Drucken Versenden

Streit ums Hausbuch

Rasche Entscheidung angestrebt

Im Stuttgarter Landtag wird der Verkauf des Hausbuchs heiß diskutiert.
Foto: dpa / lsw

Stuttgart - Der Streit um den Verkauf einer kostbaren mittelalterlichen Handschrift in Süddeutschland steht vor der Entscheidung. Nach der überraschenden Rückführung des 20 Millionen Euro schweren Hausbuchs aus dem 15. Jahrhundert werde nun „sehr rasch“ über den endgültigen Verbleib des Kulturguts verhandelt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Sonntag in Stuttgart. Die Adelsfamilie Waldburg-Wolfegg hatte am Freitag überraschend über ihre Anwälte angekündigt, das an einen nicht benannten Erwerber veräußerte Hausbuch werde bis zu einer Klärung der Rechtsfragen an das Fürstenhaus in Baden-Württemberg zurückgegeben.

Die baden-württembergischen Ministerien für Wissenschaft und Wirtschaft hatten das Adelshaus ultimativ bis Freitag aufgefordert, fehlende Angaben über den Verkauf des Hausbuchs abzuliefern. Wie es in dem Schreiben der beiden Ministerien weiter hieß, hatte der Erwerber zwischenzeitlich das bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst darüber informiert, dass sich das Objekt in Bayern befinde. In den Medien war spekuliert worden, ein wohlhabender Privatmann in Bayern sei der Käufer. In Fachkreisen gilt das vom Adelshaus verkaufte Werk als einzigartig.

Fürstenfamilie hält Verkauf für zulässig

In dem Anwaltsschreiben der Fürstenfamilie werden im übrigen Zweifel am rechtlichen Bestand des Beschlusses des Oberlandesgerichts Stuttgart aus dem Jahr 1956 geäußert, der das Hausbuch unter die denkmalschutzrechtliche Aufsicht des Landes stellt und diesem ein Vorkaufsrecht einräumt. „Das Wissenschaftsministerium und das Wirtschaftsministerium werden unverzüglich ein Gespräch mit den Beteiligten über die klärungsbedürftigen Fragen anberaumen“, hieß es in der Mitteilung weiter.

Da das Buch im Verzeichnis national wertvollen Kulturguts stehe, sei der Verkauf anzeigepflichtig, hatte die baden-württembergische Landesregierung stets erklärt. Das Adelshaus hatte bisher behauptet, alle notwendigen Schritte für den Verkauf eingehalten zu haben. Wie Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) jedoch vor gut eineinhalb Wochen betonte, wurde nie eine Genehmigung erteilt. Deshalb sieht das Land den Verkauf als unwirksam an.

Die Handschrift enthält zahlreiche Zeichnungen auf Pergament, die Einblicke in den Alltag der Menschen des Spätmittelalters geben. Das Werk, dessen Künstler unbekannt ist, war nach Angaben des Adelshauses in „mehreren international beachteten Ausstellungen“ zu sehen. Die Publizität habe zu einer „hohen Versicherungssumme“ geführt.

Historiker sehen den Verkauf von Kulturgut grundsätzlich problematisch

Den privaten Verkauf von landesgeschichtlich bedeutenden Kulturgütern hält der Chef der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, Peter Michael Ehrle, für grundsätzlich bedenklich. „Der jüngste Verkauf der wertvollen mittelalterlichen Handschrift 'Hausbuch' durch ein baden-württembergisches Adelshaus ist unzulässig“, sagte er. „Was hier abgelaufen ist, war einfach ungesetzlich.“

Die SPD-Landtagsfraktion in Stuttgart forderte von der CDU/FDP-Landesregierung eine schnelle Klärung offener Fragen über den Verkauf. Auch die Grünen kritisierten die Landesregierung scharf. „Wie kann es nach dem Handschriftenskandal passieren, dass wieder mit unglaublich wichtigen Kunstgegenständen höchst unsensibel umgegangen wird?“, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete, Jürgen Walter. Das Land müsse endlich erklären, warum es das Hausbuch nicht selbst erworben habe.
 

dpa

24.02.2008 - aktualisiert: 24.02.2008 19:14 Uhr

 



Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise