Neue Studie
Pfui, Spinne!
20.02.2009 - aktualisiert: 20.02.2009 12:55 Uhr
Würzburg - Eltern kennen es: Bevor ihr Kind einschlafen kann, muss "diese eklige Spinne da oben" noch schnell entfernt werden. Auch so manchen Erwachsenen kostet die kleine Nothilfe Überwindung - nur schnell raus mit dem garstigen Krabbeltier. Nach Erkenntnissen von Psychologen ängstigen oder ekeln sich etwa jede dritte Frau und jeder fünfte Mann vor Spinnen. Doch der Grund dafür scheint ein anderer zu sein als meist vermutet. Das wollen Wissenschaftler der Uni Würzburg herausgefunden haben.
Sich vor Spinnen zu fürchten, zumindest vor sehr giftigen, könnte aus evolutionärer Sicht sinnvoll sein. Doch in den meisten Fällen kann Spinnengift nur Insekten und kleinen Säugetieren gefährlich werden. Dennoch erscheint es logisch, den allzu nahen Kontakt zu meiden. Die Würzburger Psychologen um den Privatdozenten Georg Alpers bezweifeln allerdings, dass Spinnengift die Ursache für eine dem Menschen quasi eingeimpfte Angst ist. Wenn das Gift Auslöser für die Angst wäre, "müssten Menschen eigentlich genauso stark auf andere giftige Tiere reagieren, beispielsweise auf Bienen oder Wespen", urteilt Alpers. Nicht zuletzt deshalb, weil für Allergiker der Stich einer Wespe tödlich enden kann.
Alpers und seine Mitarbeiterinnen Antje Gerdes und Gabriele Uhl wollten deshalb wissen, ob Menschen allgemein Furcht verspüren, wenn sie auf Spinnen stoßen - ganz gleich, ob diese giftig sind oder nicht. Und sie wollten ermitteln, ob Spinnen eine Sonderrolle im Vergleich zu Insekten einnehmen. Dazu präsentierten sie Studierenden Bilder von Spinnen, Wespen, Bienen, Käfern, Schmetterlingen und Motten und fragten, wie sehr sie sich vor den Tieren fürchteten oder ekelten und für wie gefährlich sie diese hielten.
Das Ergebnis: "Spinnen riefen signifikant mehr Angst und Ekel hervor", sagt Alpers. Während Angst vor Gefahr schützt, bewahrt Ekel vor Verdorbenem. Das würde erklären, warum manche Testpersonen auch Käfer abstoßend finden. Doch der Ekel vor Spinnen übertrifft offenbar den vor Käfern bei weitem.
Die Angst vor Spinnen erklärt der Psychologe mit mangelnder Erfahrung. So haben Menschen mit Bienen häufig Kontakt, weil sie schon immer am Honig interessiert waren. Bei Spinnen hingegen mangle es generell am Wissen, dass deren Bisse vergleichsweise harmlos sind.
Bleibt die Frage, warum sich offenbar mehr Frauen als Männer vor Spinnen und anderen Krabblern ängstigen. Erbliche und gelernte Faktoren von Ängstlichkeit seien "schwer auseinanderzuhalten", sagt dazu Silvia Uhle, Leitende Psychologin an der auf Angsterkrankungen spezialisierten Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster. Allerdings sei erwiesen, dass bestimmte Ängste häufiger bei Frauen auftauchen als bei Männern.
Gemeint ist damit nicht nur die Angst vor Spinnen, sondern auch vor Ratten, Dunkelheit, engen Räumen oder Gewittern. Je nach Studie entwickeln Uhle zufolge bis zu 90 Prozent der Frauen derartige Phobien. Dabei handle es sich jedoch um "erlernte Ängste". Es zeige sich nämlich, "dass die meisten Betroffenen sagen, auch ihre Mutter habe Angst vor Spinnen, Gewittern, Dunkelheit und so weiter gehabt".
Walter Schmidt