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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.10.2007

Immer nie am Meer

Kabarettisten unter sich

Wie man mit einfachsten Mitteln den größtmöglichen Effekt erzielt, das demonstriert der österreichisch Regisseur Antonin Svoboda in seinem aktuellen Film. Drei Männer kommen von der Straße ab und bleiben im Wald zwischen zwei Bäumen stecken. Die Türen gehen nicht auf, die Fensterheber sind kaputt, nur ein Spalt auf der Beifahrerseite öffnet sich, das Glas ist gepanzert, und das Schiebedach klemmt - so kann's gehen, wenn man den Dienst-Mercedes des früheren Uno-Generalsekretärs und österreichischen Staatspräsidenten Kurt Waldheim, gegen Ende seiner Karriere unter Nazi-Verdacht, günstig auf Ebay ersteigert.

Die drei im Auto könnten bizarrer nicht sein: Der eklige Akademiker Baisch und sein Schwager, der Soziopath Anzengruber, können sich nicht ausstehen, und die Sketche des abgehalfterten Komödianten Schwanenmeister sind schlimmer als Langeweile. Das deutsch-österreichische Kabarettduo Stermann und Grissemann sowie ihr Kult-Komiker Heinz Strunk ("Fleisch ist mein Gemüse") geben wirklich alles, um es ihren drei Herren so ungemütlich wie möglich zu machen. Sie gehen einander furchtbar auf die Nerven, führen absurdeste Dialoge, ringen um Proviant (Heringssalat mit den Fingern) und die Verrichtung der Notdurft (leere Sektflaschen). Überdies werden sie von einem Jungen entdeckt, der sie nicht befreit, sondern Tierversuche mit ihnen anstellt, etwa das Auto mit einer Plane abdeckt oder das Trio auf perfide Art spaltet.

Das führt zu schlimmen Szenen, die kaum auszuhalten sind und doch unglaublich komisch. Svobodas Versuchsanordnung zeigt anschaulich, wie schnell Menschen zurückfallen in die Barbarei, und führt dabei die hohe Kunst der rabenschwarzen Komödie vor, seit jeher eine österreichische Spezialität. Liebhaber dieser Gattung werden sich diebisch amüsieren, zarte Gemüter sollten den Film meiden.
 

Bernd Haasis

04.10.2007 - aktualisiert: 04.10.2007 14:48 Uhr