
Berlin/Stuttgart - Der Börsengang der Deutschen Bahn wird wegen der anhaltenden Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit verschoben. Auswirkungen auf das Milliardenprojekt Stuttgart 21 soll das aber nicht haben.
Hat die Regierung mit der Verschiebung richtig gehandelt? ###
"Wegen der Verschiebung des Börsengangs sind keine negativen Auswirkungen für Stuttgart 21 absehbar. Das sind zwei getrennte Projekte", sagte der baden-württembergische Bundesratsminister Wolfgang Reinhart (CDU) am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung.
Auch der Vorsitzende der CDU-Landesgruppe im Bundestag, Georg Brunnhuber, warnte vor Schwarzmalerei. "Die beiden Dinge haben nichts miteinander zu tun." Brunnhuber, der Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Bahn ist, übte zugleich scharfe Kritik an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). "Die Kanzlerin und die Verantwortlichen in der Unionsfraktion ärgern sich, dass Herr Steinbrück das ohne Rücksprache verkündet hat."
Es sei falsch, wenn der Eindruck entstehe, der Börsengang sei auf unbestimmte Zeit verschoben. "Das ist allenfalls eine Frage von Tagen oder wenigen Wochen", so Brunnhuber. Ursprünglich sollte der erste Handelstag am 27. Oktober sein.
Wegen der anhaltenden Finanzmarkturbulenzen hatten Politiker zuletzt verstärkt eine Verschiebung des Börsengangs gefordert, da sie geringere Einnahmen befürchteten. Grundsätzlich hält die Bundesregierung weiter an dem Börsengang fest. "Der Börsengang der Bahn kommt. Wir werden das Vermögen des Bundes nicht zur Unzeit an den Kapitalmarkt bringen", verteidigte Steinbrück die Entscheidung.
"Sobald das Marktumfeld einen erfolgreichen Börsengang möglich macht, sind wir startklar. Die Weichen sind gestellt", fügte er hinzu. Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann sagte: "Die Bundesregierung hat das rote Signal der Finanzmärkte für einen Bahn-Börsengang im letzten Moment noch gesehen und eine Notbremsung eingeleitet. Das ist gut so."
Ursprünglich wollte die Bahn am ersten Handelstag 24,9 Prozent der Anteile ihrer Personen- und Güterverkehrstochter DB Mobility Logistics an die Börse bringen. Daraus waren Einnahmen von fünf bis acht Milliarden Euro erwartet worden.