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Beschwerde über Nazi-Begriffe

SWR rügt "Schmidt & Pocher"

09.11.2007 - aktualisiert: 09.11.2007 17:36 Uhr

Schmidt Pocher
Harald Schmidt (li.) und Oliver Pocher: Späße mit der Naziideologie
Foto: dpa

Rundfunkrat beschwert sich über Nazi-Begriffe – Intendant: „Geschmacklosigkeit“
 

STN ExklusivStuttgart – Die neue ARD-Show „Schmidt & Pocher“ hat zwar erst drei Ausgaben hinter sich, aber dem Spaßmacher-Duo droht bereits Ärger: Der Rundfunkrat des Südwestrundfunks rügt die Verwendung von Nazi-Begriffen in der Sendung. Intendant Peter Boudgoust spricht von „unglaublicher Geschmacklosigkeit“.

Als Harald Schmidt und Oliver Pocher vor einigen Wochen zur Pressekonferenz einluden, um ihre neue Late-Night-Show vorzustellen, gab es vielsagende Versprechungen. „Ich erwarte, dass das Dach wegfliegt und die ARD ihren heißen Herbst erlebt“, gab Dirty Harry damals zu Protokoll. Die ARD-Oberen frohlockten. Endlich, so ihr Kalkül, erhalte der späte Abend im Ersten neue Strahlkraft. Vor allem mit dem jugendlichen Lästermaul Pocher, so frohlockte Programmchef Günter Struve, werde man junge Zuschauer zur ARD zurückholen.

Nun aber, nach gerade mal drei Ausgaben, könnte es ungemütlich werden für Struve und Co. Denn die Tatsache, dass Schmidt und Pocher in ihrer Sendung ein sogenanntes Nazometer verwenden, findet man beim SWR gar nicht lustig. Majid Khoshlessan, der für die Israelitische Religionsgemeinschaft im Rundfunkrat sitzt, brachte jetzt den geballten Unmut seiner Glaubensbrüder an den Tisch. Es könne nicht sein, dass man in einem gebührenfinanzierten Sender mit der Naziideologie seine Späße macht: „Das muss Folgen haben und darf nicht mehr vorkommen.“

Was war passiert? In der ersten Ausgabe ihrer Show hatten Schmidt und Pocher das gut 30 Zentimeter hohe Nazometer präsentiert. Es sollte anschlagen, wenn die beiden allzu nazifreundliches Vokabular verwenden – eine Anspielung an den Auftritt von Eva Herman in der Kerner-Show wenige Tage zuvor. Und so ließen die beiden Zyniker keine Gelegenheit aus, das Gerät wie zufällig zu testen. Bei Formulierungen wie „Wolfsburg“ oder „25-Prozent-Ghetto“ schlug das Gerät kaum an. Als Pocher wenig später aber kundtat, er habe zu Hause „einen Gasherd“, blinkte und tönte das braune Gehäuse mit voller Kraft. Ganz ähnlich geschah es, als Pocher vom „Duschen“ sprach.

Für Khoshlessan und seine Kollegen im Aufsichtsgremium des Senders ist das Duo „damit deutlich über die Grenzen einer öffentlich-rechtlichen Anstalt hinausgegangen“. Klaus Koziol von der Katholischen Kirche spricht „von einem Vorgang, der so nicht passieren darf“. Horst Bäuerle, der Vorsitzende des Landesrundfunkrates, meint: „Ich bin bestürzt über diese Geschmacklosigkeit.“ Und Rainer Brechtken, der für die Sportverbände im Aufsichtsgremium sitzt, hat entschieden: „So eine Sendung schaue ich mir nie wieder an.“
Nun kommt es durchaus mal vor, dass sich Rundfunkräte über dieses und jenes im Programm beschweren. Zumeist prallt die Aufregung irgendwo an den Sendermauern ab. In diesem Fall dürfte das anders sein. Denn Intendant Peter Boudgoust ist ganz auf der Seite der Beschwerdeführer. „Ein solches lustvolles Überschreiten von Grenzen darf es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht geben“, sagte er unserer Zeitung. Sollten Schmidt und Pocher versucht haben, sich mit ein paar Begriffen einem Phänomen auf humorvolle Weise zu nähern, „dann ist dieser Versuch auf schreckliche Weise schiefgegangen“. Boudgoust: „Ich missbillige den Vorgang aufs Schärfste.“

Bei Worten soll es nicht bleiben. Zwar sind in der ARD-Pressestelle in München nach Auskunft eines Sprechers bisher „nur vereinzelte Beschwerden“ zur Verwendung des Nazometers aufgelaufen. Für Boudgoust ist das aber kein Argument, die Angelegenheit zu den Akten zu legen. Es gehe hier um Grundsätzliches. Der Chef des zweitgrößten ARD-Senders will den Vorgang deshalb am 19./20. November bei der nächsten Sitzung der ARD-Intendanten in Bremen auf die Tagesordnung bringen. „Wir müssen das thematisieren. Eine solche Überschreitung der Grenzen will ich kein zweites Mal erleben.“
 

Frank Krause, StN