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Interview mit DSDS-Jurymitglied Eichinger

"Meinen Ohren geht es noch gut"

Jury-Neuling Nina Eichinger (Mitte).
Foto: RTL

Stuttgart - Nina Eichinger (27), Tochter von Erfolgsproduzent Bernd Eichinger und bisher MTV-Moderatorin, sitzt in der neuen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) in der Jury - und schämt sich für so manchen talentfreien Kandidaten.

Frau Eichinger, wie geht es Ihren Ohren?

Meinen Ohren geht es eigentlich noch gut. Es gibt aber ein paar Lieder, die ich schon jetzt wirklich nicht mehr hören kann.

Das lag wohl an den schiefen Tönen der Kandidaten?

Einige Lieder wurden immer wieder gesungen. Und wenn man sie so oft und oft falsch hört, will man sie irgendwann gar nicht mehr hören.

Wie oft haben Sie sich gedacht, warum tue ich mir diesen Job an?

Gerade am Anfang ist man überwältigt von der Länge der Castings. Man sitzt da teilweise bis zu zwölf Stunden.

Würden Sie sich als Menschenfreundin bezeichnen?

Ich bin ein sozialer Mensch und immer sehr neugierig auf neue Leute. Darauf habe ich mich auch bei DSDS gefreut.

Viele Kritiker empfinden DSDS aber als menschenverachtend, vor allem wegen der zynischen Sprüche von Dieter Bohlen ...

Ehrlich gesagt finde ich Dieter Bohlen gar nicht so bösartig. Man muss seine Sprüche auch mit einer Prise Humor und nicht wörtlich nehmen. Es ist eine ehrliche Kritik, die er sehr bildlich darstellt. Deshalb wirkt sie immer ein wenig übertrieben.

Also kein schlechtes Gewissen?

Nee, habe ich nicht. Bei manchen Kandidaten habe ich mich schon gefragt, Mensch, warum tut der sich das an. Warum stellt der sich hier hin, wenn er so talentfrei bist. Da hab' ich mich fremdgeschämt. Aber ich bin da inzwischen ziemlich hart, weil ich mir denke, es weiß jeder, was auf ihn zukommt.

Manchen Kandidaten machen Sie Hoffnung auf die große Karriere. Als MTV-Moderatorin wissen Sie aber genau, wie schnell die Casting-Sternchen wieder von der Bildfläche verschwinden ...

Ich fände es schlimm, wenn man jemandem sagt, er könne riesig rauskommen, und in Wahrheit ist dann nichts dahinter. Aber es ist ja schon so, dass die Kandidaten durch die Sendung Bühnenerfahrung bekommen. Sie erhalten Gesangsunterricht und gehen zum ersten Mal ins Tonstudio. Sie lernen also unglaublich viel, was ihnen für eine spätere Karriere behilflich ist. Dazu kommt die ungeheure Medienpräsenz. Wer hat schon die Chance, vor Millionen zu singen? Und es gibt durchaus Castingstars, die es schaffen, auch auf längere Sicht. Marc Medlock ist immer noch oben mit dabei. Auch Leona Lewis stammt aus einer Casting-Show. Ich glaube nicht, dass jeder gleich zum Superstar mutiert, aber die Chance ist da.

Ist diesmal jemand dabei, dem Sie eine große Karriere zutrauen?

Es gibt zwei, drei Kandidaten, bei denen ich die Stimme unglaublich finde und bei denen ich mir Hoffnung mache. Sie müssen sich aber auch verkaufen können, also dramatisch in einem Video posieren oder gute Interviews geben können, sympathisch wirken und bei den Menschen gut ankommen.

Sie haben sich selbst mal als Rampensau bezeichnet. War es die Einschaltquote, die Sie vom Spartensender MTV auf die große DSDS-Bühne gelockt hat?

Nicht wirklich. Das ist eher etwas, wovor man Angst bekommt, es hat mich also eher gebremst. Ich fand es bei MTV super schön. Es war der ideale Einstieg. Man hat Live-Sendungen und Aufzeichnungen, kann es aber locker angehen. Die Aufmerksamkeit ist jetzt viel, viel größer.

2001 spielten Sie eine Nebenrolle im von Ihrem Vater produzierten Kinofilm "Knallharte Jungs". Warum haben Sie es nicht mit einer Schauspielkarriere versucht?

Die Schauspielerei fasziniert mich immer noch. Es macht mir unglaublich viel Spaß. Deshalb hätte ich auch gern nochmal die Chance, das auszuprobieren. Die Leute haben aber immer gesagt: Moderation, das passt zu dir. Und es hat ja dann bei MTV auch geklappt. Ich versuche, jetzt alles Schritt für Schritt zu machen. Noch bin ich kein alter Hase im Moderationsgeschäft. Mir zittern immer noch die Knie. Ich bin mal gespannt, wie das bei DSDS wird.
 

Marko Belser

20.01.2009 - aktualisiert: 20.01.2009 18:22 Uhr