Die Hauptdarsteller Til Schweiger und Nora Tschirner Foto: Verleih
Kinogänger können und sollten sich nicht uneingeschränkt auf FSK-Freigaben verlassen
Der Kinotrailer von "Keinohrhasen" verspricht einen spaßigen Trip in einen turbulenten Kindergarten, in dem nicht Slaptick, sondern auch die große Liebe lauert.
Seit die Hauptdarsteller Til Schweiger und Nora Tschirner den Streifen auch noch in "Wetten, dass ..." als ulkige Familienkomödie anpreisen durften, strömen Eltern mit ihren Kindern scharenweise ins Kino. Dort folgt aber die Ernüchterung, wenn Eltern unverhofft dazu gezwungen werden, ihren Kindern Aufklärungsunterricht zu erteilen: "Papa, was tun die beiden da?" oder "Mama, was ist eigentlich vögeln?" sind Fragen, die Kinder während des Films gerne stellen. Denn sie bekommen in "Keinohrhasen" nicht nur zig Vulgärausdrücke um die Ohren gehauen, sondern werden auch mit Sexualpraktiken wie Oralverkehr konfrontiert. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat den Film trotzdem ab sechs Jahren freigegeben.
"Wir sind reingelegt worden", sagt eine Mutter aus Marbach, die mit ihrem Mann und ihrer zehnjährigen Tochter "Keinohrhasen" gesehen hat. "Der Film ist für Kinder überhaupt nicht geeignet", sagt sie, "das ist ein reiner Erwachsenenfilm, der andauernd unter der Gürtellinie ist." Die Mutter aus Marbach ist mit ihrem Ärger über die Freigabe des Films ab sechs Jahren kein Einzelfall. Rund 150 besorgte Eltern haben sich bereits bei der FSK über die Freigabe ab sechs Jahren beschwert, auch der Elternschutzbund hat sich eingeschaltet. Nun wurde vom Land Schleswig-Holstein ein sogenanntes Appelationsverfahren eingeleitet: Das heißt, die FSK muss erneut prüfen, ab welchem Alter "Keinohrhasen" tatsächlich geeignet ist. Die Sitzung soll noch in diesem Monat stattfinden. Es könnte also sein, dass "Keinohrhasen" von Februar an erst ab zwölf Jahren freigegeben ist.
Nach den zahlreichen Protesten teilt die FSK nun auch mit, dass der Film vor der Freigabe ausführlich und kontrovers diskutiert wurde: "Während eine Ausschussminderheit die sexualisierte Sprache im Film als desorientierend und entwicklungsstörend für Kinder unter zwölf Jahren beurteilte, vertrat die Ausschussmehrheit die Meinung, dass die derben Ansprüche keine nachhaltige belastenden Wirkungen nach sich ziehen, da sie gar nicht verstanden werden." In den FSK-Prüfausschüssen sitzen unter anderem Jugendamtsleiter, Jugendbildungsreferenten, Lehrer, Kinderärzte, Psychologen und Eltern. "Wir nehmen die Kritik sehr ernst und haben schon mit zahlreichen Eltern gesprochen", sagt Stephanie Homburger, Sprecherin der FSK.
Die FSK will und kann Eltern aber nicht aus der Pflicht nehmen, sich vorab mit den Filminhalten auseinanderzusetzen, die sie ihren Kindern zugänglich machen. "Wir versuchen immer wieder deutlich zu machen, dass die FSK-Kennzeichnungen keine pädagogischen Empfehlungen sind, sondern sicherstellen sollen, dass das körperliche, geistige und seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird", so Homburger.
Til Schweiger, der kürzlich auch noch bei der TV-Show von Johannes B. Kerner kostenlos Werbung für den Film machen durfte, lässt die Kritik der Eltern jedenfalls kalt: Über den vielen Sex in "Kleinohrhasen" sagte er in der Sendung: "Ich glaube schon, dass man in dem Film wahnsinnig viel lernen kann."