
Sttuttgart - Nach jahrelangem Hickhack ums neue Zuhause der Wilhelma-Menschenaffen steht fest: Im November wird mit dem Bau der 15 Millionen Euro teuren Anlage begonnen. Als Umzugstermin peilt das Land Ende 2011 an. Absehbar ist damit auch, wann der zoologisch-botanische Garten wieder Löwen beherbergt.
Darauf angesprochen, wann die Bagger fürs neue Menschenaffenhaus anrücken, reagieren maßgebliche Wilhelma-Mitarbeiter seit geraumer Zeit einsilbig. Anfragen pflegt Direktor Dieter Jauch er mit den Worten "Wenden Sie sich ans Land" abzuwehren. Nachdem er mehrfach öffentlich aufs Tempo gedrückt hatte, seien sie in der Wilhelma zu verbaler Mäßigung verdonnert worden, heißt es. Man rechne 2009 mit dem Baubeginn, gab sich Jauch kürzlich entsprechend zurückhalten. Doch ihm brennt die Sache unter den Nägeln. Nicht nur weil Besucher seit Jahren die viel zitierte Badezimmerarchitektur der Affenunterkünfte als düster und steril bemängeln. Ein Gehege nach neuesten Standards der Zootierhaltung sei zwingend notwendig, um weiterhin Menschenaffenaufzucht betreiben zu dürfen, hatte Jauch mehrfach deutlich gemacht.
Nun zeichnet sich ab, dass die Gorillas und Bonobos Ende 2011 ihr neues Heim beziehen können: "Im Februar werden wir das Baugesuch einreichen und im November mit dem Bau beginnen", sagte Ilse Lange-Tiedje, Leiterin der zuständigen Landesbehörde Vermögen und Bau, Amt Stuttgart auf Anfrage. Veranschlagt seien zwei Jahre Bauzeit, derzeit befinde man sich in der Ausführungsplanung. Die Baugenehmigung wird laut Stuttgarter Baurechtsamt bis Mitte oder Ende Mai vorliegen.
Damit würde ein Projekt Wirklichkeit, um das seit Jahren gerungen wird. Erst finanziell, nachdem der Wilhelma-Förderverein schon 2003 mit der Zusage von 6,5 Millionen Euro für den Bau vorgeprescht war, dann planerisch, nachdem sich im Jahr 2006 der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs als verbesserungsbedürftig entpuppt hatte, und zuletzt wieder finanziell, als im September bekannt wurde, dass sich die Anlage verteuern würde und die Finanzierung von einer Million Euro offen sei. Abermals mussten das Berliner Büro Hascher Jehle Architekten ran - diesmal um den Entwurf abzuspecken. "15 Millionen Euro inklusive des Anteils des Fördervereins sind jetzt aber bereitgestellt", so Ilse Lange Tiedje.
Absehbar wird damit auch, wann die Wilhelma-Besucher wieder Löwen bestaunen dürfen. Nach dem Tod der beiden Berberlöwinnen Schiela und Elektra im vorigen Jahr lautete der Plan, mittelfristig wieder Könige der Tiere zu beherbergen. "Es steht fest, dass wir wieder eine Löwen-Gruppe haben werden", sagte jetzt Kuratorin Ulrike Rademacher. Dazu werde das bestehende Raubtierhaus modernisiert und erweitert, dieses Vorhaben aber erst mit Fertigstellung der Menschenaffenanlage in Angriff genommen, "damit die Besucher nicht von Baustelle zu Baustelle geschickt werden."
2011 werden also nochmals etwa eine Million Euro investiert, um zwei oder drei asiatische Löwen angemessen unterzubringen. Bestärkt sieht sich die Wilhelma-Leitung durch zahlreiche Anfragen von Besuchern. Tenor: Einem Zoo ohne Löwen fehlt Entscheidendes. Mit den Raubkatzen werde man sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) beteiligen, so Ulrike Rademacher.
Asiatische Löwen haben etwas weniger Mähne, ferner offenbaren sie eine anderes Sozialverhalten als ihre afrikanischen Artgenossen. Letztere sind Rudeltiere, die vom Aussterben bedrohten asiatischen Löwen eher Einzelgänger. Weltweit leben in 34 Zoos 86 dieser Raubkatzen. In freier Wildbahn existieren nur noch rund 300 Exemplare: im Gir-Nationlpark im Bundesstaat Gujarat im Westen Indiens.