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Schloss Salem

Oettinger will weiter abwarten

Foto: AP

Vorschläge eines kleinen Parteitags der FDP lehnt der Ministerpräsident ab
 

Salem/Konstanz/Karlsruhe - In der Diskussion um die Rettung des Schlosses Salem am Bodensee hat Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) die Pläne seines Koalitionspartners FDP zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt. Für konkrete Vorschläge sei es zu früh, sagte Oettinger am Rande des Parteitags des CDU-Bezirksverbandes Südbaden am Samstag in Konstanz der Deutschen Presse-Agentur dpa. FDP- Landeschefin Birgit Homburger hat vorgeschlagen, Kulturgüter, die keinen Bezug zum Land haben, zu verkaufen. Die Erlöse sollten in eine Stiftung fließen, die den Bestand der ehemaligen Klosteranlage in Salem sichert.

Ein entsprechender Antrag lag den rund 100 Delegierten am Samstag in Salem (Bodenseekreis) bei einem kleinen Parteitag vor. Das Haus Baden hat wegen Finanzproblemen mit dem Verkauf von Schloss Salem gedroht. Nach Oettingers Ansicht muss das Land zunächst die zwei in Auftrag gegebenen Gutachten abwarten. Diese sollen die strittigen Eigentumsverhältnisse zwischen dem Land und dem Adelshaus Baden klären. Bis dahin solle sich die FDP zurück halten, empfahl der Regierungschef.

Besorgt über die neue Diskussion zum Verkauf von Kulturgütern hat sich der Chef der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Peter Michael Ehrle, geäußert. "Einzelne Kulturgüter lassen sich nicht ohne weiteres aus Landessammlungen herauslösen. Schließlich weisen alle Sammlungen einen Bezug zum Land auf", sagte Ehrle in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Als Beispiel nannte der Bibliothekschef Handschriften des bedeutendsten Denkers des katalanischen Mittelalters, Ramon Lull (ca. 1232-1316), die sich in seinem Haus befinden. Diese Schriften seien im 18. Jahrhundert vom Abt des Klosters St. Peter im Schwarzwald erworben worden. Sie seien damit ein südwestdeutsches Kulturgut von großer Bedeutung geworden, sagte Ehrle.

Ähnliches gelte für die Türkenbeute oder die große Münzsammlung im Badischen Landesmuseum. "Natürlich kann ich bei oberflächlicher Betrachtung bei einer alten römischen Münze keinen Bezug zum Land Baden-Württemberg sehen. Dadurch, dass die Markgrafen sie erworben haben, sind sie jedoch wieder heimisches Kulturgut. Wer mit dem Verkauf von Kulturgütern wirklich größere Beträge erzielen will, kann keinen Kleinkram anbieten, sondern muss sich von Preziosen trennen", betonte der Bibliothekschef. Man könne nicht ein Kulturgut wie das Schloss Salem dadurch retten, dass man andere wichtige Kulturgüter dafür hergebe.

Staatsminister Willi Stächele (CDU) meinte in Konstanz, der FDP- Vorschlag sei nicht zu Ende gedacht. "Niemand kann objektiv definieren, ob ein Kulturgut Landesbezug hat oder ob ein Kunstobjekt für das Land wichtig ist." Die FDP müsse ihre Vorstellungen konkretisieren, forderte Stächele.

Oettinger rechnete damit, dass die Expertenkommission ihre Untersuchungen in drei bis fünf Wochen vorlegen werden. Bis dahin hätten Einzelvorschläge keinen Sinn.
 

dpa/lsw

27.10.2007 - aktualisiert: 27.10.2007 14:55 Uhr

 



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