300 Millionen Euro Investitionen
Bagger räumen die alten Messebauten ab
Stuttgart - Der Abbruch der alten Messegebäude kommt auf Touren. Am Freitag gab OB Wolfgang Schuster auf dem Killesberg das Startsignal für eine Neugestaltung, die mit Investitionen von rund 300 Millionen Euro verbunden ist.
Die neue Zeit brach auf dem Killesberg endgültig am Freitag um 14.28 Uhr an. Der OB bediente den Steuerknüppel - und der Bagger rang das Logo der alten Messe Stuttgart über dem früheren Eingang Süd samt Vordach zu Boden. Schon vorher waren einige Hallen zurückgebaut worden. Bald werden immer mehr Lücken klaffen, wo jahrzehntelang Kongressgebäude und Messehallen standen. Im Oktober soll die alte Messe verschwunden sein.
Just am Freitag berieten die Stadträte auch über den Grundstückshandel mit dem Investor Franz Fürst aus Salzburg. Es ist ein Elf-Millionen-Euro-Geschäft.
Den früheren Messeparkplatz neben der Brenzkirche für das Scenario-Gebäude mit Mode-Orderzentrum, zwei Läden sowie Design- und Fotoateliers wird Fürst für rund 5,28 Millionen Euro übernehmen. Auf der anderen Seite der Straße Am Kochenhof soll er rund 14000 Quadratmeter zum Preis von 5,67 Millionen Euro erhalten, um ein Kreativquartier mit Büros sowie ein Stadtteilzentrum mit Läden zu bauen. Im Kreativquartier will sich die benachbarte Kunstakademie Ausweichflächen sichern und ein Schaufenster errichten. Die Stadt reduziert den Kaufpreis deshalb um rund 840000 Euro. Die Vollversammlung des Gemeinderats muss dem ganzen Handel am 5.Februar aber noch zustimmen. Und selbst dann kann der Kaufvertrag noch nicht notariell protokolliert werden. Erst soll Fürst nachweisen, dass 60 Prozent der Flächen im Scenario vermietet und beide Projekte finanziert sind. "Daran wird es nicht scheitern", sagt Fürst. Im Herbst will er das Gelände übernehmen und bauen.
Die Tragweite der Umgestaltung, sagt Schuster, sei ganz erheblich. Die Parklandschaft des Grünen U werde um zehn Hektar erweitert. 20 Hektar würden vielfältigen Nutzungen zugeführt, auch dem Wohnen. "Das wird nicht nur eine neues, sondern auch ein schönes Stück Stuttgart", versprach Schuster. Es werde ein "Qualitätssprung für alle". Die Stadt lässt sich den Abbruch 3,7 und ihren kompletten Beitrag zur Neugestaltung 23 Millionen Euro kosten. Von den voraussichtlich 72 Millionen Euro Grundstückserlösen geht aber auch noch der Aufwand für die Altlastenbereinigung ab, bisher zwei Millionen Euro. Tendenz steigend. Im Moment sehe es danach aus, dass die Stadt netto 47 Millionen Euro erlöse, sagt Finanzbürgermeister Michael Föll. Ursprünglich hatte man 55 Millionen angestrebt - zur Teilfinanzierung des städtischen Anteils an der Landesmesse auf den Fildern. Franz Fürst und die Investoren auf den Wohnbauflächen werden auf dem Killesberg noch einmal etwa 270 Millionen Euro aufwenden, sagt Schuster.
Eigentlich dürften sich auch die alteingesessenen Bewohner freuen, meint der OB. Zum Schutz vor Baulärm wird nur werktags zwischen 7 und 18 Uhr gearbeitet. Vor allem aber: Die weggezogene Messe habe viel Autoverkehr bedeutet. Der Bürgerverein legte aber erneut Protest ein. Mit dem Abbruch des Messeparkhauses habe die Stadt bewusst auf einen Parkplatzmangel und eine neue Konfliktsituation hingearbeitet. Der Verkehr nehme nicht ab, sondern zu - und damit auch die Luftverschmutzung.
Josef Schunder
23.01.2009 - aktualisiert: 30.01.2009 13:39 Uhr