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Enkeltrick-Serie

Bandenchefs hinter Gitter

Stuttgart - Sie geben sich am Telefon als angebliche Verwandte aus, täuschen eine Notlage vor und ergaunern die Ersparnisse älterer Menschen. Eine Bande von Enkeltrick-Betrügern, die im Raum Stuttgart 120.000 Euro erbeutet haben, ist nun von der Polizei zerschlagen worden. Die 24 und 30 Jahre alten Chefs, Angehörige einer ethnischen Minderheit, sitzen in Untersuchungshaft.

Die 67-jährige Ludwigsburgerin glaubte ihre Schulfreundin Helga am Apparat. Und sie war im Laufe des Gesprächs fest davon überzeugt, ihr aus der Patsche helfen zu müssen. Sie ließ sich mit dem Taxi zur Bank fahren, um schnell 30.000 Euro abzuheben. Ein angeblicher Herr Maier holte das Geld ab, das sie schnell wieder zurückbekommen sollte. Doch Herr Maier und die angebliche Helga waren Trickbetrüger, die bundesweit ältere Opfer abzocken.

20 Fälle hat es zwischen Juli und September allein in Stuttgart gegeben. Zu den 30.000 Euro der Ludwigsburgerin kamen noch 90.000 Euro Beute dazu. Die Täter gaben sich, je nach Reaktion der 66 bis 88 Jahre alten Opfer, als Neffe oder Enkel oder Bekannte aus.

In manchen Fällen war auch eine Frau am anderen Ende der Leitung. Die jüngste Welle der Enkeltricks, die es seit 2001 gibt, rollte auch in Hessen und in der Schweiz. In Aarau gab eine gutgläubige Rentnerin umgerechnet 221.000 Euro her.

Auf die Spur der Bande kam die Polizei, als am 5. November in Zürich ein 17-jähriger Pole aus Deutschland ins Netz ging. Am 13. November wurde in Friedberg in Mittelhessen ein 18-Jähriger aus Frankfurt als mutmaßlicher Komplize gefasst, zunächst aber wieder freigelassen.

Ermittlungen ergaben indes, dass beide Mitglieder eines großen Familienclans osteuropäischer Abstammung sind. Die Chefs wurden im Raum Frankfurt-Offenbach ausfindig gemacht.

"Dabei handelt es sich um einen 24-Jährigen mit schwedischem Pass sowie um einen 30-Jährigen mit US-Staatsbürgerschaft", sagt Klaus-Peter Arand vom Dezernat Organisierte Kriminalität. Sie hatten von Hessen, Schweden und Polen aus die Opfer angerufen und die Geldabholertrupps dirigiert.

Als die beiden am Dienstag am Flughafen Frankfurt-Hahn landeten, um die Großfamilie am Main zu besuchen, klickten die Handschellen. Der 18-jährige Frankfurter wurde ein zweites Mal festgenommen.

Mindestens eine weibliche Komplizin, nämlich die angebliche Schulfreundin Helga, ist freilich noch auf freiem Fuß. Dezernatsleiter Arand ist freilich optimistisch, die weiteren Mitglieder der Gruppierung ausfindig zu machen. Den kirchlichen Segen dazu gibt es offenbar: Die Soko nennt sich Katedra, polnisch für Kathedrale.
 

Wolf-Dieter Obst

21.11.2008 - aktualisiert: 21.11.2008 18:38 Uhr