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Eurobike-Trends

Fahrrad auf dem Weg zum Auto-Ersatz

03.09.2008 - aktualisiert: 03.09.2008 15:08 Uhr

Fahrrad
Foto: dpa
Friedrichshafen - Fahrrad statt Dienstwagen? Kein Problem, sagt die Fahrradindustrie. Denn mit dem E-Bike können Manager entspannt ins Büro rollen, ohne dass sie verschwitzt in der Konferenz sitzen müssen. Der Elektromotor sorgt dafür, dass auch bei Steigungen die Puste nicht ausgeht.

Das Zweirad mit dem Kunstnamen Pedelec (aus "pedal", "electric" und "cycle") ist nichts für Bequeme. Der Motor springt erst an, wenn der Radler in die Pedale tritt. Der Schub wird nur zugeschaltet. Bei 25 Stundenkilometern ist allerdings Schluss, sonst wäre der Flitzer anmeldepflichtig. Die Batterie reicht etwa 50 Kilometer. Der Nachteil: Die E-Bikes sind mit rund 20 Kilogramm vergleichsweise schwer. Aber an der Gewichtsreduzierung des Akkus arbeiten die Tüftler bereits.

Für Branchen-Experte Gunnar Fehlau hat bei der Mobilität ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel begonnen. Er ist überzeugt, dass das Fahrrad und insbesondere das E-Bike auf Kurzstrecken dem Auto den Rang ablaufen wird. "Wer an der Tankstelle vorbeiradelt und die Benzinpreise sieht, der freut sich jetzt schon", meint er. "Auch der Arzt ist zufrieden, weil der Patient etwas für die Gesundheit tut." Für alle, die fürchten, mit Elektroantrieb zur reiferen Generation gezählt zu werden, gibt es Entwarnung. "Ein E-Bike ist auf den ersten Blick gar nicht erkennbar." Auch Branchen-Fachmann Daniel Fikuart kann keinen "Touch von Reha-Bikes" ausmachen.

Noch ist der Anteil der E-Bikes am Gesamtmarkt mit 1,5 Prozent verschwindend gering. Aber die Verkaufszahlen steigen rasant: Wurden 2007 rund 65.000 E-Bikes abgesetzt, so sollen es in diesem Jahr schon 100.000 werden, hieß es am Mittwoch vor der Internationalen Fahrradmesse Eurobike, bei der von diesem Donnerstag an vier Tage lang 936 Aussteller in Friedrichshafen am Bodensee vertreten sind.

Auch für die Klientel, die mit eigener Muskelkraft ans Ziel kommen will, hat die Branche viele Neuheiten parat. Hoch im Kurs stehen dabei Komfort, Fahrspaß, schicke Optik und mehr Sicherheit. Das Zeug zum Renner hat nach Fikuarts Ansicht das "No-Problem-Reiserad". Das ist ein puristisches Fahrrad mit nur einem Gang. Und noch ein paar Tipps haben die Branchen-Kenner parat: Wer ölige Ketten leid ist, steigt auf Riemen-Antrieb um. "Kein Dreck, und die Riemen halten 25.000 Kilometer", sagt Fikuart. Die Industrie arbeite auch daran, Kette und Kabel stärker im Rahmen verschwinden zu lassen.

Wenn das Rad das Auto ersetzt, muss es auch Lastesel sein. Deshalb gibt es "Urban-Cargo-Bikes", die bis zu 30 Kilogramm transportieren können. "Der Großeinkauf ist kein Problem", sagen die Hersteller. Auf ihre Kosten kommen auch Nostalgiker. Das "Retro-Rad" sieht aus wie vom Großvater, hat aber moderne Komponenten. Wer es elegant mag, bekommt das Zwanziger-Jahre-Modell sogar mit Chrom und Leder. Auch für die Sicherheit tut die Branche immer mehr. Kräftigere Leuchten und Standlicht sorgen dafür, dass der Radler mehr sieht und besser gesehen wird.
 

dpa/lsw