Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 24.01.2008
Das Vermächtnis des geheimen Buches
Absurde Schnitzeljagd
Selten, ganz selten gelingt eine Fortsetzung besser als das Original. In "Das Vermächtnis der Tempelritter" versuchte Regisseur Jon Turteltaub allzu ernsthaft, pseudohistorische Behauptungen und Verschwörungstheorien als wahr zu verkaufen; was dabei herauskam, war kaum mehr als eine Art "Indiana Jones" für Arme. Im zweiten Teil nun dominiert der komödiantische Aspekt: Die Schatzsuche, auf die Ben Gates (Nicolas Cage) diesmal geht, ist so überdreht, dass eine (Selbst-)Parodie daraus wird. Und amüsantes Popcorn-Kino, in dem es um nichts geht, das aber auch nicht wehtut.
Die Spielregeln sind die üblichen: In einer Schnitzeljagd müssen Gates und seine Mitstreiter versteckte Hinweise finden, verbunden mit einem Schauplatz-Hopping, um am Ende auf einen sagenumwobenen Schatz zu stoßen, den sie zunächst gar nicht gesucht haben; eigentlich nämlich wollten sie nur den guten Namen der Familie Gates reinwaschen, die ein Bösewicht mit dem Mord an Abraham Lincoln in Zusammenhang gebracht hat. Die Schnitzeljagd ist vollkommen absurd angelegt und trägt auf spielerische Art Züge von Größenwahn: Mit Hilfe seines technikbegabten Assistenten Riley, der gerne auch mal Sex hätte, dringt Ben Gates in den Buckingham Palace und ins Weiße Haus ein, um die Schreibtische der Queen und des US-Präsidenten zu durchsuchen. Auch die Library of Congress, ebenfalls ein Hochsicherheitstrakt, ist vor ihm nicht sicher, und wenn nur noch eine Entführung des Präsidenten weiterhilft, dann wird diese auch noch irgendwie möglich gemacht.
Natürlich ist das Unsinn, doch darüber hilft eine erweiterte Starbesetzung hinweg: Neben Nicolas Cage und der gereiften Diane Kruger, die komödiantische Stärken an den Tag legen, bilden Jon Voight und Helen Mirren als geschiedenes Elternpaar Gates ein noch komischeres Paar. Ed Harris ist als skrupelloser Gegenspieler eine sichere Wahl, und Justin Bartha als Riley bewältigt seine Slapstick-Einlagen routiniert.
Wie üblich bei den Filmen von Produzent Jerry Bruckheimer ("Fluch der Karibik", "Staatsfeind No. 1"), besteht auch dieser aus gewaltigen bunten Bildern voller Effekte, die am Ende in eine Materialschlacht münden - ein kurzweiliger Vorgeschmack also auf den echten Indiana Jones, den Steven Spielberg vom Altenteil zurückbeordert hat, um ihn ein letztes Mal auf Abenteuerreise zu schicken.
Bernd Haasis
24.01.2008 - aktualisiert: 24.01.2008 11:53 Uhr