Stuttgart - Was er in Mathematik und Physik für
Schulnoten hatte? Darüber schweigt Frank-Walter Steinmeier lieber.Nichtsdestotrotz bezeichnet sich der Außenminister als „technikbegeistert“. Ein bisschen davon hat er beim Ideenpark zu sehen bekommen.
Wenn Prominente bei Messen auftauchen, gibt es dafür stets ein untrügliches Zeichen: Es bildet sich eineMenschentraube mit persönlichen
Mitarbeitern und anderen mehr oder weniger wichtigen Zeitgenossen. Irgendwie schiebt sich dieser Pulk, begleitet von TV-Kameras, dann voran – stets umgeben von einer Armada an Leibwächtern, den den Gast kokonhaft abschirmen und allzu neugierigen Zaungästen durchaus mal einen Rippenstoß versetzen, wenn sie nicht schnell genug Platz machen.
Genau so ist es auch am Donnerstag, als SPD-Vizekanzler Steinmeier den Ideenpark besucht. In den Gängen herrscht bereits dichtes Gedränge, als der Gast aus Berlin eintrifft. Ein kurzes Gespräch mit Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz, dann beginnt der Rundgang. Wo sich Familien mit Kindern in den Wartezonen die Füße in den Bauch stehen und in den überfüllten Hallen kaum ein Durchkommen ist, wird der Tross um Steinmeier durchgeschoben. Mal lässt er sich die Entstehung von Stahl erklären, mal bekommt er Tunnelbohrmaschinen erklärt.
Er inspiziert eine PC-Maus, die man mit dem Fuß bedienen kann.Und er erfährt, warum der Strom nicht nur aus der Steckdose, sondern auch aus der Jacke kommen kann: Solarzellen an den Ärmeln machen’s möglich, dass kein Handy unterwegs ausgeht.
Steinmeier hört zu, fragt nach – alles im Sauseschritt, weil nicht wirklich Zeit ist. Irgendwann muss der Rundgang abgekürzt werden. Aber der Gast weiß, was die Fotografen von ihm erwarten. Hier ein Lächeln, dort ein Blick über die Schulter von neugierigen Kindern. Vor allem ein Motiv dürfte ganz nach seinem Geschmack sein. Am Stand der Technischen Universität Freiberg greift er zu einem überdimensionalen Hammer und lässt ihn auf eine Metallplatte herniedersausen.
Die Forscher freuen sich über hohe Schallwellen. Staatsminister Willi Stächele, der Steinmeier begleitet, bemerkt trocken: „Ein Minister mit hoher Schlagkraft.“ Ja, das sind die Bilder, die zeigen, dass der 52-jährige Steinmeier beliebt und durchsetzungsfähig ist. Und nicht ohne Grund als potenzieller Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2009 gilt. Allein am Faktor Bekanntheitsgrad müssen seine Mitarbeiter noch feilen. „Guck mal, da läuft der Finanzminister“, ruft eine Frau, als der Tross vorbeirauscht. Aber es ist nicht Steinbrück.
„Mensch, das ist doch der Scholz“, sagt ein anderer, als der Pulk sich Richtung Ausgang bewegt. Nein, auch der Arbeitsminister ist es nicht. Der war tags zuvor im Ideenpark. Mit einem ähnlichen Rummel.