Drucken Versenden

Interview mit Felicitas Woll

"Heimat ist da, wo ich glücklich bin"

Felicitas Woll
Foto: SWR

Stuttgart - Sie wurde als Lolle in der Serie "Berlin, Berlin" berühmt, doch aus der Schublade als süßer Feger mit kessem Mundwerk hat sich Felicitas Woll (29) längst freigestrampelt. Nach Filmen wie "Dresden" oder "Wir sind das Volk" ist sie erneut in einem historischen Stoff zu sehen - am 25. März im Ersten in "Kinder des Sturms".

Frau Woll, in Ihrem neuen Film spielen Sie eine Mutter, die 1946 aus Schlesien flieht und sich in Süddeutschland eine neue Existenz aufbaut. Was bedeutet Ihnen Heimat?

Ich will ja nicht schnulzig klingen, aber Heimat ist für mich da, wo ich glücklich bin, wo ich auftanke, wo meine Tochter ist, mein Haus. Meine Generation ist behütet aufgewachsen, ich hatte nie das Gefühl, heimatlos zu sein. Nach dem Krieg war das völlig anders, viele Leute mussten sich irgendwo etwas Neues aufbauen, das Einzige, was sie Heimat nennen konnten, war kein Fleckchen Erde, sondern ihre Familie, die Familienmitglieder, die überlebt hatten.

Welche Rolle spielten die Themen Krieg, Flucht und Nachkriegszeit in Ihrer Familie? Ihre Oma müsste einiges erzählt haben, Ihre Urgroßeltern überlebten mit den drei Töchtern 1945 die Bombardierung Dresdens.

Ich kann mich nicht erinnern, dass das ein Thema war. Es wurde in Deutschland sowieso lange nicht über das Leid der deutschen Zivilbevölkerung, über die Bombennächte oder Flucht und Vertreibung gesprochen, das ist erst in jüngerer Zeit wieder so.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? Sie spielen eine Mutter, die bei der Flucht von ihrer Tochter getrennt wird und sie in der Nachkriegszeit jahrelang sucht.

Am Anfang war erst mal die Diskussion, ob ich nicht zu jung bin für diese Rolle, aber ich wollte das unbedingt spielen. Ich habe versucht, mir die Zeit durch Bilder und Dokumentationen näherzubringen, habe mir Suchdienstaktionen im Internet angeschaut und nachgelesen, was es für Kinder bedeutet, die Eltern zu verlieren und vielleicht nie zu erfahren, woher sie kommen und wohin sie gehören. Ich habe mich auch ganz stark damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, sein Kind zu verlieren. Da ich selbst Mutter bin, konnte ich mich gut in das Gefühl hineinversetzen, ich wusste vor den Dreharbeiten gar nicht, was das in mir auslöst.

Es war also sehr aufwühlend für Sie?

Ich habe in der Drehzeit meine Tochter manchmal zwei Wochen nicht gesehen, und das war sehr hart, hat mir aber auf der anderen Seite geholfen, mich in die Figur hineinzuversetzen. Diese Sehnsucht, diese Angst sich vor anderen zu entblößen, das war nicht leicht. Ohne den Regisseur Miguel Alexandre hätte ich nicht gewusst, wie ich das überstehen soll. Zum Glück kann ich nach Drehschluss gut abschalten - ich ziehe abends das Kostüm aus, gehe aus dem Wohnwagen und bin wieder ich. In meinen Träumen hat mich das alles aber eine ganze Weile lang verfolgt.
 

Cornelia Wystrichowski

23.03.2009 - aktualisiert: 23.03.2009 18:23 Uhr

 



Anzeigen
 
 
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
ePaper
Für Abonnenten
Für Kaufinteressenten
» Abonnement
» StN Digital
» Einzelexemplar
» Infos
» Preise