Drucken Versenden

Gasantrieb

Gas ist nicht gleich Gas

Erdgas ist eine von zwei Möglichkeiten, Gas fürs Auto zu tanken
Foto: dpa

Autos mit Gasantrieb fahren sparsamer und werden steuerlich begünstigt
 

Stuttgart - Spätestens seit die Benzin- und Dieselpreise Achterbahn fahren, sind mit Gas betriebene Autos für viele Autokäufer eine Überlegung wert. Die deutlich niedrigeren Gaspreise an den Tankstellen und der geringere Schadstoffausstoß machen neugierig. Gasautos gelten als technisch recht zuverlässig, das Angebot der Automobilhersteller und Umrüster wird immer vielfältiger.

Wer sich dem Thema unbefangen nähert, merkt schnell: Gas ist nicht gleich Gas. Es gibt Motoren, die Erdgas, und solche, die Autogas verbrennen. Das Erdgas (als Compressed Natural Gas, kurz CNG, bezeichnet) kommt entweder aus der Pipeline oder wird aus Pflanzenresten industriell erzeugt. Autogas hingegen besteht aus den gasförmigen Rückständen der Benzin- und Dieselproduktion. Diese Kohlenwasserstoffe werden unter Druck verflüssigt, weshalb man Autogas auch als LPG (Liquified Petroleum Gas) bezeichnet.

Die Motoren moderner Gasautos sind in der Regel bivalent ausgelegt. Das bedeutet, dass sie sowohl Gas - entweder Erdgas oder Autogas - als auch Benzin verbrennen können. Entsprechend haben sie zwei verschiedene Kraftstofftanks. Gestartet wird der Motor mit Benzin, erst bei Betriebstemperatur wird - für den Fahrer fast unmerklich - auf Gas umgeschaltet. Zwei Kraftstofftanks an Bord sind auch deshalb empfehlenswert, weil Gastankstellen bisher noch vergleichsweise dünn gesät sind. In Deutschland hat Autogas mit fast 4800 Zapfstellen gegenüber etwa 830 Erdgas-Tankstellen die Nase vorn. Auch bei den europäischen Nachbarn ist Autogas deutlich weiter verbreitet.

Bei Umrüstung eines Gebrauchtwagens ist Autogas die kostengünstigere Variante

Wer einen Neuwagen mit Gasantrieb kaufen will, ist mit Erdgas besser bedient, da zahlreiche Autohersteller Erdgasfahrzeuge ab Werk anbieten. Autogasanlagen werden in der Regel nachgerüstet, Neuwagen sind selten. Will man ein vorhandenes Fahrzeug auf Gasantrieb umrüsten, ist Autogas die weitaus kostengünstigere Technik. Ein Umrüstsatz ist für 2000 bis 2500 Euro zu haben und wird in Fachwerkstätten eingebaut. Manche Automobilhersteller werben sogar für die Neuwagen-Umrüstung zum Nulltarif. Die Erdgasumrüstung ist mit 2500 bis 4500 Euro viel teurer, da der deutlich höhere Betriebsdruck druckfestere Tanks und Leitungen erfordert. Ein Praxistipp: beim örtlichen Gasversorger nachfragen, ob er den Kauf von Erdgasautos finanziell unterstützt. Die Furcht vor explodierenden Gastanks ist bei beiden Techniken unbegründet, wie aktuelle Crashtests von Tüv und ADAC belegen. Selbst das Einstellverbot für Gasfahrzeuge in Tiefgaragen ist mittlerweile aufgehoben. In den neuesten Erdgasmodellen wie VW Passat TSI Ecofuel oder Opel Zafira Ecoflex Turbo arbeiten jetzt Turbomotoren, die das fehlende Temperament früherer Erdgasfahrzeuge weitgehend vergessen machen.

Tankvorgänge gehen bei Autogas etwas schneller vonstatten als bei Erdgas. Weil die Tankstutzen sich unterscheiden, besteht keine Verwechslungsgefahr. Wer mit einem Autogasfahrzeug ins Ausland fährt, sollte unbedingt einen Satz Adapter dabeihaben, da in Europa nicht weniger als drei verschiedene Tankstutzen gebräuchlich sind.

Es gibt keinen Königsweg zum richtigen Kraftstoff

Bei der Energiebilanz und den CO2-Emissionen von der Gewinnung bis zum Auspuff schenken sich beide Kraftstoffe fast nichts. Die Betriebskosten von Erdgasautos sind nach Berechnung der Stadtwerke Magdeburg etwa 15 Prozent günstiger als die von Autogasautos. Da der ermäßigte Steuersatz für Gaskraftstoffe bis 2018 festgeschrieben ist, dürfte der Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel im Prinzip bis dahin bestehen bleiben. Beim Preis an der Zapfsäule wird es allerdings verwirrend. Bei Autogas gilt der Preis für den Liter, Erdgas wird dagegen auf Basis des getankten Gewichts in Kilogramm abgerechnet.

Unter dem Strich gibt es keinen Königsweg zum richtigen Kraftstoff: Jeder Interessent wird vor dem Hintergrund seiner persönlichen Situation die Einzelargumente anders gewichten. Etwa die Nähe zu einer Gastankstelle oder die stark schwankenden Kraftstoffpreise. Bisher haben sich deutlich mehr Autofahrer für Autogas- als für Erdgasfahrzeuge entschieden.
 

Soak

16.03.2009 - aktualisiert: 16.03.2009 11:53 Uhr

 



Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise