Pflicht zur Verschwiegenheit ?
Maulkorb für LBBW-Verwaltungsräte
11.12.2008 - aktualisiert: 12.12.2008 13:12 Uhr
Chef-Aufseher verweist auf Pflicht zur Verschwiegenheit - Mehrere Strafanzeigen gegen Vorstand

Stuttgart - Der Chef des LBBW-Verwaltungsrats, Peter Schneider, drängt die Mitglieder, sich nicht zur Funktionsfähigkeit des Gremiums zu äußern.
Redeverbot für die Verwaltungsräte der LBBW – ist das richtig?###
In einem Schreiben an die Mitglieder des Verwaltungsrats, die den Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu kontrollieren haben, betont Schneider, er werde Fragen unserer Zeitung an die Mitglieder des Gremiums nicht beantworten, da die Mitglieder nach der Geschäftsordnung zur Verschwiegenheit verpflichtet seien. Gleichwohl nahmen neun der 30 Verwaltungsräte an der Umfrage unserer Zeitung teil. Sechs äußerten Unbehagen und zeigten sich nicht überzeugt, dass das Gremium in der Lage ist, den Vorstand ausreichend zu kontrollieren. So erklärte die gelernte Finanzwirtin und Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion, Iris Ripsam, es sei ein Problem, dass die Mitglieder "mit Anglizismen voll gepumpt werden".
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft unterdessen, ob gegen LBBW-Chef Siegfried Jaschinski (44) und seine sechs Vorstandskollegen der Verdacht der Untreue besteht. "Bei uns sind mehrere Strafanzeigen von Bürgern eingegangen", sagte die Sprecherin der Behörde unserer Zeitung. "In den Anzeigen wird der Verdacht geäußert, dass die kürzlich bekanntgewordene Verluste der LBBW auch auf kriminelle Handlungen der Verantwortlichen zurückzuführen sind." Nun werde geprüft, ob tatsächlich ein Anfangsverdacht bestehe und daher Ermittlungen einzuleiten seien, erklärte die Sprecherin. Nils Schmid (35), SPD-Finanzexperte und Mitglied im LBBW-Verwaltungsrat, kommentierte die Strafanzeigen zurückhaltend. Zwar sei viel Geld auf dem Kapitalmarkt "versenkt" worden. "Ich sehe aber bislang keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten." Kürzlich war bekanntgeworden, dass die LBBW für dieses Jahr mit Verlusten von rund zwei Milliarden Euro rechnen muss.
Klaus Köster, Rainer Wehaus
Lesermeinungen
23.12.2008 11:29
Autor: Engelbert Rolli
Maulkorb - da gibt es nur eine Erklärung! Die LBBW hat noch viel mehr Zocker-Leichen im Keller, als bisher zugegeben. Wir Steuerzahler werden noch unser blaues Wunder erleben.
In sämtlichen Religionen dieser Erde wurden Geldverleiher mit Schimpf und Schande aus den Tempeln gejagt - heute wissen wir warum und wir sollten es besser auch tun!
13.12.2008 22:23
Autor: Gerhard Gold
Den Vertretern einer öffentlichen Bank im Verwaltungsrat einen Maulkorb zu verpassen, ist mehr als seltsam, passt aber in die Verhaltensweise der Bank in den letzten Monaten. Wer glaubt denn, dass die maßgebenden Manager nicht schon vor Monaten wußten, was auf sie bzw. die Bank zukommt. Wenn sie es nicht wußten, dann würde dies ihre Unfähigkeit zeigen, wenn sie es wußten, dann haben sie monatelang die Öffentlichkeit belogen. Außerdem, es handelt sich ja nur um unsere Steuergelder, die hier verbraten werden. Daran zeigt sich, was der Bürger wert ist.
13.12.2008 19:42
Autor: H.Fritzsch
Nein, sooo einfach kann man sich das nicht machen! Wenn man nach dieser Riesenmisere den Verwaltungsräten auch noch einen Maulkorb verpasst, verliert der Bürger den letzten Rest Vertrauen in die LBBW und erkennt außerdem die Machtlosigkeit dieses Gremiums. Somit könnte sich der LBBW-Verwaltungsrat zusammen mit seinem Chef Peter Schneider eigentlich selbst auflösen.....