Manchmal soll es ja helfen, Themen mit Leuten zu besprechen, die als eher unbeteiligt gelten. Es geht um Fußball, um Schiedsrichter. Also reden wir mal (wir gehen klischeemäßig vor) mit einer Frau. Frage: Muss nicht ein bisschen mehr Respekt sein auf dem Fußballfeld? "Respekt?", fragt sie und schüttelt den Kopf. "Da rennen 22 Kerle einem Ball hinterher, da johlen 50.000 Zuschauer, da sind Emotionen pur. Respekt? Kannst du da nicht erwarten!" Oder doch? Um diese Frage geht es schon immer, seit sich die 22 Kerle einen 23. dazu geholt haben, der das Treiben in geordneten Bahnen halten soll.
Am Montag geht es wieder darum. In München treffen sich in München Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und von Bundesliga-Vereinen auf der einen, und Vertreter der Schiedsrichter auf der anderen Seite. Der Runde Tisch war nötig geworden, weil das mit dem respektvollen Umgang zuletzt eher weniger gut klappte. Spieler beleidigten Schiedsrichter, Trainer stürmten das Spielfeld, Torhüter übten öffentlich Kritik. Da braucht es eine Aussprache. Ob's was bringt? Deutschlands Fußball-Kaiser jedenfalls meint, das Problem sei anders zu lösen. Mit einem Kartenspiel für Unverbesserliche. Die Farbe mit Erziehungseffekt: knallrot. Ein anderer Ansatz ist der Griff ins Portemonnaie. Doch bei Geldstrafen für Millionäre ist die Reue womöglich eher gering. Vor dem Treffen am Montag ist also nicht ganz klar, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist. Nur eins ist sicher: Die Sache hat zwei Seiten.
Es gibt schließlich Unparteiische, die betrachten ihre Pfiffe als unfehlbar. Solche Schiris, sagen dann Spieler und Trainer, provozieren die Wut der Akteure. Das mag sein. Doch wie sich die Wut darstellt, dafür ist immer noch jeder selbst verantwortlich. Vieles ist dabei ziemlich übertrieben - und gefährlich. Wer das nicht glaubt, kann sich auf den Sportplätzen der diversen Kreisligen rumtreiben. Oder in den Verbänden nachfragen. Allzu erstrebenswert scheint es nämlich nicht mehr zu sein, mit einer Pfeife auf dem Rasen zu stehen. Vor allem dann nicht, wenn man um seine Gesundheit fürchten muss. Das Schema in den Stadien funktioniert ähnlich: Die Theatralik der Spieler wiegelt Kollegen und Zuschauer auf, die Wut vervielfacht sich, der Mann mit der Pfeife steht immer mehr unter Druck, macht eher Fehler - und das Spielchen beginnt von Neuem. Dazu kommt die Wirkung der Fernsehbilder. Wenn jeden Samstag Bundesligaprofis auf Schiedsrichter zusprinten wie ein Stier aufs rote Tuch, schlägt solch ein Verhalten durch - bis ganz nach unten.
Es geht also um Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Klar ist: Ein Spiel ohne Emotionen ist so prickelnd wie stilles Mineralwasser. Große Gefühle - auch negative - dürfen sein. Aber irgendwann ist es gut damit. Es ist schon richtig, wenn mehr Respekt gefordert wird. Andere Sportarten sind den Kickern da meilenweit voraus. Doch vor allem muss ein Dialog stattfinden, nicht nur auf dem Platz. Schiedsrichter brauchen Verständnis für den Job der Spieler, von denen viele Leute viel erwarten. Aber umgekehrt gilt das noch viel mehr. Denn so sehr mancher Spieler den Referee auch verteufelt - ohne ihn geht es nicht. Und Fehler macht eben jeder. Modernste Technik würde zwar manchen Konflikt entschärfen - wie das sinnvoll aber von statten gehen soll, kann derzeit aber kaum einer stimmig beantworten.
Sollen Szenen wie die von den vergangenen Wochenenden künftig nicht mehr zu sehen sein, braucht es ein Einlenken beider Seiten. Spieler und Trainer sollten sich in ihren Reaktionen zügeln - auch, wenn es mitunter schwer fällt. Und die Unparteiischen sollten endlich ihre immer noch weit verbreitete Scheu ablegen, Fehler einzugestehen und sich sachlicher Kritik stellen. Tritt beides ein, könnte es klappen mit dem respektvolleren Umgang auf dem Fußballplatz - auch wenn nicht jede(r) daran glaubt.
Dirk Preiss
14.11.2008 - aktualisiert: 14.11.2008 16:50 Uhr
Lesermeinungen
18.11.2008 12:54
Autor: Wolfgang "wo!!e" Kurz
Respekt?
