Immer mehr Briten glauben, dass die Doppelbelastung der Mutter der Familie schadet
London - Die Briten kehren dem größten Lebenstraum vieler Frauen den Rücken: Offenbar sind immer mehr Familien mittlerweile der Meinung, dass ihr Miteinander und Glück leidet, wenn Mütter berufstätig sind. Für Deutschland sagen Forscher einen ähnlichen Stimmungsumschwung voraus.
War das Kinderkriegen ohne Karriereknick in den letzten Jahrzehnten Wunsch, Sorge und Ziel von Millionen, so ist die Mehrheit heute der Meinung, dass Familien berufstätiger Mütter unter der Doppelbelastung leiden. Die Forschungsergebnisse der Soziologin Jacqueline Scott sind Sprengstoff im ewigen Kampf zwischen berufstätigen Müttern und jenen, die ausschließlich Chefin ihres "Familienbetriebs" sind. Bis die Debatte in Deutschland ankomme, sei es nur eine Frage der Zeit.
"In den Achtzigern standen die Briten hinter der Gleichberechtigung, in den Neunzigern sehen wir dann bei den Einstellungen zur Emanzipation einen Höhepunkt", fasst Scott die letzten drei Dekaden zusammen. "Mittlerweile schleichen sich aber Zweifel ein, ob Frauen Kinder und Job kombinieren können." In den USA macht sich die Trendwende sogar noch stärker bemerkbar: Dort ist die Zahl der Befürworter dieses Lebensmodells sogar um 13 Prozentpunkte gesunken.
In Deutschland könnte sich ebenfalls bald Ernüchterung breit machen. Bisher ist die Zahl jener, die sagen, Familie und Job ließen sich gut vereinbaren, stetig gewachsen - zuletzt auf 37 Prozent. "Doch die drei Länder befinden sich nur in unterschiedlichen Stadien, was ihre Haltung zur Geschlechtergleichheit angeht", vermutet Scott. "Die Deutschen haben sich langsamer von traditionellen Vorstellungen gelöst und werden mit den Reaktionen auf arbeitende Mütter später konfrontiert werden." Ihr Fazit ist vernichtend: "Der Gedanke, dass es gern gesehen wird, wenn Frauen im Job aktiv sind und sich von ihrer Heimchen-Rolle lösen, ist ganz klar ein Mythos." Ihre neue Rolle in der Berufswelt werde immer häufiger mit den Nachteilen für Kinder, Partner, aber auch die Frauen selbst verbunden.
"Die Meinungen verändern sich, nun, da der Glanz des Super-Mami-Syndroms langsam nachlässt", ergänzt Scott. "Viele sehen es mittlerweile als unmöglich an, dass Frauen stressige Jobs jonglieren und abends noch Gute-Nacht-Geschichten vorlesen." Sie warnte Frauen jedoch davor, zu glauben, das Spiel sei vorbei: "Die Platzbedingungen für Männer und Frauen sind immer noch unterschiedlich."
Erstaunlicherweise freuen sich Konservative wie auch Frauenrechtlerinnen gleichermaßen über die Ergebnisse. "Die Studie zeigt, dass die Versuche, Frauen in Jobs zu bugsieren, die von Männern für Männer gemacht worden sind, fehlschlagen", argumentiert die Fawcett-Gesellschaft. Andere verweisen darauf, dass Frauen, die trotz Berufstätigkeit immer noch die Hauptlast von Haushalt und Kindererziehung tragen, vor einem "unmöglichen Lebenskonzept" stehen. In Großbritannien wurde die Babypause jüngst von neun Monaten auf ein Jahr ausgeweitet. Sechs Monate davon dürfen Mütter auf den Vater transferieren.
Jasmin Fischer, London
06.08.2008 - aktualisiert: 16.02.2009 11:18 Uhr
Lesermeinungen
12.08.2008 14:41
Autor: Ludwig Paul Häußner
Liebe Renate,
hier noch einmal für Dich.
