Die Elefantendame wurde zum Wappentier der Wilhelma.
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Stuttgart - Sie ist Europas ältester Elefant und hat Stuttgarts Wilhelma einst zum Zoo gemacht: Die faltige Grand Dame Vilja feiert am 24. Januar ihren 60. Geburtstag. Ein bisschen geschummelt ist es ja schon, denn das Wappentier des zoologisch- botanischen Gartens ist ein Wildfang, und niemand weiß so ganz genau, wann Vilja geboren wurde. Klar ist aber: Als sie 1952 für 12.000 Mark (etwa 6000 Euro) nach Stuttgart kam - als erstes Säugetier der Wilhelma - war sie mindestens drei Jahre alt.
Und als sie vor einem Jahr einen Sturz in den Graben mit wenigen Schürfwunden überlebte, stand für die Verantwortlichen fest, dass dieser Tag ihr Geburtstag wird. Der drei Tonnen schwere Dickhäuter ist ein Schlitzohr. Wenn es darum geht, Belohnungen zu erschleichen, wird Vilja auch auf ihre alten Tage noch höchst kreativ - und nicht selten zum "Langrüssel". Diesen kann sie nämlich ganz schön weit ausfahren, um die Taschen ihrer Pfleger nach Essbarem zu durchforsten. Findet sie da nichts, arbeitet sie mit Tricks.
"Wenn mir der Schlüssel runterfällt, hebt sie ihn immer auf. Sie gibt ihn mir aber erst, nachdem ich ihn mit einem Apfel ausgelöst habe", erzählt Pfleger Volker Scholl. Auch wenn er mal kurz eine Schaufel oder einen Eimer stehen lässt, kann es sein, dass Vilja sie ihm hinterherträgt. "Sie ist pfiffig." Früher, in ihren Jugendjahren, hat die indische Elefantendame noch nicht auf Belohnungen gewartet. Da hat sie Fotoapparate, Taschen und andere Mitbringsel ihrer Zaungäste lieber gleich verspeist. Die Reste im Kot entlarvten den Vielfraß. Von den höchst ungesunden Naschereien gab es noch reichlich, solange sie im alten Gehege stand und die Zuschauer näher an sie rankamen.
Kein Wunder, dass ihr der Umzug in das mittlerweile selbst etwas in die Jahre gekommene Elefantenhaus 1968 gar nicht schmeckte. "Elefanten sind sehr konservativ", sagt Scholl. Und Vilja sei zudem ein "ganz schöner Dickkopf". Die Dame legte damals die Vierbeinbremse ein, und konnte nur mit Hilfe von zwei Lastwagen in ihr neues Zuhause gezogen werden. Hier fühlt sie sich aber mittlerweile sehr wohl. Zusammen mit ihrer Elefantenfreundin Zella und zwei weiteren schwergewichtigen Asiatinnen verlebt sie ihre Tage. Zu ihren Hobbys gehören das Baden mit Warmwasser aus dem Schlauch, den sie gern selbst im Rüssel hält, und natürlich das Naschen von Äpfeln.
Außerdem futtert sie mit Wonne ihre Spezialnahrung, die eigentlich ein recht kostspieliges Futter für alte Pferde ist. "Der Grabensturz war im Grunde ein Glück im Unglück", erzählt der Pfleger. Weil Vilja damals vorübergehend einzeln gehalten werden musste, fiel auf, dass sie das normale Heu nicht mehr richtig verwerten konnte. Mit dem "Senioren-Müsli" nahm sie sofort ein paar Kilo zu. Für ihr Alter, das fast 100 Menschenjahren entspricht, ist die Grand Dame der Wilhelma noch ganz rüstig. Ein bisschen Arthrose plagt sie, ein Knie ist etwas steif. Auch deshalb schläft sie inzwischen lieber im Stehen. Hin und wieder braucht sie eine Pediküre, damit die Nägel nicht zu lang werden. Davon abgesehen wirkt sie recht fit.
Und doch sind die Tage der Seniorin, die in der freien Wildbahn schon vor zehn Jahren kaum noch eine Überlebenschance gehabt hätte, bereits gezählt. Denn Vilja kaut auf ihrem letzten Satz Zähne, und der ist schon glattgeschmirgelt. Versagen die Beißer eines Tages ganz den Dienst, dann geht nichts mehr. "Es ist beschlossen, dass es keine lebensverlängernden Maßnahmen geben wird. Vilja soll in Würde und ohne lange zu leiden sterben können. Am liebsten wäre es mir, wenn sie einfach plötzlich stirbt", betont Scholl.
Bis dahin freuen sich er und die anderen Pfleger an ihrer pfiffigen alten Dame. "Wir haben schon eine ganze Menge zu lachen mit ihr."
dpa/lsw