in seinem Streifen "L. A. Crash" eindrucksvoll vorgeführt.

Dass das knallbunte Remake von "Hairspray" trotz allem Spaß macht und auch ein wenig Mut, liegt an der schieren Energie, die von der Leinwand strahlt. Mit einer großartigen Besetzung im Rücken zeigt Adam Shankman ("Wedding Planner"), wie reif für grundlegende Veränderungen die USA 1962 waren, angeführt von ihrer Jugend.

Die rundliche Tracy Turnblad (zauberhaft: Nikki Blonsky) möchte ins Fernsehen, in die "Corny Collins Show", die die Teenager mit Musik und Tanz in Wallung versetzt. Und weil Tracy ein großes Herz hat, wundervoll lächeln und noch besser tanzen kann, gelingt es ihr schließlich - sehr zum Missfallen der mondänen Leiterin des TV-Senders (Michelle Pfeiffer), die ihre zickige Tochter Amber in der Show platziert hat. Als Tracy auch noch ein Auge auf Ambers Freund Link (charmant: Zac Efron) wirft, mehr schwarze Musik fordert und sogar mit Schwarzen tanzt, eskalieren die Dinge.

John Travolta in einer Travestie-Rolle als Tracys übergewichtige Mutter, Christopher Walken als ihr Vater, der mit Scherzartikeln handelt, und Queen Latifah als Behüterin der schwarzen Jugend sind großartig - getragen aber wird der Film vom Feuer der jungen Darsteller. James Marsden überzeugt als frecher Moderator Corny Collins, Amanda Bynes als Tracys rebellische Freundin Penny, und wer so mit viel Elan tanzt wie die erst 13-jährige Taylor Parks, hätte auch in einem realen Wettbewerb Chancen.

Die aufgeladene Atmosphäre des Aufbruchs in der damaligen Zeit ist nachfühlbar, und auch wenn manche Hoffnung nicht wahr geworden ist, so hat die zugrunde liegende Botschaft doch nichts von ihrer Aktualität verloren: Kriterien wie Hautfarbe und Bauchumfang dürfen keine Rolle spielen bei der Beurteilung eines Menschen.
 

Bernd Haasis

06.09.2007 - aktualisiert: 06.09.2007 11:57 Uhr

 


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