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Ministerin im Irrtum

Babyboom bleibt aus

09.03.2009 - aktualisiert: 09.03.2009 18:56 Uhr

Wiesbaden/Stuttgart - Seit dreieinviertel Jahren ist die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen inzwischen Bundesfamilienministerin. Sie hat frischen Wind und frisches Geld in die Familienpolitik gebracht und dafür breite Anerkennung erhalten. Doch es dauert lang, um Deutschland wieder kinder- und familienfreundlicher zu machen. Zu lang offensichtlich für eine Politikerin, die dieses Jahr wiedergewählt werden will.

Mehr Kinder durch die Politik von Ursula von der Leyen: Ein Bluff?
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Von der Leyen will schon jetzt die Früchte ihrer Arbeit ernten und verkaufen. Deshalb redet sie auch Früchte herbei, die noch gar nicht da sind. Der erste Fall dieser Art war vor einem Jahr. Damals sagte die Ministerin, sie wette darauf, dass die Geburtenrate in Deutschland für das Jahr 2007 deutlich über 1,4 liegen werde. Wasserstandsmeldungen aus dem Statistischen Bundesamt waren es offenbar, die sie zu dieser kühnen Aussage bewogen.

Am Ende lag die Rate deutlich drunter. Die gebährfähigen Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren brachten 2007 im Schnitt 1,37 Kinder zur Welt. Zwar war damit der Abwärtstrend der Jahre zuvor vorläufig gestoppt. Der von der Ministerin verheißene Babyboom blieb aber aus. Spätestens nun hätte von der Leyen wissen müssen, dass unvollständige Zahlennicht für Erfolgsmeldungen taugen.

Vor drei Wochen aber wurde sie zur Wiederholungstäterin. Erneut rechnete sie Wasserstandsmeldungen des Statistischen Bundesamts aufs Jahr hoch. Im Jahr 2008 seien 690 000 Kinder in Deutschland zur Welt gekommen, behauptete sie - 5000 mehr als im Vorjahr. Zwar warnte von der Leyen vor Euphorie, doch die Zahlen machten natürlich die Runde.

Nun zeigt sich: Auch diese Zahlen stimmen nicht. Ausgewertet waren nur die Geburten bis September. Nur einen Tag nach von der Leyens Auftritt kamen die Oktoberzahlen. Und die fielen deutlich niedriger aus als im Vorjahresmonat. Doch damit nicht genug: Jetzt liegen auch die Novemberzahlen vor. Und auch die sind schlecht. So schlecht, dass schon ein kleines Wunder geschehen müsste, damit die Prognose von der Leyens noch wahr wird. Die Dezember-Zahl, die derzeit noch ermittelt wird, müsste um 22,3 Prozent über dem Vorjahr liegen, damit die Geburtenzahl 2008 auch nur konstant bleibt. Viel wahrscheinlicher ist daher, dass in ein paar Monaten, wenn die endgültigen Zahlen vorliegen, ein Geburtenrückgang vermeldet werden muss.
 

Reiner Wehaus


Lesermeinungen
12.03.2009 14:20
Autor: Martha Kaiser


Es ist schrecklich, dass die Erziehung der eigenen Kinder nicht als Arbeit anerkannt wird!
Es ist entsetzlich, dass Familienfrauen- und -männer nach der Scheidung keinen Unterhalt mehr erhalten.
So kann niemand eine vernünftige Bindung zu seinen Kindern aufbauen, da jeder Angst hat, auf dem Arbeitsmarkt etwas zu verpassen.
Kinder sind keine Freude mehr, sondern nur noch Armutsrisiko.

 

10.03.2009 15:23
Autor: Helmut Willenbrock

Zu bluffen, das versteht die Familienministerin v.d.Leyen, und an Geld hat es nicht gemangelt; dennoch ist die Geburtenrate so niedrig, dass die Bevölkerung schrumpft.Wirft man eien B lick nach Frankreich, dann ist dort die Geburtenrate wesentlich höher, auch die Frauenerwerbsquote ist höher und das Kindergeld niedriger. Dort besteht mit der ecole maternelle Schulpflicht mit drei Jahren, es gibt echte Ganztagsschulen, Gesamtschulen, Mittagesen usw. Das heißt: gute Sachleistungen direktg an die Kinder statt Geldleistungen an die Eltern. 180 (?) Töpfe soll es geben, oft schwer erreichbar, und "katastrophal" (v.d.Leyen) kontraproduktiv im Fall des Betreuungsgeldes, das zu zahlen die CSU fordert, wenn Eltrn ihr Kind nicht in eine Krippe schicken sondern es selbst erziehen.Später "droht" diese Gesellschaft mit 16 sehr untrerschiedlichen Schulsystemen, halbherzigen Ganztagsshulen, Un-Pädagogen und Schulministern, gegen die die eigenen Lehrer Sturm laufen. Früher fand "Kindergarten" als deutsches Fremdwort Eingang in fremde Sprachen, jetzt sind es "Blitzkrieg" und "Berufsverbot". Es gibt mehr zu tun als Show und Money.

 

10.03.2009 15:11
Autor: Frank Hübner

Die Oberglucke von der Leyen,die sich am wohlsten fühlt,wenn sie mit Krabbel-Kindern ihren Arbeitstag verbringen kann,hat schon immer außerhalb der Realitäten gelebt.
Vielleicht sollte sie mal mit Kabinettskollegen Kontakt aufnehmen oder Zeitung lesen.Wenn wir demnächst wieder fast 5 Millionen Arbeitslose und zusätzlich 1 bis 2 Millionen Kurzarbeiter haben werden,dann werden viele verantwortungsvolle Paare ihre Familienplanung zurückstellen.Da helfen dann auch keine zusätzlichen Kindergartenplätze oder eine Erhöhung des Kindergeldes.Es sei denn,man ist ohnehin hoffnungslos verarmt.Dann können zusätzliche Kinder die Kasse etwas aufbessern.Nicht zu vergessen die Patenschaft des Bundespräsidenten ab dem 7.Kind.

 

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