Konvertit Jörn K. im Fokus der Behörden
Sindelfingen – Bis zur Razzia beim Sunnah-Verein war er nur den Sicherheitsbehörden ein Begriff. In islamistischen Zirkeln ist das anders: Der 27-jährige Jörn K., der in Sindelfinger und Stuttgarter Moscheen lehrte, wird als erster deutscher Imam gefeiert.
"Wir haben die Aufgabe zu sagen, was der Islam ist", sagt der junge Mann. Man könne die Menschen zwar mit dem Schwert zum Islam zwingen. Doch dann würden sie wohl nicht "mit dem Herzen" an Allah glauben.
Der junge Mann, der hier im Video zu Wort kommt, wurde als Jörn K. in Wiesbaden geboren. Vor neun Jahren konvertierte der heute 27-Jährige, lernte Arabisch, studierte in Marokko und ließ sich zum Islamlehrer ausbilden. Das macht ihn auch in der islamistischen Szene unter seinem neuen Namen Mohammad Islam populär.
"Mohammad Islam ist der erste deutsche Imam", freut sich Sheik Hassan Dabbagh, der mit zwei weiteren Konvertiten bei Jörn K. sitzt. Dessen Lob hat bei strenggläubigen Muslimen Gewicht und wird dementsprechend verbreitet. Das zehnminütige Video mit Dabbagh und den drei Konvertiten steht seit Herbst 2007 frei zugänglich auf You Tube und auf anderen Videoportalen.
Spätestens am Mittwoch muss Jörn K. klargeworden sein, dass er im Fokus der Sicherheitsbehörden steht: Bei einer bundesweiten Razzia wurden auch die Räume des Sunnah-Vereins in Sindelfingen durchsucht, bei dem der deutsche Imam eine maßgebliche Rolle spielt. Insgesamt ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen neun Männer wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Zu dem mutmaßlichen Islamisten-Netzwerk gehören unter anderem Dabbagh und Jörn K.
Das Video im Internet, ist das bisher einzige Bilddokument von Jörn K. Es zeigt einen schlanken, energischen Mann mit dem Bart strenggläubiger Muslime. Es gebe viele Gläubige, die ein falsches Bild vom Islam vermittelten, klagt der Konvertit. Über seine eigenen Motive und Ziele erfährt man im Video allerdings wenig. Er habe nach "Zufriedenheit" in seinem Leben gesucht, berichtet Jörn K. Doch alle weltlichen Reichtümer genügten nicht: "Auch die Seele braucht etwas zu essen."
Der Islam würde in den Medien mit Gewalt, Extremismus und Terrorismus in Verbindung gebracht, sagt Jörn K. im Film. "Wer wirklich sucht, stellt fest, dass es nicht so ist." Als Beleg für die Friedfertigkeit der Religion führt er unter anderem die Stellung der Frau im Islam an.
Laut Staatsanwaltschaft war vor der Razzia "keine Gefahr im Verzug". Sie dürfte eher ein zielgerichteter Warnschuss gewesen sein. Dabei scheint Jörn K. wohl hinreichend verdächtig. Neben seinen Aktivitäten in Sindelfingen soll er nach Informationen dieser Zeitung auch in der Khalid-bin-Walied-Moschee in Stuttgart-Bad Cannstatt als Glaubenslehrer aktiv gewesen sein.
Die Mehrzahl der Gläubigen ist friedfertig und harmlos. Dennoch gilt die Moschee bei den Behörden seit Jahren als Brennpunkt islamistischer Tendenzen in Stuttgart. Generell wird befürchtet, dass bei sogenannten Islam-Seminaren junge Muslime und Konvertiten über einen strengen Glauben letztlich für den Dschihad gewonnen werden könnten. Ein deutscher Imam wäre für diese Aufgabe wohl wie geschaffen.
Das Video bei Youtube