Dreimal auf Holz geklopft: Der Raum Stuttgart hat noch mal Glück gehabt. Nach allem, was man bisher über die Beton-Affäre weiß, ist kein Gebäude ernsthaft bedroht. Die Vorwürfe zerbröseln. Wie aus Justizkreisen zu hören ist, ist nicht einmal sicher, dass der angebliche Schrottbeton, der verbaut worden sein soll, tatsächlich minderwertig war. Das Ganze ist vielleicht nur eine üble Intrige einer Konkurrenzfirma, die einer mittelständischen Firma in Stuttgart schaden will.
Glück gehabt hat auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Der zuständige Ermittler hat dem Vernehmen nach schlicht übersehen, dass auf der langen Liste der betroffenen Bauprojekte auch das Atomlager in Neckarwestheim stand. Mit dem Kürzel GKN konnte er angeblich nichts anfangen. Statt sofort die staatliche Atomaufsicht zu alarmieren und damit für eine rasche und fundierte Überprüfung der Vorwürfe durch das Stuttgarter Umweltministerium zu sorgen, beauftragte er daher selbst in aller Ruhe zwei Sachverständige, die sich über die Zusammensetzung des angeblichen Betonschrotts beugten. Ein Fehler, der passieren kann und der zum Glück ohne Folgen blieb.
Gravierender ist die Klage des Vorsitzenden der deutschen Prüfingenieure. Laut Hans-Peter Andrä zerbröseln auch die hohen Baustandards hierzulande, und zwar unter dem Kostendruck des Wettbewerbs. Die Klage mag übertrieben sein. Der Staat sollte sie dennoch ernst nehmen. Auf Glück allein darf er sich im Baubereich nicht verlassen.