Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.10.2007
Superbad
Kein Gag zu derb
Ende der 70er startete eine israelische Serie namens "Eis am Stiel" um die Sehnsüchte dreier junger Männer: Mädchen und Partys; das feminine Pendant aus Frankreich hieß "La Boum". Der übergewichtige Zachi Noy wurde durch "Eis am Stiel" ein Star, und dem US-Amerikaner Jonah Hill, der Noy stark ähnelt bis hin zum raumgreifenden komödiantischen Talent, könnte das auch gelingen - mit einem ähnlichen Film, sprachlich vulgarisiert fürs Jahr 2007.
Der pummlige Barbar Seth (Hill), der sensible Mädchenversteher Evan (Michael Cera) und der bebrillte Streber Fogell (Christopher Mintz-Plasse) haben keine Freundinnen und sind nie auf Partys eingeladen. Bis Fogell einen gefälschten Ausweis bekommt und Seth sich aufdrängt, Alkohol für die Party der adretten Jules (Emma Stone) zu besorgen - in den USA muss 21 sein, wer trinken möchte.
Natürlich geht alles schief, Fogell gerät in einen Überfall und an zwei anarchistisch gestimmte Cops, Seth und Evan finden sich in einer wüsten Ü-30-Drogenparty wieder. Da ist kein Gag zu derb bis hin zu Regelblut am Hosenbein, und am Ende steht eine Prise Romantik, um die weiblichen Zuschauer zu versöhnen. "Superbad" mag über weite Strecken dümmlich-pubertär wirken, trifft mitunter aber ins Schwarze. Seth Rogen (Buch) und Judd Apatow (Produktion), als Darsteller und Regisseur gerade mit "Beim ersten Mal" gemeinsam erfolgreich, haben ihrem Teenager-Film einige radikale Momente verpasst, allein die subversive Grundhaltung der beiden Polizisten hebt den Film von reinem Klamauk ab. Für Menschen über 20 trotzdem schwer auszuhalten.
Bernd Haasis
04.10.2007 - aktualisiert: 04.10.2007 14:52 Uhr