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Leonard Cohen in Lörrach

"Du dam-dam-dam, du dam-dam"

Leonard Cohen in Lörrach
Foto: dpa

Unser Mann fürs Poetische: Leonard Cohens vorerst einziges Deutschlandkonzert in Lörrach
 

Lörrach - "Good night, my darling, I hope you're satisfied!", knurrt der Mann mit diesem unerhörten Bassbariton. Wie so oft an diesem Abend zieht er seinen Hut, breitet seine Arme aus und scheint jedem Einzelnen der 5000 Fans auf dem Lörracher Marktplatz tief in die Augen zu schauen, wenn er sich mit "I Tried To Leave You" verabschiedet.

Als sich der Bluesshuffle tiefer und tiefer in die Nacht gräbt, erzählt Leonard Cohen davon, wie schwer es ist, eine Liebe über viele Jahre aufrechtzuerhalten, verspricht aber, sich weiterhin alle Mühe zu geben: "Here's a man and he's still working for your smile" singt er und genießt grinsend den Applaus.

15 Jahre war Leonard Cohen nicht mehr auf Tour, und doch ist er nun 73-jährig auf die Bühnen zurückgekehrt und hat am Freitag beim Stimmen-Festival in Lörrach sein vorerst einziges Deutschlandkonzert gegeben. Das Abschiednehmen liegt dem kanadischen Songpoeten offensichtlich nicht. Auch nicht an diesem Abend. Drei Stunden dauert der Auftritt des Mannes, der im März in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen wurde. Ob "I'm Your Man" oder "Suzanne" - kaum einen der Hits, die Cohen seit Ende der sechziger Jahre geschrieben hat, lässt er mit seiner neunköpfigen Band aus. Und noch immer betören diese "Songs Of Love And Hate" - so der Titel eines Cohen-Albums von 1971 - mit einer durchdringenden Poesie, die Schwermut und Verlangen, Spiritualität und Bitterkeit miteinander verbinden.

Raffiniert inszeniert Cohens Musical Director Roscoe Beck das Repertoire der Show, lässt Songs wie das düstere "The Future" oder das melancholische "The Gypsy's Wife" aus einem filigranen Geflecht aus Neil Larsons Hammondorgel und Javier Mas' Bandurria-Gitarre entstehen. Mal verwandelt sich die Band in eine 80s-Popcombo ("Ain't No Cure For Love"), mal in eine Wiener Schrammelkapelle ("Take This Waltz"), mal wird groovend mit dem Soul ("Boogie Street"), mal rockig mit dem Country ("Closing Time") geflirtet.

Zwar verliert sich hin und wieder die musikalische Inszenierung im Atmosphärischen. "So Long Marianne" verkommt dadurch fast zur Schunkelnummer, und bei "Hallelujah" überdeckt die gospelhafte Inszenierung die Brüchigkeit dieses Song-Meisterwerks. Doch meistens gibt es beim Auftritt in Lörrach empfindungsreich-pointierte Versionen der Cohen-Klassiker zu hören. Das seltsam entschleunigte "Bird On The Wire" zum Beispiel, das der zweite Gitarrist Bob Metzger mit raffinierten Blueslicks verziert. Oder "Who By The Fire", das sich aus einem Flamenco entfaltet.

Cohen genießt den Auftritt offensichtlich, sorgt dafür, dass seine Musiker nach jeder Soloeinlage beklatscht werden, albert mit den Backgroundsängerinnen herum und versetzt seine Lieder mit Selbstironie. Wenn er etwa in "Tower Of Song" wieder mal den selbstmitleidigen Alleinunterhalter mimt ("Well my friends are gone and my hair is grey / I ache in the places where I used to play") und den Applaus nach seinem Einfinger-Synthesizer-Solo mit dem sarkastischen "Thank you, music lovers!" kommentiert.

Während er seine Sängerinnen am Ende der Nummer dazu nötigt, in einer Endlosschleife "Du dam-dam-dam, du dam-dam" zu singen, behauptet Cohen, dass er endlich den Sinn des Lebens kenne. Nach einigem Zögern verrät der Songwriter und Dichter, der sich in den Neunzigern eine Zeit lang in ein buddhistisches Kloster zurückgezogen hatte, um sich der Zen-Meditation zu widmen und seither als Mönch den Namen Jikan (der Stille) tragen darf, die Antwort auf das große Mysterium der Existenz laute: "Du dam-dam-dam, du dam-dam."


  • Im Oktober kommt Leonard Cohen noch einmal nach Deutschland. Karten für die Konzerte in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg und Oberhausen unter 0 18 05 / 5700 70

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    Gunther Reinhardt

    28.07.2008 - aktualisiert: 29.07.2008 09:11 Uhr

     



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