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VfB - Hertha 1:3

Der Meister in der Krise

10.02.2008 - aktualisiert: 10.02.2008 12:26 Uhr

Sami Khedira liegt am Boden
Sami Khedira liegt am Boden
Foto: dpa

Dem VfB-Coach fehlen die Alternativen auf der Bank, "die Gas geben"
 

Stuttgart - 266 Tage nach der triumphalen Meisterfeier ist der VfB Stuttgart in eine tiefe Krise gestürzt. "Vom internationalen Geschäft brauchen wir nicht mehr zu reden", sagte Trainer Armin Veh nach der desolaten Leistung seiner Mannschaft bei der 1:3 (1:2)-Niederlage gegen Hertha BSC. Der schwäbische Bundesligist ist längst nur noch Mittelmaß - wenn überhaupt. "Wir müssen schauen, dass wir möglichst schnell die 40 Punkte haben", warnte Mario Gomez, der "Fußballer des Jahres 2007", gar vor einem Abrutschen in den Abstiegskampf. Einen Vorgeschmack darauf könnten die Stuttgarter schon am kommenden Samstag beim MSV Duisburg bekommen.

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Gomez war einer der wenigen VfB-Profis, die sich nach dem Abpfiff den Fragen der Journalisten stellten. "Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll", meinte er sichtlich niedergeschlagen. Zum ersten Mal in dieser Saison hatte Veh keine Verletzten zu beklagen gehabt. Nach dem 1:4 auf Schalke hatte er zum ersten Mal seine Spieler härter rangenommen und öffentlich mehr Leidenschaft gefordert - und dann das: Vor allem die Nationalspieler wie Fernando Meira, Ludovic Magnin, Thomas Hitzlsperger und vor allem der Ex-Berliner Yildiray Bastürk ergaben sich beinahe widerstandslos den Berlinern.

Nach den Gegentreffern von Marko Pantelic (7. und 45. Minute) sowie durch dem ersten Hertha-Tor des 4,5-Millionen-Euro-Einkaufs Raffael (49.) - Gomez hatte unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zwischendurch für den Ausgleich gesorgt (41.) - brachen die Gastgeber beinahe zusammen. "Da waren wir läuferisch und mental nicht mehr in der Lage, eine Struktur in unser Spiel zu bringen", räumte Veh ein. Wie er den entthronten Titelträger nun wieder auf die Beine bringen will? "Mal schauen. Da muss ich erst eine Nacht drüber schlafen", sagte der 47-Jährige.

Der VfB-Coach klagte, dass ihm nicht viele Alternativen auf der Bank zur Verfügung stehen, "die Gas geben". Zudem haben die Stuttgarter ein Torwartproblem: Raphael Schäfer, der vor der Saison für 2,2 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg gekommen war und in 18 Spielen 29 Tore kassiert hatte, wurde von Veh auf die Bank verbannt. So feierte der 19-jährige Sven Ulreich ein Erstliga-Debüt, das man keinem Keeper wünscht - auch wenn er an den drei Gegentoren kaum etwas machen konnte. Der Jungprofi soll laut Veh auch in Duisburg zwischen den Pfosten stehen.

"Wir werden nicht den Spielbetrieb einstellen, sondern Maßnahmen ergreifen, die ziehen. Und wir werden keine Rücksicht mehr auf Einzelne nehmen. Jetzt zählt nur noch die Leistung und keine Vorgeschichte", kündigte Sportdirektor Horst Heldt an. Ähnlich groß wie das Entsetzen bei den Stuttgartern war die Erleichterung bei Hertha, das mit dem ersten Erfolg nach fünf sieglosen Spielen seine Negativserie erst einmal beendete. "Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie Fußball spielen kann und Charakter gezeigt. Für mich zählt jetzt aber das nächste Spiel gegen Bielefeld", sagte Trainer Lucien Favre.

Immer wieder hatte Manager Dieter Hoeneß zuletzt darauf verwiesen, dass man eine durchwachsene Saison in Kauf nehmen, um danach voranzukommen. Am Ende des Dreijahresplanes soll 2010 der Einzug in die Champions League stehen. Nach dem Sieg an seiner früheren Arbeitsstätte sah sich Hoeneß in seiner Meinung bestärkt. "Wir wollen dieses Jahr keine Höhenflüge ansetzen, weil wir wissen, dass das reifen muss, was wir da vorhaben. Aber wir wollen auf keinen Fall in Gefahr geraten, deshalb war das heute sehr wichtig."
 

dpa