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Stuttgart 21

S-Bahnhof am Flughafen droht Stolperfalle zu werden

Um 20 Zentimeter sollen die S-Bahnsteige am Flughafen abgesenkt werden, damit dort auch der ICE aus Süden einfahren kann.
Foto: Kraufmann

Stuttgart-21-Planer wollen Ausnahmegenehmigung
 

STN ExklusivStuttgart - Bei ihren Plänen für Stuttgart 21 stößt die DB auf den Fildern auf massive Probleme. Die Ingenieure ringen mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee darum, die S-Bahn-Station Flughafen für ICE und Regionalzüge nutzen zu können. Setzt sich die DB durch, müssten sich Millionen S-Bahn-Fahrgäste mit einer Stolperfalle abfinden.

Es geht um 20 Zentimeter, jenes Maß, in dem sich S-Bahnsteige von denen der Fern- und Regionalbahn abheben. Weil die Bahn ihre aus Singen und Freudenstadt anrollenden Fernzüge in die heutige S-Bahn-Station unter den Flughafen-Terminals lenken will, müssen die dortigen Bahnsteige, von den Gleisen aus gemessen, von 96 auf 76 Zentimeter abgesenkt werden.

Kommt der Perron den Fernreisenden nicht entgegen, wird der Ein- und Ausstieg zum Beispiel aus Doppelstockwagen des Typs Görlitz nahezu unmöglich. Auch der Spalt zwischen ICE-Wagen- und Bahnsteigboden öffnet sich vor allem für ältere Menschen zur nahezu unüberwindbaren Kluft. Die Bahn pocht daher beim SPD-Bundesverkehrsminister auf eine Ausnahmegenehmigung. Im ersten Anlauf 2007 gab Tiefensee den Prellbock. Die Bahn habe sich etwas erhofft, was so „nicht eintreten kann“, sagte er bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Stuttgart. Der Einstieg in die S-Bahn müsse barrierefrei bleiben, die Rechtslage sei eindeutig.

Inzwischen zeigt sich das Bundesverkehrsministerium (BMV) offenbar bereit, zu neuer Rechtsauslegung. „Wir haben einen Vorschlag und einen technischen Bericht von der Bahn gefordert. Die Sondergenehmigung wird nur für den Tunnel benötigt“, heißt es in der BMV-Pressestelle.

Das ist nicht ganz richtig. Auch für die komplette S-Bahn-Strecke vom Dürrlewangwald beim gleichnamigen Stuttgarter Stadtteil bis nach Echterdingen muss das Ministerium den Fernverkehr per Ausnahmegenehmigung zulassen. Die S-Bahn-Gleise liegen nur 3,80 Meter statt vorgeschriebener vier Meter auseinander. Doch diese 20 Zentimeter sind weniger problematisch. Die DB hat einen Sicherheitsnachweis erbracht und verweist auf den stark befahrenen Pragtunnel, in dem der Gleisabstand nur 3,60 Meter misst.

Um die Ausnahmegenehmigung für den S-Bahnhalt zu erhalten diskutiert die Bahn inzwischen eine „Cap-Lösung“. Der gesamte Bahnsteig würde auf 300 Meter verlängert und fast vollständig abgesenkt. Am Anfang und Ende blieben aber kurze, 96 Zentimeter hohe Stücke. Rollstuhlfahrer könnten so aus der ersten Tür direkt hinter dem Fahrer die S-Bahn ebenerdig verlassen.

Auch die Tieferlegung eines der beiden Gleise für Fernzüge wäre möglich, führt aber laut Bahn zu Einschränkungen im Betrieb, weil ein Reservebahnsteig fehlt und Streckenteile in wechselnde Richtungen betrieben werden müssten. Für die Bahnplaner alles andere als eine Ideallösung.

Die Ideallösung wäre, die Fernzüge aus Singen in den neuen Messe-Bahnhof zu lenken. Weil die mit Ankern bis in 17 Meter Tiefe gegründeten Messehallen nicht unterfahren werden dürfen, wäre aber ein langer, zusätzlicher Tunnel nötig. Kosten: Bis zu 100 Millionen Euro. „Es wäre das Beste, den S-Bahnhof so zu lassen“, sagt Flughafensprecherin Beate Schleicher. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine Stufe auf der ganzen Länge hinnehmbar ist“, sagt Thomas Glawa von der Messe-Baugesellschaft. „Die Frage ist, ob wir unseren Takt noch fahren können. Wir wollen die Konsequenzen geprüft haben“, sagt Regionaldirektor Bernd Steinacher.
 

Konstantin Schwarz, StN

03.03.2008 - aktualisiert: 03.03.2008 18:48 Uhr