Stuttgart - Seit zwei Jahren bietet Stuttgart-Marketing digitale Taschencomputer zum Verleih. Per Satellitennavigation kann man mit diesen Touristenführern die Stadt individuell erkunden. Das führt zu überraschenden Begegnungen – zumindest, wenn man sich auskennt.
Für einige Stunden bin ich Fremder. Als würde ich keinen Fleck von Stuttgart kennen, marschiere ich in die Touristen-Information i-Punkt auf der Königstraße. Das Ziel: Der digitale Stadtführer Stuttgart2Go soll auf Herz und Nieren, Pardon, Chip und Bite getestet werden. Schickt das Gerät Touristen etwa in die Irre? Und: Kann auch der Einheimische damit noch was lernen?
Der Auftakt ist unkompliziert. An der Theke erklärt mir die freundliche junge Dame die Modalitäten. Vier Stunden kosten fünf Euro, als Sicherheit muss man hundert Euro hinterlegen. Noch schnell ein Formular ausgefüllt, und ich halte das sogenannte PDA samt Kopfhörern und "zur Sicherheit" eine Kurzanleitung in Händen. Das schwarze Ding ist kaum größer als ein Handy, verfügt über einen Bildschirm und einen schwarzen Stift, mit dem man die verschiedenen Funktionen anwählt.
Also Kopfhörer auf und los. Zunächst mal passiert – nichts. Also doch ein verstohlener Blick in die Broschüre. Nach ein paar Klicks springt die Kiste an. Mir eröffnet sich die Auswahl aus Stadtplänen, Radtouren und Spaziergängen. Ich wähle den kleinen Stadtrundgang über 3,1 Kilometer. Auf in den Schlossgarten. Kilometer 0,0. Von nun an sind zwei Symbole meine festen Begleiter: der große schwarze Pfeil, der die Richtung anzeigt, und sein kleiner grüner Bruder, der meinen Standort auf dem Stadtplan markiert. Wie sich schnell zeigt, sind sich die beiden nicht immer einig. Lässt man sich per Klick Sehenswürdigkeiten erklären, ist der schwarze Pfeil danach etwas desorientiert. Ich versuche, in der angezeigten Richtung rückwärtszugehen und lande um ein Haar im Eckensee.
Überhaupt sollte man nicht immer nur auf das Kästchen in der Hand starren. Die Gruppe südkoreanischer Touristen, in die ich auf dem Schlossplatz presche, kann ein Lied davon singen. Dafür sind die Herrschaften sehr an meinem PDA interessiert und machen Fotos von mir. Ich versuche, ihnen zu erklären, dass die beiden Springbrunnen aus dem Jahr 1863 stammen und in Wasseralfingen gegossen worden sind. Die Südkoreaner lachen freundlich.
Wer historisch interessiert ist, lernt viel beim Rundgang. An Gebäuden und Plätzen gibt es auf Knopfdruck Informationen. Da staunt auch der Stuttgarter. Wer wusste schon, dass am Fuß der Merkursäule an der Alten Kanzlei das Kosakenbrünnele fließt, das nach den Reitern benannt worden ist, die dort nach dem Feldzug gegen Napoleon im Jahr 1814 ihre Pferde tränkten.
Kilometer 1,0. Man kommt schnell mit anderen ins Gespräch. "Was suchst du? Das hier sollte die Dorotheenstraße sein", erklärt mir eine Schweizer Familie, die ebenfalls mit PDA unterwegs ist. Ob die Orientierung klappt? "Es geht so." Mein schwarzer Pfeil spielt verrückt. Ich beschließe, ihm den Rest zu geben, und gehe im Kreis. Er bewegt sich nicht mehr. Auf den kleinen grünen Bruder ist jedoch Verlass. Er bringt mich zu Marktplatz, Calwer Straße und Königsbau.
Versunken ins Display trete ich in einen Kaugummi, der mich bis Kilometer 3,1 begleitet. Zurück am i-Punkt. "Hat alles funktioniert?", fragt die höfliche Dame. Doch, ja. Zumindest, wenn man sich ein bisschen auskennt, kann Stuttgart2Go Spaß machen. Speziell Einheimische, die Karten lesen können und einen gewissen Hang zur Technik haben, können mit dem Taschencomputer noch einiges über ihre Stadt lernen.