
Freiburg - Der Deutsche Caritasverband in Freiburg hat die Arbeit der Tafelbewegung in Deutschland scharf kritisiert.
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"Die Ausgabe von Lebensmitteln allein ist nicht geeignet, die individuellen oder strukturellen Ursachen von Armut zu bekämpfen", heißt es in einem aktuellen Beschluss des Caritasvorstandes, der unserer Zeitung vorliegt. Tafeln sind gemeinnützige Organisationen, die qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die von Händlern und Läden nicht mehr verwendet werden, sammeln und in Ausgabestellen an Bedürftige verteilen.
Dies helfe zwar eine Notsituation zu überbrücken, heißt es in dem Caritas-Papier, führe aber nicht aus der Not heraus. "Deswegen müssen Lebensmittelläden mit befähigenden Elementen gekoppelt sein." Dazu gehörten Hinweise auf Rechte und Ansprüche der Betroffenen - die meisten sind Hartz-IV-Empfänger - sowie eine Verknüpfung mit Beratungs- und Hilfsangeboten.
1993 wurde die erste Tafel in Berlin gegründet. Inzwischen ist ihre Zahl auf rund 800 angewachsen, die im Bundesverband Deutsche Tafel e. V. organisiert sind. "Der Ansatz der Tafelbewegung ist falsch", erklärte Markus Günter, Referatsleiter beim Deutschen Caritasverband, unserer Zeitung. Die Tafeln versuchten, die Armut zu lindern, nicht aber ihre Ursachen zu bekämpfen. "Die Tafeln sind aus Sicht der Caritas ein Rückschritt, weil sie auf Alimentation und nicht auf die Bekämpfung der Armut setzen." Günter lobte die Schwäbische Tafel in Stuttgart, die wirtschaftlich arbeiten und reale Preise verlangen würde.
"Jede dieser Tafeln zeigt, dass die wachsende Armut in unserem reichen Land ein Skandal ist", erklärte der Sprecher der Nationalen Armutskonferenz (NAK), Diakoniepfarrer Wolfgang Gern. Bei allem Lob blieb Gern aber kritisch: "Tafeln helfen Hartz-IV-Empfängern etwas aus ihrer unmittelbaren finanziellen Misere, sie geben ihnen aber nicht ihre Würde zurück. Wer gezwungen ist als Bittsteller aufzutreten, muss sich als Mensch zweiter Klasse fühlen."
Tafeln seien kein geeignetes Instrument Armut strukturell zu bekämpfen, sagte der NAK-Sprecher. "Wer Armut überwinden will, muss langfristig zum sozialen Ausgleich beitragen." In der Diakonie sei die Tafelarbeit eingebettet in ein Netz von Hilfs- und Beratungsangeboten. "Wir sind überzeugt: Das ist der richtige Weg."
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Lesermeinungen
18.12.2008 10:02
Autor: Heribert Schlensok
Der Soziale Mittagstisch hier in Hildesheim lädt Markus Günter ein, sich das Beratungsnetz rund um den Speisesaal anzuschauen. Die Sozalarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind leicht zu erkennen und jederzeit ansprechbar. Der Leiter, Diakon Wilfried Otto, ist weit über Hildesheim hinaus bekannt. Die Kindertagesstätte ist einbezogen. Die Caritas in Hildesheim bietet in Kooperation mit dem Sozialen Mittagstisch ein innovatives Programm namens "Family fit" an, dass der Deutsche Caritasverband auf dem Katholikentag im Mai 2008 stolz präsentiert hat. Hier werden etwa, wenn es mit den Eltern nicht geht, sogar die ältesten Geschwister als Schuldner- oder Erziehungsberater ausgebildet. Kennen Sie das Motto: "Kein Vortrag ohne Kaffee, kein Kaffee ohne Vortrag"? In den 800 Tafeln in Deutschland gilt: "Keine Hilfe ohne das Angebot weiterführender Hilfe, keine weiterführende Hilfe ohne Maßnahmen gegen Hunger und Fehlernährung." Das ist nicht nur bei der Diakonie so, das macht die Caritas genauso. In Hildesheim sind ca. ein Drittel der Besucher Kinder - Tendenz steigend.
16.12.2008 01:35
Autor: Horst-Ekkehard Rautmann
Wenn man von der Caritas hört, dann denkt man sofort an etwas christliches.
