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Spickmich.de

„Wir wollen kein Lehrerpranger sein“

Spickmich-Sprecher Bernd Dicks
Foto: StN

Bernd Dicks kritisiert mangelnde Medienkompetenz an Schulen
 

Köln - Seit gut einem Jahr benoten Schüler bei Spickmich.de ihre Lehrer. Zwei Lehrerinnen zogen vor Gericht. Die Richter haben entschieden: Das Internetportal darf weitermachen – sehr zur Freude von Spickmich.de-Sprecher Bernd Dicks.

Herr Dicks, Sie setzen sich den ganzen Tag mit den Problemen an Schulen auseinander. Warum sind Sie nicht Lehrer geworden?
Bernd Dicks: Eigentlich würde ich gerne mal unterrichten. Ich würde mich vor die Klasse stellen und einfach so sein wie meine Lehrer früher. Meine Schulzeit war wirklich toll. Viele glauben ja, wir wären eine Lehrerhasser-Truppe, die sich rächen will. Aber das stimmt nicht.

Was für ein Lehrer wären Sie?
Bernd Dicks: Eine Mischung aus Wissensvermittler und Entertainer. Schüler bekommt man nicht nur durch Disziplin zum Lernen. Ich hätte den Anspruch, hart und fair zu sein, außerdem motiviert, kompetent und witzig.

Solche Lehrer beschweren sich wahrscheinlich nie über Spickmich.de.
Bernd Dicks: Nein, das machen hauptsächlich Pädagogen, die von ihren Schülern schlecht benotet werden.

Zwei haben sogar gegen Spickmich.de geklagt. Ist das, was Sie machen, illegal?
Bernd Dicks: Überhaupt nicht. Wir bieten ein Meinungsforum an, da greift das Recht auf Meinungsfreiheit. Es kann ja auch jeder in ein Konzert von Tokio Hotel gehen und hinterher im Fanforum schreiben: Bill hat schlecht gesungen. Bei uns dürfen Schüler festhalten: Frau Müller ist nicht motiviert, schlecht vorbereitet und hat bei der Notenvergabe scheinbar gewürfelt. Lehrer sind Angestellte im öffentlichen Dienst. Die Gerichte sind da auf unserer Seite und haben mehrmals betont, dass Lehrer mit öffentlicher Kritik zurechtkommen müssen.

>m Freitag steht ja wieder ein Urteil an – diesmal vom Landgericht Duisburg.
Bernd Dicks: Auch da erwarten wir keine Überraschungen. Der Richter hat bereits angedeutet, dass er dazu neigt, sich dem Urteil seiner Vorgänger anzuschließen. Aber wir befürchten, dass die klagende Lehrerin durch alle Instanzen geht – bis vors Bundesverfassungsgericht.

Warum fühlen sich einige Lehrer durch Spickmich.de bedroht?
Bernd Dicks: Das ist oftmals ein Problem der Medienkompetenz. Die Hälfte aller Lehrer ist über 50. Viele haben Angst vor dem Internet, weil sie sich damit nicht auskennen. Mich hat mal eine Direktorin am Telefon angebrüllt: „Meinungsfreiheit ja, aber nicht im Internet!“ Das Verrückte an der Sache ist, dass von denen, die ihre Klappe am weitesten aufreißen, viele nicht ein einziges Mal auf unserer Seite waren.

Ist das ein typisches Lehrerproblem?
Bernd Dicks: In den meisten Berufen gehört Feedback längst dazu. Friseure, Handwerker und Ärzte werden seit Jahren im Internet bewertet. Autoritätspersonen wie Lehrer neigen allerdings dazu, Dinge einfach zu verbieten, statt sich damit auseinanderzusetzen.

Wie verhindern Sie, dass Schüler das Portal für Racheakte gegen Lehrer missbrauchen?
Bernd Dicks: Unser System sortiert sowohl Frust- als auch Spaßbenotungen aus. Wenn eine Lehrerin von 20 Schülern gut bewertet wurde und plötzlich zwei Sechsen bekommt, weil sie beispielsweise jemanden beim Rauchen erwischt hat, dann fliegen diese Bewertungen raus. Wir wollen kein Lehrerpranger sein.

Was haben die Schüler eigentlich davon, ihren Lehrern Noten zu geben?
Bernd Dicks: Spickmich.de ist ein Ventil. Experten vermuten, dass ein Portal, in dem Jugendliche ganz legal ihre Unzufriedenheit ausdrücken können, krasse Formen von Cyber-Mobbing verhindert.

Hilft es, schlechten Unterricht zu verbessern?
Bernd Dicks: Wir wissen von einem Physiklehrer, der so überrascht von seiner schlechten Bewertung war, dass er seine Klasse aufgefordert hat, Verbesserungsvorschläge aufzuschreiben. Einige hat er umgehend umgesetzt. Es geben nur wenige zu, aber viele Pädagogen schauen auf ihre Noten. Wir haben über 250 000 Anmeldungen von Lehrern.

Aber die anonyme Bewertung würgt die persönliche Diskussion zwischen Lehrern und Schülern doch eher ab, statt sie zu fördern.
Bernd Dicks: Wir raten den Schülern immer wieder: „Wenn ihr Probleme mit Lehrern habt, geht hin und besprecht sie mit ihnen. Viele Schüler trauen sich aber nicht, einen autoritären Lehrer anzusprechen. Theoretisch gibt es außer dem persönlichen Gespräch viele weitere Möglichkeiten, sich an einen Lehrer zu wenden, mit dem man nicht zufrieden ist.

Welche denn?
Bernd Dicks: Zum Beispiel über Schülervertreter, SMV oder Vertrauenslehrer. Das Problem ist: Würden diese Instrumente funktionieren, wäre Spickmich.de völlig überflüssig.

Hoffen Sie, dass es eines Tages so weit ist?
Bernd Dicks: Es wäre toll, wenn irgendwann an allen Schulen ein Klima herrschen würde, in dem man offen miteinander reden kann. Bis dahin vergehen aber noch mindestens 30 Jahre. Dann haben wir uns längst was Neues einfallen lassen.
 

Fragen von Carolin Sadrozinski, StN

16.04.2008 - aktualisiert: 16.04.2008 18:49 Uhr