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Ingenieurinnen

Auf Augenhöhe

15.06.2008 - aktualisiert: 15.06.2008 14:22 Uhr

Ingenieurinnen
Kind und Karriere - gerade für Ingenieurinnen oft ein Problem.
Foto: dpa

Ungenutztes Potenzial
 

Stuttgart - Einfach haben sie es nicht. Laut einer Studie des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg sind in Deutschland die Berufschancen von Ingenieurinnen schlechter als die ihrer männlichen Kollegen. Das wird beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bestätigt. "Wir haben eine eigene Studie durchgeführt und festgestellt, der Unterschied ist noch groß", so Martina Offermanns, Leiterin Abteilung Karriere. "Zwar ist die Arbeitslosigkeit bei Ingenieurinnen gesunken, aber sie ist immer noch doppelt so hoch. Bei den Männern kann man mittlerweile von Vollbeschäftigung sprechen, und je höher man kommt in den Führungspositionen, umso gravierender wird es."

Angesichts des Fachkräftemangels sei unverständlich, dass es Frauen in technischen Berufen immer noch schwerer hätten. Da liege ungenutztes Potenzial brach, so Offermanns. "Wir setzen uns dafür ein, dieses zu nutzen, auch den Wiedereinstieg von Frauen zwischen 35 und 40 zu fördern, individuelle Einführungen zu geben. Nur eine Woche Bewerbungstraining bringt hier nichts." Auch von anderen Experten wird der Ingenieurmangel bezweifelt und eher als "Engpässe" bezeichnet. Denn auch Ältere finden grundsätzlich schwerer einen Job, so IAB-Direktor Joachim Möller. Fast 40.000 Ingenieurinnen arbeiteten zudem nicht in ihrem Fachgebiet, sondern in anderen Bereichen - oder als Hausfrauen.

Mehr Selbstsicherheit rät VDI-Frau Offermanns den Frauen, was Verhandlungen zum Thema Kind und Karriere angeht. "Wir haben erst Gleichberechtigung, wenn es normal ist, dass ein Arbeitgeber bei einem Mann genauso einberechnen muss, dass er in Elternzeit geht." Interessant sei, dass in der VDI-Studie viele angehende Ingenieure erklärten, sich später auch um die Kinder kümmern zu wollen. Wenige Firmen seien darauf vorbereitet. Und in manchen Firmen gerate es Männern zum Nachteil, wenn sie Väterzeit nehmen. "Viele Personaler allerdings sind sich längst im Klaren, dass sich Fachkräfte in Zukunft familienfreundliche Firmen als Arbeitgeber aussuchen werden."

Das weiß man auch beim Maschinenbaukonzern Trumpf in Ditzingen. Dort gibt es eine Kooperation mit dem städtischen Kindergarten: die Kleinkinder der Mitarbeiter werden ganztägig betreut, die Arbeitszeiten sind sehr flexibel, und es gibt Teilzeitmodelle. "Das gilt auch im Bereich der Führungskräfte", sagt Personalchef Gerhard Rübling. Gerne würde er mehr Frauen einstellen, doch es gebe nicht genug Bewerbungen: "Die Ingenieurinnen bei uns bilden die Frauenquote der Studiengänge ab. Bei der IAB-Studie muss man differenzieren, um welche Art von Ingenieurstudium es sich handelt. Wir qualifizieren um - aber wir können wenig mit einer Bergbauingenieurin anfangen." Um in Zukunft mehr Frauen in technischen Berufen zu haben, hat Trumpf die "Wissensfabrik" mitinitiiert: dabei werden schon Grundschülerinnen mit Techniken wie Lasermaschinen bekanntgemacht.
 

StZ/StN