Kusssssssssssss
Ludwig
11.08.2008 10:00
Autor: Ludwig Paul Häußner
Grundeinkommen als Lösung
Die Fremdbetreuung für Babys und Kleinkinder nimmt deshalb zu, weil die Familie nur durch die Erwerbsarbeit der Mütter das notwendige Familieneinkommen erzielen kann, von alleinerziehenden Müttern und Vätern ganz zu schweigen. Der Staat betrachtet die Erziehungsarbeit - mehr oder weniger - als Privatsache und ignoriert, dass Familien für ein Kind im Laufe seines Lebens rund 77.000 Euro mehr an Steuern wie auch Beiträgen in die Sozialkassen einzahlen, als sie vom Staat zurückbekommen. Damit haben wir den täglichen Verfassungsbruch im Hinblick auf Artikel 6 unseres Grundgesetzes.
Die Gründung einer Familie stellt in der deutschen Gesellschaft das größte Armutsrisiko dar. Was Wunder, dass Deutschland eine der niedrigsten Geburtenraten hat - bei 124.000 gemeldeten Abtreibungen im Jahr 2005.
Die Forderungen nach »Muttergehalt« oder »sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt« (aktuell durch Christa Müller - Lafontaine-Gattin - von der Partei DIE LINKE in www.faz.net. vom 27.6.2007 erhoben) lösen das Problem nicht an seiner Wurzel. Ein Erziehungsgehalt, wie auch das in 2007 eingeführte Elterngeld (ohnehin aus unterschiedlichen Gründen ungerecht) knüpfen noch immer an der bezahlten Erwerbsarbeit - der bereits 1973 zu Ende gegangenen Industriegesellschaft - an (Daniel Bell: Die nachindustrielle Gesellschaft).
Aus meiner Sicht würde das Dilemma aus unbezahlter Familienarbeit oder bezahlter Erwerbsarbeit nur durch ein bedingungsloses Grundeinkommen als Grundrecht lösbar werden. Schon 1986 forderte der Soziologe Ralf Dahrendorf: "Das garantierte Mindesteinkommen ist so notwendig wie die übrigen Bürgerrechte, als die Gleichheit vor dem Gesetz oder das allgemein, gleiche Wahlrecht." Es fundiert das in Artikel 6 unseres Grundgesetzes verankerte Elternrecht finanziell und stärkt die Eltern in ihren Gestaltungsmöglichkeiten im Hinblick auf Erziehungsarbeit, Familienarbeit, Lernarbeit und Erwerbsarbeit. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen würde eine psychosoziale Gesundung für unsere Gesellschaft eingeleitet.
Mehr Informationen unter: www.unternimm-die-zukunft.de
Ludwig Paul Häußner, Universität Karlsruhe (TH) - IEP
08.08.2008 17:20
Autor: Michael Bloch
Danke für diesen tollen Artikel! Wenn man die Folgen der rasant steigenden Müttererwerbstätigkeit für unser aller Zukunft sieht, kann einem schwarz vor Augen werden:
Zum einen sind zur Bestandserhaltung eines Volkes mehr als zwei Kinder pro Frau nötig, sonst brechen alle sozialen Sicherungssysteme in wenigen Jahren in sich zusammen, und wir werden eine seit dem 30jährigen Krieg nicht mehr gekannte Altersarmut erleben. In den Ländern mit erwerbstätigen Mütter liegt die Geburtenrate weit darunter, weil sich eben eine ausreichende (!) Kinderzahl und Berufstätigkeit nicht vereinbaren lassen.
Und dass heute bereits jedes zweite Grundschulkind aufgrund fehlender familiärer Erziehung kaum noch schulfähig ist, muss auch alarmieren: kollektive Kinderaufbewahrung kann Familienerziehung nicht ersetzen!!
Unser Land hat nur dann eine Zukunft, wenn die Kindererziehung endlich als vollwertige Arbeit anerkannt wird, d. h. die erziehende "Familienmanagerin" dieselbe Anerkennung und den selben Lohn erhält wie eine erwerbstätige Frau. Es geht hier wirklich nicht um Ideologien, sondern um unser aller Zukunft. Es ist eine Minute voz zwölf!