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Nachwuchs in der Wilhelma

Jetzt sind wir alle ein bisschen Eisbär

28.02.2008 - aktualisiert: 29.02.2008 11:34 Uhr

Wilbär
Der kleine Wilbär erblickte im Dezember 2007 das Licht der Welt
Foto: Wilhelma

Das lang gehütete Geheimnis der Wilhelma ist bereits zwölf Wochen alt: Das Bärchen heißt Wilbär
 

Stuttgart - Eisbärbaby Knut wurde schon wenige Tage nach der Geburt vor die Kameras gezerrt. Knuddelbärchen Flocke ging es nicht anders. Beim dritten Eisbärbaby, das jetzt in der Wilhelma aufwächst, soll alles anders werden. Erst knapp drei Monate nach der Geburt des kleinen „Wilbär“ ging der Stuttgarter Zoo damit an die Öffentlichkeit.

Das Schweigegelübde der wenigen Eingeweihten hielt. „Alle Beteiligten haben seit dem 10. Dezember absolutes Stillschweigen gewahrt“, sagte Dieter Jauch, der Direktor der Wilhelma, am Donnerstag nicht ohne Stolz. Dann aber lüftete er vor zahlreichen Medienvertretern und laufenden Fernsehkameras „das bestgehütetste Geheimnis der Wilhelma“: Auch in Stuttgarter Zoo gibt es ein winzig kleines Eisbärchen. Es trägt den Namen Wilbär und ist das Junge von Bärin Corinna und Bär Anton. Inzwischen ist es geimpft, wiegt sechs Kilo, krabbelt bereits eifrig und wird jeden Tag lebhafter.

17 lange Jahre hat man am Neckar auf dieses freudige Ereignis gewartet. „Es ist der erste hier geborene Eisbär““, sagte Jauch, „und er wird in der Obhut seiner Mutter aufwachsen.“ Außergewöhnlich lange hat es auch gedauert, bis die Wilhelma die Geburt des Eisbärbabys bekannt gab. Seit den freudigen Ereignis am 10. Dezember um 19.30 Uhr sind fast zwölf Wochen vergangen.

Warum aber diese Geheimniskrämerei? Warum ist die Wilhelma nicht sofort, wie die Zoo-Kollegen in Berlin und Nürnberg, mit dieser Neuigkeit auf den Markt gegangen? Dieter Jauch führt ein ganzes Bündel von Argumenten ins Feld. „Wir hatten auch Angst vor dem Druck, der im Fall einer Eisbärengeburt auf uns lasten würde“, sagte der Direktor. Wichtiger aber war eine andere Überlegung. „Wir wollten auf jeden Fall, dass Corinna selbst entscheidet, ob sie ihr Junges selbst aufzieht oder nicht. Deshalb wurde von den Verantwortlichen der Wilhelma beschlossen, in den ersten Tagen nach der Geburt in die Mutter-Kind-Beziehung nicht einzugreifen.

Doch schon bald lieferten die Überwachungskameras aus der extra eingerichteten Wurfbox beruhigende Bilder. „Corinna kümmert sich vorbildlich um ihr Jungens“, sagt Jauch. Fast zärtlich trägt es ihr Baby mit den Zähnen und säugt es regelmäßig. „Anfangs hielt Corinna den Kleinen fast 24 Stunden am Tag warm“, schildert die Wilhelma-Zoologin Ulrike Rademacher den ausgeprägten Mutterinstinkt der Bärin. „Sie legte das Jungtier auf einen ihrer Oberarme und den anderen Arm und das Kinn darüber.“

Trotz dieser Rundumversorgung durch die Mutter „ist der kleine Bär noch nicht über den Berg“, sagt Jauch. Die erste kritische Phase gab es nach drei Wochen. Niemand wusste, wie Corinna auf die Silvesterknallerei reagieren würde. Ohne nähere Begründung bat Jauch damals die Polizei, keine Knallerei auf dem angrenzenden Rundweg in Rosenstein zuzulassen. „Dafür danke ich ganz herzlich“, sagt Jauch.

Den Namen Wilbär, der auf einen Vorschlag der Kuratorin Isabel Koch zurückgeht, hat sich die Wilhelma inzwischen schützen lassen. Wilbär, das soll zum einen an seinen Heimatzoo erinnern und gleichzeitig „mit einem Augenzwinkern“, so Eisbärpfleger Jürgen Deisenhofer, an den Altdirektor Wilbert Neugebauer, der seinerzeit das Eisbärgehege bauen ließ.

Ob Wilbär einen ähnlichen kommerziellen Boom auslösen wird wie Knut, bezweifelt Jauch. „Dafür ist unser Wilbär zu normal.“ Putzige Bilder von ihm mit Fläschchen im Arm eines Tierpflegers wird es nicht geben. Dafür aber will die Wilhelma schon bald eine Auswahl an Souvenirs anbieten, die für Wilbär werben, „ihn aber nicht in seiner Würde verletzen“, kündigt Jauch an. Gedacht ist an Teddybären, T-Shirts, Kugelschreiber und Bärentaschen. „Wir sind nicht auf das große Geld aus“, sagt Jauch. Die Einnahmen sollen in ein Bären-Schutzprogramm fließen.

Wann Wilbär zum ersten Mal leibhaftig den Wilhelmabesuchern vorgestellt wird, hängt von seiner Entwicklung ab. „Vielleicht ist es in sechs Wochen so weit“, sagt Jauch, „vielleicht erst Ende April.“
 

Klaus Eichmüller, StN