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Schutz unzureichend

Achtung, Gammelfleisch!

Foto: dpa

Stuttgart - Der Schutz der Verbraucher vor Gammelfleisch ist nach Ansicht von Politikern und Verbraucherschützern trotz zahlreicher Fleischskandale noch immer unzureichend. Der agrar- und ernährungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, sagte, die von der Koalition jüngst beschlossenen Änderungen im Lebens- und Futtermittelrecht seien "nicht mehr als ein absolut löchriger und mangelhafter Versuch vonseiten der Regierung, dem Verbraucher glaubhaft zu machen, dass die Kontrollen besser werden und die Gefahr von schlechtem Fleisch geringer".

Bleibt der Verbraucherschutz auf der Strecke?
 
 


Experten sind sich darin einig, dass das Einfärben von Schlachtabfällen den wirksamsten Schutz vor Betrügereien darstellen würde. Obwohl dies seit Jahren bekannt sei, würde weder in Deutschland noch in der EU der Versuch unternommen, Schlachtabfälle zu markieren, sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Auch Goldmann erklärte, dass nur durch die Einfärbung "illegale Interessen ausgebremst werden können". Die Uneinigkeit auf nationaler und EU-Ebene stelle in dem Fall "die größte Bremse" dar.

"Schlachtabfälle werden in der EU nicht behördlich erfasst und dokumentiert. Da eine Einfärbung nicht vorgeschrieben ist, kann die Ware frei gehandelt werden", sagte Wolfschmidt unserer Zeitung. Dies lade zum Missbrauch geradezu ein. "Die Gefahr, erwischt zu werden, geht gegen null", so der Veterinär Goldmann.

Der damalige Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hatte 2007 angekündigt, Schlachtabfälle notfalls im nationalen Alleingang einzufärben, um sie aus der Lebensmittelkette herauszuhalten. Getan hat sich bislang nichts. Eine Anfrage unserer Zeitung beim Bundesverbraucherministerium ergab, dass sich ein "entsprechender Verordnungsentwurf zurzeit in der rechtsförmlichen Prüfung" befindet. Der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne, zeigte sich skeptisch hinsichtlich einer raschen Einführung von Fleischfarbe. "Bis das Projekt durch alle Gremien ist, dauert es sicher noch Jahre."

Der Bundestag hatte zuletzt am 20. März mit den Stimmen der Großen Koalition das Gesetz zur Änderung des Futtermittel- und Lebensmittelrechts verabschiedet. Danach müssen Lebensmittelunternehmer künftig Verdachtsfälle melden, sollte ihnen etwa genussuntaugliches Fleisch geliefert werden.

"Die Verwertung von Fleischabfällen kann ein lukratives Geschäft sein", erklärte Jutta Jaksche von der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Es gibt hier eine erkennbare kriminelle Energie."
 

Markus Brauer

17.04.2009 - aktualisiert: 17.04.2009 18:53 Uhr

 


Lesermeinungen
22.04.2009 09:41
Autor: SEPP

Eine wirkungsvolle Waffe wäre die Veröffentlichung von Namen der aufgefallenen Firmen/Lokalen (wie z.B. in Berlin). Doch dafür scheint in Stuttgart niemand Manns genug zu sein, oder sind da etwa andere Interessen im Spiel? Das erkläre dann auch, wieso stattdessen Kontrolleursstellen gestrichen werden

 

20.04.2009 14:12
Autor: Susanne

So wie die Gesetzeslage zur Zeit aussieht, kann sich der Verbraucher nur insofern schützen, als er weniger Fleisch konsumiert und während des Kaufs darauf achtet, dass das Fleisch aus ökologischer Tierhaltung stammt und auch ein Biogütesiegel trägt. Natürlich ist dieses Fleisch entsprechend teurer, der Preis sollte es einem jedoch aus gesundheitlichen Aspekten und vor allem auch aus Respekt vor dem Tier wert sein.

Der Verbraucher ist gar nicht so hilflos wie meist angenommen wird, noch kann er vieles selbst in die Hand nehmen und ein Zeichen setzen! Leider sind die meisten aber nicht dazu bereit, da greift man doch schnell mal lieber zur Billigwurst bevor man einen höheren Preis bezahlt, solange der Konsument immer nur das Billigste vom Billigen fordert, ohne zu Hinterfragen, wird diese preisliche Kaufbarriere bestehen bleiben und sich nicht viel ändern. Die Schnäppchenmentalität ist allgegenwärtig, auch beim Lebensmittelkonsum. Übrigens kann ich Roland nur zustimmen, das millionenfache unerträgliche Tierleid darf man nicht unterstützen!! Mit Bioprodukten ist man da eher auf der sicheren Seite.

 

20.04.2009 09:56
Autor: Yogi

Was für ein Verbraucherschutz? Bei uns werden doch eher die Firma beschützt als der Verbraucher. Solange wir korrupte -manche nennen es Lobbyarbeit- Politiker haben wird sich nicht wirklich etwas ändern.

 

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