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Obdachlose

Auf den Straßen von Beverly Hills

In Los Angeles County leben 88.000 Obdachlose, 30 davon auf den Straßen von Beverly Hills.
Foto: AP

Beverly Hills - Auch im Viertel der Reichen, Schönen und Berühmten findet sich Armut. Auf den Straßen des kalifornischen Prominentenviertels Beverly Hills gibt es 30 Obdachlose. Manche leben aber nicht schlecht von dem sie umgebenden Reichtum.

Touristen sehen von Beverly Hills nur exklusive Villen hinter hohen Zäunen und teure Sportwagen auf den Straßen. Neben den 35.000 wohlhabenden bis superreichen Bewohnern leben dort aber auch rund 30 Obdachlose in Parks, Bushaltestellen und Hauseingängen. Ihnen geht es allerdings besser als ihren Leidensgenossen in Los Angeles: Sie bekommen großzügig Geld zugesteckt, finden manchmal Schmuck auf der Straße und können in leerstehenden Häusern Unterschlupf finden.

Obdachlosigkeit ist für Los Angeles ein gewaltiges Problem. Rund 74.000 Menschen leben auf den Straßen der weitläufigen Metropole und damit mehr als in jeder anderen amerikanischen Stadt. "Obdachlosigkeit ist überall, sogar in Beverly Hills", sagte John Roberts, der Direktor der Organisation Path Partners, die sich um Arme kümmert. Die Obdachlosen in Beverly Hills haben allerdings einen Zugang zu wohlhabenden Menschen, den andere nicht haben. So fahren die Bewohner des Viertels in ihren Sport- und Geländewagen vor und bieten warme Mahlzeiten an, frisch gereinigte Designer-Kleidung und auch mal einen Aushilfsjob.

Manchmal ist es wie im Film

"Dies ist der beste Ort, an dem man sein kann", sagt Isaac Young, der schon seit 1992 in Beverly Hills auf der Straße lebt. Ein anderer Obdachloser, der sich nur als "Bond" vorstellt, erklärt, die Menschen hätten Mitgefühl mit den Armen, "und wir sind dankbar dafür". Und manchmal geschehen tatsächlich Dinge wie im Film. In "Zoff in Beverly Hills" aus dem Jahr 1986 nimmt ein reiches Paar einen Obdachlosen, gespielt von Nick Nolte, bei sich auf.

Ähnlich erging es Young, der in einem Park einen Wohltäter fand. Dieser erlaubte ihm, ein Jahr lang in einem leeren Haus im eleganten Benedict Canon zu wohnen. "Er sagte 'Hier ist deine zweite Chance'", erzählt Young, der zuvor schon auf dem Flughafen von Los Angeles und auf den Straßen von Hollywood lebte. "Ich konnte es nicht glauben."

Ein Paar aus Manhattan Beach habe ihm auch noch Möbel geschenkt. Young kann weder lesen noch schreiben, formuliert jedoch Gedichte im Kopf und trägt sie vor. Er bettelt noch immer für seinen Lebensunterhalt, hat aber nach Jahren als zwanghafter Spieler gelernt, Geld zu sparen und will sich nun eine eigene Wohnung suchen. Zurück in den Park, in dem er zehn Jahre lang schlief, will er auf keinen Fall.

"Man weiß nie, wen man treffen wird"

Solche Begegnungen sind es, die George, der seinen Nachnamen nicht nennen will, von einem Leben in Beverly Hills überzeugt haben. Seit 16 Jahren lebt er im Stadtteil. "Man weiß nie, wen man treffen wird", sagt er. So habe er einmal von Rod Stewart zehn Dollar geschenkt bekommen. Paparazzi und Mitarbeiter von Restaurants stellten manchmal ein Problem dar, wenn er vor Promilokalen betteln wolle. Aber dafür bekommt er auch manchmal 100 Dollar geschenkt oder findet Schmuck, eine Videokamera oder sogar einen Anzug von Armani.

Von dem Anzug war George so begeistert, dass er ihn sogar zum Betteln trug. Allerdings nur so lange, bis er bemerkte, dass ihm das teure Kleidungsstück keinen guten Dienst erwies. "Man muss ein gewisses Aussehen haben, um Mitleid zu bekommen, schmutzig, etwas dumm", sagt George. Auch er bewohnte schon ein leerstehendes Haus, lag am Pool und trank die Hausbar leer. Als der Besitzer nach Hause kam, flüchtete George. "Ich habe nur die Gelegenheit genutzt, ich habe niemanden ausgeraubt."

Polizei sieht keine Probleme

Polizeisprecher Tony Lee kennt solche Zwischenfällen. Zumeist machten die Obdachlosen aber keine Probleme, erklärt er. Manchmal würden sie wegen kleinerer Diebstähle oder allzu aggressiven Bettelns festgenommen. Die Wohnungslosen würden dann für gewöhnlich 72 Stunden lang festgehalten und psychiatrisch untersucht. Wenn sie als harmlos eingestuft werden, kommen sie wieder auf freien Fuß.

Viele von ihnen sind geistig gestört. Die Stadt bemüht sich, ihnen Therapieplätze und Unterkünfte zu vermitteln, aber die meisten wollen lieber auf der Straße leben, wie Gemeindesprecherin Cheryl Burnett erklärte. "Bond" sagt, einige Obdachlose mieden Beverly Hills, weil sie nicht mit dem Reichtum dort konfrontiert werden wollten. "Man muss Respekt zeigen und darf sich nicht wie ein Idiot benehmen", sagt er. "Wenn man aussieht wie ein Wrack, rufen sie die Polizei. Wir sind die gehobenen Penner."
 

AP

15.10.2008 - aktualisiert: 15.10.2008 09:36 Uhr

 



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