Stuttgart - Die Leihfahrräder sollen in Stuttgart besser in Schwung kommen. Die Firma DB Rent darf jetzt voraussichtlich gar auf dem Marktplatz Flagge zeigen – nicht nur hinter dem Rathaus.
Vielleicht könne man dem Wunsch der Bahn-Tochter ja probeweise nachgeben und ein Plätzchen am Rand des Marktplatzes suchen, sagte Städtebaubürgermeister Matthias Hahn am Dienstag im Umwelt- und Technik-Ausschuss. Die Ausleihstationen für Call a Bike würden sich ja besser mit dem Stadtbild vertragen als früher gedacht.
Rolf Lübke, Chef von DB Rent, kommt damit einem Teilerfolg näher. Er hatte wiederholt beklagt, dass dem Leihsystem wirklich attraktive Standorte wie der Schlossplatz oder der Marktplatz versagt blieben. Diese peilt er aber an, um Call a Bike besser in der Stadt zu verankern und die Zahl der Fahrten zu steigern. SPD-Stadtrat Rainer Kußmaul fordert, dass das Land dafür auch den Ehrenhof des Neuen Schlosses freigibt.
Wenn die neue Saison am 21. März startet, wird es 64 Ausleihstationen mit 633 Abstellplätzen für Leihräder geben – somit zwölf Stationen mehr. Neu sind Stationen beim Zeppelin-Carré, beim Haus der Geschichte sowie an den Kreuzungen Olga-/Bopserstraße, Herdweg/Relenbergstraße, Bismarck-/Elisabethenstraße, Johannes-/Schlossstraße, Rosenbergplatz/Schwabstraße, Tal-/Wagenburgstraße, Paul-Gerhardt-Platz, Südheimer Platz, Cannstatter Carré und Mineralbad Cannstatt. Dem Ausbau liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es im Westen und im Osten Nachholbedarf gibt.
Vom Westen zum Hauptbahnhof fahren die Nutzer am liebsten – die meisten freitags und samstags. Zwei Drittel der Nutzer sind zwischen 18 und 39 Jahre alt. 47 Prozent nutzen das Leihrad regelmäßig in Verbindung mit Bus oder Bahn, 31 Prozent kombinieren gelegentlich. Pro Jahr werden mit dieser Zahl von Fahrten 39 Tonnen Kohlendioxid eingespart, sagte Lübke. Das entspricht 25 Autos, die 5000 Kilometer zurücklegen.
Lübke zeigte sich mit der Bilanz seit dem Start am 1. Juli zufrieden. FDP-Stadtrat Matthias Werwigk fand, die Ausleihzahlen seien zu vernachlässigen, die Räder im Stadtbild kaum präsent. In Lyon und Paris sei das ganz anders. Grünen-Stadtrat Michael Kienzle wünschte sich mehr Leihstationen für die Vororte und den Verzicht auf eine Winterpause. CDU-Sprecher Roland Schmid ließ sich bescheinigen, dass die von seiner Fraktion erzwungenen festen Stationen die richtige Wahl waren. In anderen Städten kann man die Räder übernehmen, wo man sie findet, und zurücklassen, wo man will. Der Vergleich mit anderen Städten hinke daher aber auch, sagte Lübke. Mehr Präsenz bedeute mehr Stationen. Wolle man die Zahl verdoppeln, brauche er mehr städtisches Geld.