Wenn kein Spieler auf dem Feld mehr einen Fehler oder gar ein Foul begeht, dann, ja dann wird auch kein Schiri mehr falsch pfeifen.
Respekt !!!
16.11.2008 21:17
Autor: Ernst Tschürtz
Dirk Preiss spricht mir in seinem Artikel zu 90% aus der Seele.
Seinem Argument, dass die Situation durch den Einsatz von moderner Technik nicht grundlegend verbessert werden könne, kann ich aber nicht folgen.
Der Videobeweis, so wie er inzwischen in verschiedenen Profi-Sportarten wie Tennis, American football, Baseball, Volleyball u.a.m. praktiziert wird, beweist eindeutig, dass der Mensch als Schiedsrichter einfach überfordert wird.
Falsche Entscheidungen der Schiedsrichter in den Fußballbundesligen führen von Woche zu Woche zu mehr Provokation, groben Fauls, Schauspielereigenschaften und Zeitschindereien der Spieler. Sie belasten die Qualität des Spiels und auch das Verhältnis der Schiedsrichter zum Spiel, Trainer, Zuschauer und umgekehrt. Nicht zuletzt entscheiden sie über Sein oder Nichtsein eines Vereins.
Der Videobeweis ist eigentlich nur ein Hilfmittel um die beschriebene Situationen zu verbessern und mehr Gerechtigkiet und Fairness in unserem geliebten Fußballspiel zu erreichen.
Es muss ja auch nicht gleich das ganze Spielfeld überwacht werden. Für den Anfang und aus Kostengründen könnte mit der Überwachung des Sechzehnmeter- und Torraums begonnen werden, denn da spielen sich die meisten Ungereimtheiten ab. Eigentlich wäre die jetzige Zeit für diese Investitionen geeignet, zumal einige Stadien gerade renoviert und eines neu gebaut wird.
Ein weiteres Thema:
Warum wird eigentlich die aktive Spielzeit in den Stadien nicht über die Stadionuhren gesteuert und angezeigt - wie z.B. beim Handball, Eishockey u.a? Bei einer Spielunterbrechung wird die Uhr durch den Schiedsrichter angehalten und wenn die Akteure wieder spielen können, wollen oder dürfen, wird die Uhr vom Schiedsrichter wieder in Gang gesetzt. Nach 90 Minuten Echtspielzeit ist dann Schluss!
Das leidige Thema Schauspieler- und Zeitschinderei durch die Spieler und Trainer würde damit positiv beeinflusst und die heutige Möglichkeit der Schiedsrichter, so lange nachspielen zu lassen - bis ein bestimmter Verein gewinnt bzw. Meister wird, wäre auch geregelt. Da war doch mal was!!??
15.11.2008 15:00
Autor: Zentmaier, Volker
Schiedsrichter, Trainer und Spieler sind Menschen wie Du und ich also nicht unfehlbar. Ein Trainer hat auch die Aufgabe auf seine Spieler vor und während einem Spiel mäßigend gegenüber dem Schiedsrichter einzuwirken? Natürlich gehören Emotionen zum Fußballspiel, dies sollte sich aber bei der Laufarbeit mit oder ohne Ball bzw. durch die Körperspannung zeigen. Aber sind wir einmal ehrlich, wenn wir immer wieder verbal kritisiert werden, dann bleiben wir auch nicht mehr, selbst wenn wir es wollen, neutral. Die vermeintlichen falschen Entscheidungen treffen oft beide Parteien und gleichen sich aus. Im großen und Ganzen sind die Entscheidungen korrekt. Ein nachgewiesenes Abseits (Fernsehbilder in Superzeitlupe) wegen 30cm ist nicht angebracht um ein Schiedsrichtergespann an den Pranger zu stellen. Schiedsrichter bekommen nur dann Probleme, wenn sie unsicher sind bzw. sich beim verbalen Umgang mit den Spielern und Trainern nicht genügend Respekt verschaffen. Warum gibt es so wenig Schiedsrichter im Profibereich die selbst in höheren Fußballklassen gespielt haben? Die ehemaligen Spieler wissen alle, dass es sehr schwer ist allen gerecht zu werden. Manche Regeln machen allerdings keinen Sinn und heizen nur unnötig die Emotionen an. Hier müssen sich die Verbände Kritik gefallen lassen. Ein Beispie: Es macht keinen Sinn bei Abseits einen Spieler einem Ball hinterherrennen zu lassen um dann bei Berührung des Balles Abseits zu pfeifen? Ich bin und war noch nie Schiedsrichter höchstens bei den "Kleinen" Bambinis und bei F-Jugendlichen. An diesen Jugendspielern können sich viele aktive Spieler ein Beispiel nehmen die akzeptieren Entscheidungen ohne provozierende Bemerkungen. Bei denen stimmt noch der Respekt gegenüber dem Unparteiischen.