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Hallenbäder

Schwimmen nur für Frauen

Frauen unter sich: Muslimas und ältere Damen nutzen im Hallenbad von Filderstadt-Plattenhardt jeden Mittwoch ihre exklusiven Öffnungszeiten zum Schwimmen
Foto: Kern

Vorstoß des Waiblinger Frauenrats stößt auf Kritik
 

Waiblingen – Übergewicht, Brustoperationen, Schwangerschaft oder der muslimische Glauben. Gründe, warum Frauen nicht gern in gemischte Schwimmbäder gehen, gibt es viele. Exklusive Badezeiten nur für Frauen bieten nur wenige Hallenbäder an. In Waiblingen bemüht sich der Frauenrat derzeit um ein solches Angebot.

Bereits im Dezember regte der Waiblinger Frauenrat in einer Ausschusssitzung des Gemeinderats an, auf Wunsch einer Gruppe Muslimas spezielle Schwimmzeiten für Frauen einzuführen. „Es gibt ja auch deutsche Frauen, die nicht schwimmen gehen, weil sie sich zu dick fühlen oder hochschwanger sind“, sagte damals die Gleichstellungsbeauftragte Ingrid Hofmann.

CDU-Stadträtin Susanne Gruber regt sich noch fünf Monate später über den Vorschlag auf. „ Für mich steht die Integration muslimischer Frauen im Vordergrund, mit solchen Sonderrechten erreicht man aber genau das Gegenteil!“ Den Wunsch nach einer Damensauna könne sie noch nachvollziehen, „das getrennte Schwimmen aber haben wir in Deutschland doch seit bestimmt hundert Jahren hinter uns.“

Außerdem weist Gruber auf die vielen Schwierigkeiten hin, die solche Exklusivangebote in Köln oder im Ruhrgebiet mit sich bringen. „Die muslimischen Frauen wollen einen weiblichen Bademeister, die Fenster müssen abgehängt werden, und einige schwimmen sogar in Kleidung.“

Auch Karin Rudolph von den Kur- und Bäderbetrieben der Stadt Stuttgart kennt diese Probleme. „Die meisten unserer Bäder haben sehr große, einsichtige Fenster, und die Frage mit dem weiblichen Personal ist schwierig zu lösen.“ Die ein bis zwei Anfragen, die jedes Jahr von muslimischen Vereinen eingehen, werden deswegen abgelehnt. Die städtischen Bäder haben die exklusiven Badezeiten für Frauen schon vor Jahrzehnten abgeschafft. „Schulen und Vereine reservieren in unseren Bädern schon so viele Öffnungszeiten, dass für die breite Öffentlichkeit ohnehin sehr wenig übrig bleibt“, sagt Rudolph.

In Waiblingen soll das Damenbad zu Zeiten stattfinden, an denen das betreffende Bad normalerweise geschlossen ist. Das Neustädter Hallenbad hätte nach Auskunft der Stadtwerke noch Kapazitäten. Der Frauenrat berät in den kommenden Tagen wieder über eine geeignete Lösung. Bis eine Entscheidung fällt, bleiben den muslimischen Frauen nur die Hallenbäder in der Region.
 

Sandra Markert, StN

14.04.2008 - aktualisiert: 14.04.2008 19:04 Uhr