Was hier gesagt wurde, hat sicherlich nichts mit einer christlichen Einstellung zu tun. Nur sollte man jetzt nicht gleich diese verwerflichen Äußerungen bzw. Denkensweise nicht auf die gesamte Organisation der Caritas ausweiten. Die katholische Kirche ist jetzt jedoch aufgerufen, hier zu handeln, sowie sich von diesen gemachten Äußerungen entsprechend zu distanzieren. Sollte die katholische Kirche nicht imstande sein, entsprechende personelle Änderungen herbeizuführen, dann muss eben die gesamte Kirche mit diesen Makel fertig werden. Gerechtigkeitshalber sollte man jedoch auch an verwerfliche Äußerungen von Mitgliedern der evangelischen Kirche an dieser Stelle erinnern dürfen. Kein Geringerer als Herr Huber, Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland hat sich vor längerer Zeit einmal öffentlich insoweit geäußert, dass bevor es zu staatlichen Hilfen kommt (hatte nichts mit Tafel zu tun) zuerst der Staatshaushalt saniert werden müsse, damit die späteren Generationen nicht auf einen unendlichen Schuldenberg sitzen müssen. Auch wenn man selbstverständlich nicht jetzt zu Lasten der kommenden Generationen leben möchte, kann man doch die derzeitigen Menschen nicht so einfach ihren Schicksal überlassen. Gerade die Kirche wäre doch dazu aufgerufen, sich auch um diese Menschen zu kümmern.
Die Feuerwehren lassen doch auch keine Häuser abbrennen, damit das benötigte Wasser den kommenden Generationen zur Verfügung stehen kann, und nicht bereits jetzt verbraucht wird. Auf diese Art und Weise läßt sich keine Generationsgerechtigkeit herstellen. Aufgrund der Agenda 2010, und somit die Hartz-Verordnungen ist es ja überhaupt erst dazu gekommen, dass immer mehr Menschen in Armut verfallen, und somit Hilfe benötigen, was sich jetzt seit schwarz-rot noch dramatisch erhöht hat. Im nächsten Jahr muss damit gerechnet werden, dass aufgrund der dramatischen wirtschaftlichen Situation, sich die Anzahl der Hilfesuchenden noch erheblich steigern wird. Hier wären insbesondere auch die Kirchen dazu aufgerufen, diesen Zustand tagtäglich bei der Regierung auf die Tagesordnung setzen zu lassen, bis dieser unerträgliche Zustand zu Gunsten dieser bedauernswerten und ausgegrenzten Menschen behoben ist, und wir dann keine Tafeln mehr benötigen, was derzeit wohl ein undenkbarer Wunschtraum bleiben wird, und wir im nächsten Jahr diese Einrichtungen in jedem Ort der Bundesrepublik Deutschland einrichten müssen, bzw. enorm vergrößern müssen.
15.12.2008 20:44
Autor: Udo Engelhardt
Die zitierten Positionen von Caritas und nak stehen auf sehr dünnem Eis und sind zum Teil scheinheilig. Als leitender Mitarbeiter eines Wohlfahrtsverbandes ist mir sehr wenig davon bekannt wie es den Verbänden gelingt Menschen aus der Not heraus zu führen. Trotz aller Arbeit, ist es den Verbänden auch nicht gelungen die Armut zu überwinden. Wir alle wissen das die Zahl der Menschen, die "überflüssig" sind, seit Jahren kontinuierlich steigt. Ebenso ist mir das Konzept der Verbände unbekannt mit dem den Menschen ihre Würde wiedergegeben wird. Zugegeben Tafeln sind nicht perfekt und ich unterstütze die Position das eine ergänzende Sozialberatung sehr hilfreich für die Tafelkunden sein kann. Aus jahrelanger Erfahrung weiß ich aber auch das diese Menschen oftmals sehr dankbar für ein offenes Ohr und ein Lächeln ohne Vorurteile sind. Da ist es egal ob das Ohr einem Tafelhelfer oder einem Mitarbeiter der Caritas gehört. Hier wird ein Konflikt konstruiert hinter dem ich handfeste Interessen der Caritas vermute.
Drum, bitte nicht anderen vorhalten wozu man selber nur schwerlich in der Lage ist.