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Neckar

Party auf dem Floß

19.08.2008 - aktualisiert: 19.08.2008 15:45 Uhr

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Stuttgarts erstes Partyfloß in der Werft in Remagen
Foto: StN

Füße hoch und los geht's: "Denkmal" für den Neckar
 

Stuttgart - Der Flößer ist ein Beruf, der in unseren Breiten ausgestorben schien. 1899 brachte das letzte Floß auf dem Neckar seine Waren nach Bad Cannstatt. Doch nun kehren Holzbalken zurück - zum Partymachen! Füße hoch und los geht's: Am Samstag startet das Partyfloß nach der feierlichen Taufe zur Jungfernfahrt mit Fassbier und Grillwurst.

Feiern auf schwankendem Boden ist in Stuttgart beliebt. Seit Jahren dienen die Partyschiffe des Neckar-Käpt'n festlich gewandetenen Hochzeitsgesellschaften ebenso wie Veranstaltern von Techno- und Schwulenpartys. Selbst ein Swingerclub hat schon die Rundfahrt auf dem Neckar gemietet.

Jetzt kommt ein neuer schwimmender Festplatz dazu: Auf dem eigens für den Neckar-Käpt'n gebauten Partyfloß haben bis zu 200 Personen auf einer Ebene Platz. Wolfgang Thie, der Geschäftsführer der Neckar-Personen-Schifffahrt, hat sich "schon seit langem" ein Fahrzeug gewünscht, "das ohne Anlegepiers auskommen kann, um einmal mitten im Fluss still zu liegen".

Wie einst Tom Saywer und Huckleberry Finn kann man sich nun auf dem historisch anmutenden Floß treiben lassen, die Aussicht vom hölzernen Grund aus genießen und sich ganz nah der Natur fühlen.

Eigentlich sollte es schon im Juli losgehen. Verzögerungen in der Werf in Remagen sorgten dafür, dass Stuttgarts erstes Partyfloß erst jetzt mit Verspätung die Anlegestelle Wilhelma erreicht. Die Jungfernfahrt beginnt am kommenden Samstag um 11.55Uhr für geladene Gäste und Stadt-Vips - um 14 Uhr folgt eine Fahrt für alle.

Warum hat Wolfgang Thie ein Floß bestellt und nicht ein weiteres Schiff? Der Chef des Neckar-Käpt'n stammt aus einer alten Schifferfamilie. "Meine Eltern und Großeltern kannten noch Zeiten, in denen Schiffe auf den Flüssen getreidelt, gestakt und gesegelt wurden", sagt Thie, "später dann von Schleppern zu Berg geschleppt wurden." Die Tradition geht aber noch weiter zurück auf die Zeiten der Flößerei.

Wege und Straßen waren in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert schlecht ausgebaut. Das Holz wurde auf Flößen transportiert - Ende des 19. Jahrhunderts übernahm die Eisenbahn diese Transporte nach und nach. Thie: "Mit unserem Floß wollen wir dieser Tradition und der Bedeutung des Neckars als Wasserstraße ein Denkmal setzen."

Ein "Denkmal", das die Massen anlockt. Die Nachfrage, sagt Thie, ist sehr groß: "Nach unserer ersten Rundmail hatten wir bereits 80 Buchungen." Partygruppen können sich für 75 Euro pro Person anmelden - für diesen Preis kann man so viel essen und trinken wie man will. Wer 120 Personen mitbringt, hat das Floß für sich allein - ansonsten werden verschiedene Gruppen zusammengeführt. Das Floß - bei schlechtem Wetter lässt sich eine Plane über das halbe Deck ausfahren - kann auch für Firmenfeste und Veranstaltungen aller Art gemietet werden.

Auffällig an Deck sind zwei hohe Pfähle. Sie dienen als Stützpunkte für den Fall, dass beim Anhalten keine Anlegestelle angefahren werden kann. Die Ankerpfähle werden dann in den Flussgrund herabgelassen und verankern auf diese Weise das Floß.

Am Montag hat das Partygefährt die Werft in Remagen verlassen. Heute geht's um 9 Uhr von Heilbronn nach Besigheim. Für morgen, 18 Uhr, ist die Ankunft an der Anlegestelle Wilhelma geplant.

Das Bier fließt auf dem Floß. Auf dem Neckar schlägt's hohe Partywellen.

www.partyfloss.com
 

Uwe Bogen