Stuttgart - Weltweit beherbergen Zoos rund 100 Panzernashörner. 15 davon sind in der Wilhelma zur Welt gekommen. Der jüngste Spross der Stuttgarter Nashorndynastie hört seit 11. August auf den Namen Samir und ist nach kurzer Quarantänezeit jetzt an der Seite von Mutter Sani im Freigehege zu sehen.
Sarasvati, Shiva, Sahib, Shikari, Samir - drei Mädels , zwei Jungs innerhalb von acht Jahren. Was für eine Bilanz des mächtigen Panzernashornbullens Bruno. Wenn es darum geht, zusammen mit Kuh Sani einen Beitrag zur Arterhaltung zu leisten, ist auf ihn Verlass, Ende offen. Dabei ist Bruno schon 23 Jahre alt. Vor zwei Jahren, nach Shikaris Geburt, hieß es in der Wilhelma noch, "einmal muss noch ran".
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Weit gefehlt. Bruno erweist sich auch im Jahr 2008 als recht rüstiger Koloss, der den Avancen von Sani nur schwer zu widerstehen scheint. "Bruno darf solange er kann", sagt Wilhema-Tierarzt Wolfram Rietschel. Soll heißen: Da Panzernashornweibchen ihre Jungen im Schnitt 16 Monte lang austragen, wird - vorausgesetzt Sani und Bruno behalten ihren Rhythmus bei - 2010 wohl das insgesamt 16. Wilhelma-Nashörnle geboren.
Darüber, weshalb sich Bruno um Stuttgarts Nashorndynastie bisher bereits fünfmal verdient gemacht hat, lässt sich trefflich spekulieren. Liegt es tatsächlich nur an Sanis Charme, wenn sie ihm alle zwei Jahre per Harnausstoß signalisiert, dass sie ihn höchst attraktiv findet? Dieser Vorgang "erregt Nashornbullen", erklärt Tierarzt Rietschel das Balzverhalten bei Herrn und Frau Rhinozeros. Nach ein bisschen "Hin- und Hergejage" kommt es dann irgendwann zum Geschlechtsakt.
Förderlich für Brunos Drang sich fortzupflanzen ist womöglich auch die Umgebung, die er von Geburt an kennt. Als Nachkomme des einstigen Stuttgarter Zuchtpaars Puri und Nanda verbrachte er seine wilden Jahre im Kölner Zoo, ehe er etwas übergewichtig in die Wilhelma zurückkehrte.
Dass Samir zu einem ähnlich prachtvoller Bullen gerät wie sein Vater, ist nun aber allein Aufgabe von Mutter Sani. Bruno bleibt außen vor, denn indische Panzernashörner, so die korrekte Bezeichnung, sind Einzelgänger. Instinktiv halten sich Bullen von Jungtieren fern, auch wenn manch naseweises Nashornbaby zuweilen verhaltenes Interesse für seinen Erzeuger zeigt. Dieser den Panzernashörnern mitgegebene Wesenszug hat seinen Grund, denn allein wegen des Gewichtsunterschieds kann ein Zusammentreffen von Vater und Sohn für letzteren tödlich enden. Bruno etwa wiegt rund zwei Tonnen, Samir hingegen etwa 50 Kilogramm.
Das will schon deshalb niemand, weil es bei den bedrohten Dickhäutern auf jedes Exemplar ankommt. Nur rund 2300 Panzernashörner leben noch freier Wildbahn, etwa 2000 in Indien, der Rest im von Bürgerkriegen gebeutelten Nachbarland Nepal, der Heimat Sanis. Wilderei, die laut Rietschel wieder zugenommen hat, dezimiert den Bestand zusehends. "In erster Linie gilt es zum Schutz der Tiere die Wilderei zu bekämpfen." Die derzeit weltweit rund 100 Zoo-Nashörner bilden dabei "eine Art Reserve" fürs Auswildern, dies aber nur als letzte Option.
All dies muss Bruno, Sani und Samir nicht kümmern. In knapp zwei Jahren wird Sani wieder trächtig sein und Samir kurz vor der Niederkunft die Wilhelma verlassen müssen. Denn eine Nashornkuh kümmert sich immer nur um ein Junges; Nashorngeschwister lernen sich nicht kennen. So verzückt Samirs nächste Schwester Shikari seit kurzem die Besucher des Warschauer Zoos.
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