Touristen lieben die beschauliche Stadt am Bodensee. Foto: dpa
Konstanz - Konstanz ist weithin als Touristenmagnet bekannt. Die 80.000-Einwohner-Stadt mit ihrem mittelalterlichen Zentrum in idyllischer Lage am Bodensee zieht Besucher zu Hauf an. Der Gast erfährt aber kaum, dass sich hinter den historischen Mauern bereits seit Jahren ein Wandel vollzieht, der die Kommune aus ihrer Beschaulichkeit ins 21. Jahrhundert katapultieren soll. Denn die Stadt hat sich mit großen Schritten auf den Weg zu einem bedeutenden Standort der Wissenschaften gemacht.
Nun soll das Tempo noch beschleunigt werden, denn Konstanz hat sich um den Titel "Stadt der Wissenschaft 2009" beworben, über den der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft am 28. Februar in Jena entscheiden wird. Dabei kann sie schon auf Erfolge in der Vergangenheit verweisen. Bereits im September 2007 machte die Stadt bundesweit mit ihrer jungen Universität Schlagzeilen. Die vor rund 40 Jahren gegründete Campus-Hochschule wurde zum Erstaunen mancher alterwürdigen Universität mit dem "Elite"-Prädikat ausgezeichnet. Bereits 2006 hatte die Universität Fördergelder für einen geisteswissenschaftlichen Exzellenz-Forschungsverbund gewonnen.
Auch was die Naturwissenschaften und die Ausgründungen aus der Universität sowie aus der Hochschule für Technik, Wissenschaft und Gestaltung (HTWG/Fachhochschule) angeht, ist Konstanz seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Der ehemalige Standort der Textilindustrie mausert sich zu einem Zentrum für Neue Technologien. Im Mittelpunkt stehen dabei Solartechnik, Laser- oder Nanotechnologie sowie Biochemie. 2009 soll ein 50 Millionen Euro teures Kompetenzzentrum öffnen, das die Vernetzung von Wissenschaftlern und Unternehmern weiter voranbringt. Auch bei den Anwendungen des geplanten europäischen Satellitennavigationssystems Galileo will Konstanz dabei sein.
"Wir sind aus Tradition der Zeit voraus", schreibt Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne) in der Bewerbungsbroschüre für den Wissenschaftswettbewerb mit Blick auf die geschichtliche Bedeutung der Stadt vom Konstanzer Konzil (1414-1418) bis heute. "Unser Erfolgsrezept ist der Transfer: Wissenschaftliche Erkenntnis führt zu zu wirtschaftlicher Entwicklung, erweitert die Horizonte der Menschen und prägt unser kulturelles Zusammenleben."
Transfer, also Übertragung, von Wissen, lautet auch das Zauberwort für die Bewerbung. Unter dem Motto "Grenzenlos denken" haben Projektleiterin Ursula Herold-Schmidt und die Leiterin des Amts für Schulen, Bildung und Wissenschaft, Waltraud Liebl-Kopitzki, ein Programm aufgestellt, das Barrieren zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern, Forschern und Betrieben sowie Generationen und Nationen einreißen soll. "Es landen noch zu viele gute Ideen in der Schublade", weiß Herold-Schmidt, Spezialistin für Werkstoffforschung. "Die Professoren müssen rausgehen, die heimische Wirtschaft soll stärker von den Innovationen profitieren." Mit zahllosen Veranstaltungen sollen die Bürger zu Mitspielern und vor allem begeisterten Mitdenkern in Sachen Wissenschaft und Technik werden. Ehrensache, dass auch das Stadttheater und die Museen mitspielen.
Nicht nur Grenzen in den Köpfen, sondern auch in der Geografie sollen bei der "Stadt der Wissenschaft" fallen. "Konstanz wird zum Motor einer ganzen Region", sagt Liebl-Kopitzki. Denn mit von der Partie sind die private Zeppelin-University in Friedrichshafen sowie die Hochschulen im oberschwäbischen Ravensburg und Weingarten. An der Initiative beteiligt sich auch die Pädagogische Hochschule des Kantons Thurgau in der Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen. Sponsoren für das Projekt zu finden, war nach Herold-Schmidts Auskunft nicht schwierig. "Die Resonanz in der Wirtschaft ist fabelhaft, wir sind auf offene Türen gestoßen."
Sollte sich Konstanz gegen die Konkurrenten Oldenburg und Lübeck durchsetzen, winkt ein Geldsegen von bis zu 250.000 Euro. Sollte Konstanz dagegen leer ausgehen, wird es dennoch ein "Wissenschaftsjahr 2009" geben. "Unsere Arbeit war auf keinen Fall umsonst", freut sich Herold Schmidt.