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Gabi Stas

Unermüdlich im Einsatz gegen schwere Schulranzen

Gabi Staß zeigt den Inhalt des Schulranzens ihres Sohnes
Foto: Kern

Gabi Stas aus dem Rems-Murr-Kreis appelliert an die Lehrer
 

Leutenbach – Die lässige Zeit des Ausschlafens ist seit Montag vorbei. Allmorgendlich streben die Schüler wieder zum Bildungszentrum – bepackt mit ungeahnten Gewichten. Eine nicht tolerierbare Belastung, meint Gabi Stas. Die Mutter zweier Kinder kämpft gegen die schweren Schulranzen.

Das Anliegen, für das die 47-Jährige aus Leutenbach im Rems-Murr-Kreis zumeist nüchtern und ohne missionarischen Eifer wirbt, ist eigentlich ganz einfach: „Die Ranzen dürfen nicht mehr so schwer sein.“ Oder, um es salopper auszudrücken: „Schulkinder als Packesel“ dürfe es nicht mehr geben. Angefangen hat ihr Engagement vor gut zwei Jahren, als ihr Sohn Christoph auf die weiterführende Schule kam. Eher zufällig nahm sie dessen Ranzen hoch – und war verblüfft. Es folgte der spontane Ausruf: „Das kann ja wohl nicht wahr sein“, als die Waage achteinhalb Kilogramm anzeigte.

Vor allem Fünft- und Sechstklässler sind betroffen, weiß Gabi Stas, wenn die Zahl der Fächer zunimmt. „Viele Eltern merken das ja gar nicht, weil ihre Kinder etwa ab der fünften Klasse ihren Ranzen selbstständig packen.“ Umgerechnet auf das Körpergewicht des Sohns oder der Tochter kommt so ein Ranzen schon mal auf 22 oder gar 30 Prozent. Dabei schreibe die DIN-Norm für Schulranzen ein Gewicht von maximal zehn bis zwölf Prozent des Körpergewichts vor. „Aber es gibt ja auch nicht nur durchschnittliche Kinder, sondern auch schmächtigere Jungs und Mädchen.“ Kein Wunder, dass Studien jedem zehnten Kind einen kranken Rücken zuschreiben – als Folge der schweren Ranzen.

„Kein Erwachsener würde mit diesem Gewicht auf dem Rücken herumlaufen; oder möchten Sie mit 16 Kilo – das ist ungefähr eine Kiste Mineralwasser – täglich marschieren?“ Immer wieder wurde sie bei Rektoren, Schulbuchverlagen, Ranzenherstellern, Elternzeitschriften oder Ministerialbeamten vorstellig. Allgemeiner Tenor der Antworten: „Klar, das ist sicher ein Thema.“ Aber weil keiner eine Lösung hat, „wird es eben toleriert oder heruntergespielt“. Vom bayerischen Kultusministerium erhielt sie eine typische Reaktion: „Sie sprechen hier eine kaum lösbare Fragestellung an.“ Für kaum lösbar hält Gabi Stas das Thema indes keineswegs. Es müsse eben nur ins allgemeine Bewusstsein rutschen – ähnlich wie etwa die rauchfreie Schule. Solche Aktionen seien doch auch bei den schweren Ranzen denkbar.

Die Lösung liegt für Gabi Stas in doppelten Büchersätzen – wie sie es mit ihrem Sohn und ihrer elfjährigen Tochter Ingrid bereits praktiziert. Dabei sei nicht etwa die Finanzierung das Hauptproblem, das könnte etwa durch Fördervereine oder Sponsoren organisiert werden. Vielmehr seien häufig die Lehrer oder die Schulleitung nicht bereit, dies intern zu organisieren, sagt die Elternbeirätin am Winnender Georg-Büchner-Gymnasium. Denn die Bücher müssten zu Beginn und am Ende der Schulstunde ausgeteilt und wieder eingesammelt werden. Das Argument der Lehrer laute zumeist: „Dazu habe ich keine Zeit.“ Doch sei es „nicht ein paar Minuten wert, die Kinder von ihren schweren Ranzen zu entlasten?“

Über ihre Homepage trommelt die Betriebswirtin, die als Controllerin im Winnender Krankenhaus arbeitet und gern am Computer bastelt, weiter für ihr Anliegen. „Unsere Kinder können sich nicht alleine wehren“, sagt sie, „wir müssen es für sie tun.“
 

Dirk Herrmann, StN

07.01.2008 - aktualisiert: 07.01.2008 19:46 Uhr