Suche nach Kinofilmen
 
 



Kino-Termine

Dieser Film läuft in folgenden Kinos

 

 

Vorschau ]

zurück


Drucken Versenden
Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 14.03.2008

Horton hört ein Hu

Ein Elefant plädiert für Offenheit

Horton ist ein Hit: Einen so sympathischen und verspielten Trickfilm-Charakter wie diesen verträumten Elefanten gab es im Kino lange nicht zu sehen. Horton lebt in einem Fantasie-Dschungel in den Tag hinein und lässt dabei seiner Vorstellungskraft freien Lauf, weshalb er auch als Lehrer für exotische Tierkinder fungiert.

Doch dann hört Horton ein Geräusch, das aus einem vorüberschwebenden Staubkorn zu kommen scheint, und findet heraus, dass darin die mikroskopisch kleine Welt Hu-Heim (im Original: Whoville) verborgen ist. Deren friedliebende Bewohner ahnen nichts von den wahren Größenverhältnissen der Welt, und nur der versponnene Bürgermeister glaubt Hortons Worten - alle anderen auf beiden Seiten der Realität halten den Elefanten und das Stadtoberhaupt für verrückt. "Was man nicht sehen, fühlen oder schmecken kann, das existiert nicht", sagt das tyrannische Känguru und hetzt den ganzen Dschungel gegen Horton auf, während die Bewohner von Hu-Heim ihren Bürgermeister der Lächerlichkeit preisgeben.

Die Macher des Animations-Meisterstücks "Ice Age" haben sich an einen Klassiker des US-amerikanischen Kinderbuchautors Dr. Seuss gewagt und sich offenbar keinerlei Grenzen gesetzt - mit überbordender Fantasie haben sie zwei quietschbunte und äußerst skurrile Welten erschaffen.

Die Figuren sind virtuos animiert und zu allerlei jenseits der Physik in der Lage. Horton bewegt sich wie ein Kleinkind, ist dabei aber flink und gelenkig wie ein Artist. Und er nutzt seine Ohren für verschiedenste Zwecke, zum Beispiel um den Kopf gewickelt als Badekappe. Der Geier Vlad, den das stark überzeichnete Känguru auf Horton ansetzt, ist eine Nosferatu-Karikatur, und die Affenbande, latent gelangweilt, verwandelt sich allzu gerne in einen mordlüsternen Mob.

Humorvoller Vordergrund, ernster Hintergrund

Eine eingeschobene Animé-Parodie ist ebenso geglückt wie die Szene, in der Horton klar wird, welche Gefahren winzigen Wesen in seinem geliebten Dschungel drohen, an die er vorher nie gedacht hat - alles verschlingende Vögel zum Beispiel oder Ameisen mit messerscharfen Zahnreihen.

Humorvoller Vorder- und ernster Hintergrund sind kindgerecht ausbalanciert, und Horton ("Ein Elefant ist hundertprozentig treu") folgt dem Grundsatz: "Ein Mensch ist ein Mensch, wie klein er auch sei." Er plädiert für Neugier und Offenheit, wo Beschränktheit und Bevormundung herrschen, und erinnert daran, wie schwer es sein kann, für Prinzipien einzustehen.
 

Bernd Haasis

14.03.2008 - aktualisiert: 14.03.2008 15:08 Uhr